Ellenberg l „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“, sagt der Volksmund. Dieser Spruch erwies sich bei der Versammlung des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr Ellenberg am Freitag als mehr als zutreffend.

Zunächst verlief noch alles in geordneten Bahnen, ganz so wie Jahreshauptversammlungen eben vonstatten gehen. Jahresbericht, Kassenbericht, Entlastung des Vorstandes, Diskussionsrunde und anschließend gemütliches Beisammensein.

Anlass: Satzungsänderung

Bei Tagespunkt 13 nahmen die Dinge allerdings einen ganz anderen Verlauf. Eine Satzungsänderung, eingebracht durch Vereinsmitglied und Wehrleiter Thomas Ortlieb, die in einer Abstimmung von 14 der 17 anwesenden Mitglieder befürwortet wurde, brachte den abrupten Richtungswechsel im Versammlungsablauf. Vereinsvorsitzender Georg Pijan erklärte unmittelbar darauf den vollständigen Rücktritt des Vorstandes.

Zunächst erstaunte, dann leicht irritierte Blicke. Handelte es sich vielleicht um einen Aprilscherz aus der Rubrik: „Völlig daneben“?

Solche Überlegungen entkräftete Pijan umgehend mit den Worten, dass man sich diese Entscheidung im Vorstand nicht leicht gemacht habe. Aber schließlich sei man zu dem Schluss gekommen, dass nur Neuwahlen das Schiff wieder auf Kurs bringen würden.

„Die Vereinsarbeit habe ich mir etwas anders vorgestellt“, begründete Pijan die Entscheidung. „Aber ich bin nicht gewillt, meine Freizeit mit Kämpfen auszufüllen. Und so lege ich mein Amt nieder und mit mir der gesamte Vorstand.“

Auf Nachfrage in der Pause bekräftigte der Vorsitzende, dass die Entscheidung zum Rücktritt bereits weit vor der Versammlung und damit vor der Abstimmung getroffen worden war. Der Vorstand habe sich diesbezüglich eingehend beraten und sich für einen gemeinsamen Rücktritt entschieden.

Passus "aktiv" ist Streitpunkt

Als Grund benannte Pijan Unstimmigkeiten in verschieden Fragen, die schon über einen längeren Zeitraum zwischen der Leitung der Feuerwehr und dem Vorstand des Fördervereins beständen. Die Rücktrittsentscheidung wurde auch dementsprechend gegenüber den Mitgliedern nach der Pause so begründet.

Dem widersprach Wehrleiter Thomas Ortlieb mit Nachdruck. „ Es gab keine Probleme mit der Führung der Feuerwehr, vielleicht mit der Meinung einzelner Kameraden. Es hätte Wortmeldungen gegeben, die nicht mit der Meinung der Wehrleitung übereinstimmen“, sagte er in Hinblick auf die Jahreshauptversammlung der Feuerwehr.

„Das waren und sind persönliche Meinungen von Kameraden und diese sind ihnen freigestellt.“ Denn schließlich gebe es eine Meinungsfreiheit. Die Wehrleitung wolle nicht, dass der Vorstand zurücktrete oder dass der Verein sich gar auflöse.

Doch worum genau ging es? In Paragraf 2, Absatz 1 der Vereinsatzung steht geschrieben, dass der Förderverein ideelle und materielle Unterstützung gegenüber der Feuerwehr Ellenberg leistet. Doch Thomas Ortlieb hätte in diesem Passus gern das Wörtchen „aktiv“ eingefügt. Das wiederum hieße, dass die Mitglieder des Fördervereins den Kameraden der Feuerwehr künftig bei Aktivitäten, wie dem Maibaumstellen und dem Turmblasen, auch physisch zur Seite stehen.

Mehr Einsatz gewünscht

Er denke dabei zum Beispiel an Theken- oder Kassendienste, um so die Kameraden bei diesen Veranstaltungen zu entlasten, so Ortlieb. Er freue sich darüber, dass der Förderverein den Kauf von 20 Fleecejacken zu einem Drittel finanziert habe, „aber ich wünsche mir mehr Manpower“.

Ohne den Zusatz wäre eine körperliche Beteiligung durch die Mitglieder des Fördervereins nicht möglich, weil die Satzung dieses nicht vorsehe, begründete Ortlieb seinen Antrag.

Rückendeckung erhielt er unter anderem von Heike Herz: „Dies ist doch auch der Grund gewesen, dass der Verein überhaupt gegründet wurde. Darum verstehe ich die ganze Diskussion auch nicht “, erklärte sie. Viele Fragenzeichen schwebten in den folgenden Minuten über den Häuptern der Anwesenden.

Auflösung möglich

Die Mehrheit der anwesenden Mitglieder hatte für den Zusatz „aktiv“ im entsprechenden Absatz der Satzung gestimmt? Und doch erklärte der Vorstand seinen Rücktritt. Warum?

Georg Pijan begründete den Schritt damit, dass sich der Vorstand nicht festnageln lassen wolle. Personelle Unterstützung bei Bedarf zu leisten, das wäre in Ordnung, sagte er. Aber daraus eine Pflicht zu machen, dafür gebe es ein klares „Nein“. Wie geht es nun weiter mit dem Verein? Der Vorsitzende verwies auf die Satzung. Da eine Neuwahl am Freitag nicht zustande kam, muss nun eine weitere Sitzung einberaumt werden, in der die Mitglieder einen neuen Vorstand wählen.

Kommt es auch dann zu keiner Neuwahl, könnte dem Verein die Auflösung drohen, erklärte der amtierende Vorsitzende. Der Inhalt der Vereinskasse würde, entsprechend der Satzung, der Gemeinde Wall-stawe zugute kommen. Inwieweit die Feuerwehr Ellenberg davon profitieren würde, könne er nicht sagen. Die Neuwahl, der für den Fortbestand des Vereins entscheidende Termin, wurde auf Mittwoch, 4. Mai, festgelegt.