Salzwedel/Höör l „Wir machen das, weil wir es als so wichtig empfinden“, sagt Karl-Heinz Reck. Hinter dem „Wir“ verbergen sich der Kunstverein Atelierhaus Hilmsen und das Jenny-Marx-Forum Salzwedel in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Unternehmen Barbarossa – unter diesem Decknamen des nationalsozialistischen Regimes lief der Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941, der schließlich den Deutsch-Sowjetischen Krieg eröffnete.

Nicht erobern, sondern aushungern

Im September erreichte die Heeresgruppe Nord Leningrad. Doch dann wurde das ursprüngliche Ziel, die Stadt zu erobern, auf Befehl Hitlers geändert: Die Einschließung Leningrads mit dem Ziel, alle Bewohner verhungern zu lassen. „Die 900 Tage dauernde Blockade von Leningrad, gilt als eines der schwersten Verbrechen gegen die Menschlichkeit der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg“, sagt Karl-Heinz Reck, von 1990 bis 2006 Landtagsabgeordneter und im Kabinett von Reinhard Höppner von 1994 bis 1998 Kultusminister.

Szene in Roman dient als Vorlage

Die Ausstellung, die in Salzwedel am 17. November eröffnet wird und vermutlich bis Ende Januar, Anfang Februar 2017 zu sehen sein wird, basiert auf der Schilderung eines Ereignisses im Roman „Kaputt“ von Curzio Malaparte. Darin wird beschrieben, wie Pferde in den Ladoga-See getrieben werden und darin schließlich qualvoll erfrieren.

Bilder

Der schwedische Künstler André Prah hat sich dieses Themas angenommen und eine mehr als beeindruckende Antikriegsinstallation geschaffen. Aus Treibholz der Ostsee fertigte er rund 500 Pferde, die beim Betrachten das Leid der Tiere zeigen. Damit symbolisiert der im Jahr 1941 in Maribor, Slowenien, geborene Künstler das Leid der Menschen im belagerten Leningrad. In Salzwedel werden in der Ausstellung mehr als 50 seiner Exponate zu sehen sein.

Doch zuvor mussten die Kunstwerke in der Heimat Prahs, in Höör (Schweden), abgeholt werden. Mit einem 7,5 Tonner brachen Karl-Heinz Reck und seine Frau Carmen am Donnerstag vergangener Woche um kurz nach 6 Uhr morgens nach Schweden auf. Es sollte eine recht abenteuerliche Reise werden, schließlich mussten Hunderte von Kilometern zurückgelegt werden. Nach den üblichen Staus vor den Toren Hamburgs wurde auch die berühmte Öresundbrücke passiert. Sie ist die weltweit längste Schrägseilbrücke für den kombinierten Straßen- und Eisenbahnverkehr. Zusammen mit dem Drogdentunnel und der künstlichen Insel Peberholm bildet sie die mautpflichtige Öresundverbindung, die die dänische Hauptstadt Kopenhagen mit Malmö in Schweden verbindet. Die Brücke mit einer Gesamtlänge von 7845 Meter wurde nach 40-monatiger Bauzeit am 1. Juli 2000 dem Verkehr übergeben und hat eine Milliarde Euro gekostet.

Als ein Erlebnis gestaltete sich auch das Tanken entlang der Autobahnen in Dänemark. Wer nicht unbedingt mit Karte bezahlen will, der muss vor dem Tanken an der Kasse einen Bon kaufen. Der wird dann direkt an der Zapfsäule eingescannt, erst dann läuft der Kraftstoff – bis die bezahlte Summe erreicht ist.

Zusatzarbeit bis in die Dunkelheit

Nach elfeinhalb Stunden Fahrt war das Ziel erreicht. André Prah und seine Frau Christiane, von Beruf Jobvermittlerin und Personalcoach in Malmö, leben in einem gemütlichen landwirtschaftlichen Anwesen, das im Jahr 1657 gebaut worden ist. Dass der schwedische Boden offenbar eine andere Beschaffenheit als der altmärkische hat, das musste Reck am eigenen Leib erfahren. Denn die Zwillingsräder des Transportes gruben sich im tiefen Geläuf fest und drehten durch. Flugs wurde mit Schaufel und Spaten gegraben, was das Zeug hielt. Doch alle Arbeit nützte nichts. Erst als Prahs Nachbar Ewert Harryson einen Traktor auftreiben konnte, wurde das Gefährt aus der Altmark Stück für Stück freigezogen. Doch während dieser unfreiwilligen Zusatzarbeit war es inzwischen dunkel geworden. So mussten die mehr als 50 Eispferde bei dämmrigen Licht verladen werden. Auch André Prah packte dabei mit an. Am frühen Morgen des Freitag begab sich der Tross aus Salzwedel auf die Heimfahrt, die ohne größere Zwischenfälle klappte. An der Mönchskirche wurde der Transporter bereits von einigen Helfern erwartet, die sich sofort daran machten, die Eispferde in der Mönchskirche unterzubringen.