Kultur

Alter Club Hanseat in Salzwedel wird modernisiert

Moderne Ausstattung, neue Technik: Der Salzwedeler Club Hanseat ist kaum wiederzuerkennen. An so ziemlich allen Stellen wurde Hand angelegt. Die Besucher dürfen schon mal auf ihren nächsten Konzertbesuch in Salzwedel gespannt sein.

Von Alexander Rekow
Ein Blick hinter die Kulissen: Hanseat-Chef Marian Stütz ist in den letzten Zügen bei der Renovierung des Clubs. Die Pissoir- und Waschbecken sind nun in martialischer Blech-Optik und runden das Bild mit trendigen Metal-Rost-Patina-Wänden in den Räumen ab. Der Rest des Hansas hat ebenfalls eine Frischekur erhalten.
Ein Blick hinter die Kulissen: Hanseat-Chef Marian Stütz ist in den letzten Zügen bei der Renovierung des Clubs. Die Pissoir- und Waschbecken sind nun in martialischer Blech-Optik und runden das Bild mit trendigen Metal-Rost-Patina-Wänden in den Räumen ab. Der Rest des Hansas hat ebenfalls eine Frischekur erhalten. Foto: Alexander Rekow

Salzwedel - Marian Stütz sitzt in seinem Büro. Über ihm Biergläser, vor ihm die Zapfanlage, neben ihn Kühlschränke. Der Bürostuhl ist ein Barhocker. „Das geht schon seit vier Wochen so“, sagt der Hansa-Chef. Denn der alte Traditionsclub wurde und wird mächtig aufgehübscht. Auch im eigentlichen Büro, weshalb Stütz seinen Arbeitsplatz an den Tresen verlagert hat. Und so richtig nach Büroarbeit sieht er auch nicht aus. Mit Arbeitshose und Schmuddelpullover ist er mehr in Renovierungsarbeiten statt jene am Laptop eingebunden. Es ist ein Spagat zwischen Aktenordnern und Farbrolle.

„Wir renovieren seit April 2020“, beginnt Marian Stütz zu erzählen: „Immer Stück für Stück.“ Die Corona-Pandemie hat sein Geschäft zum Erliegen gebracht. Kein Theater, keine Konzerte, keine Lesungen. Die Kühlschränke leer, der Zapfhahn ausgetrocknet, die Musikboxen zum Schweigen verdammt. Also wurden die Mikrofone und Instrumente gegen Pinsel und Leiter eingetauscht.

„Wir haben mit dem Saal angefangen.“ Dort dominiert nun ein Grauton. „Schlicht, einfach und geschmacklos“, formulierte es einst der Hansa-Chef. Der Tresen neben der Bühne hat ebenfalls eine Frischekur bekommen. „Der alte war nicht mehr zeitgemäß.“ Nun gebe es bessere Kühltechnik und kürzere Laufwege für das Personal an der Bar. Auch das Herzstück, der Arbeitsplatz für Ton- und Lichttechniker sieht nun elegant aus. Mit neuen digitalen Leitungen sei man am Puls der Zeit.

Hanse-Kogge trifft auf Pöbel-Ecke

Damit die Moderne der Tradition aber nicht den Garaus macht, hat Stütz bewusst Akzente gesetzt. Blickfang ist nun die alte Leuchtreklame mit der Aufschrift Jugendclub Hanseat. Die gelbe DDR-Werbung mit einer Hansekogge hatte Jahrzehnte im Keller der Einrichtung ein staubiges Dasein geführt. Nun aber zeigt sie allen Besuchern: Man ist stolz auf seinen Kulturort. Ein weiteres Gimmick: An der Stirnseite des Tresens im Saal, wo sonst Parkett das Bild prägt, sind noch ein paar alte Fliesen geblieben. Eine Hommage an die sogenannte Pöbel-Ecke.

Überrascht darüber, dass das Licht am Tresen leuchtet, drückt ein Passant seine Nase an der Scheibe zur Straßenseite ein und versucht Blicke zu erhaschen. Obwohl der Club wie andere Kultureinrichtungen eigentlich geschlossen ist, scheint durchaus Neugier vorhanden zu sein, was sich im Inneren tut. Denn auch der Kneipenbereich am Eingang ist in dem „geschmacklosen“ Grau gestrichen worden und wirkt nun modern. Aber auch hier ließ Stütz Gnade walten. Denn die beiden großen Säulen am Tresen, deren Farbe sich den tausenden Besuchern anpasste, die sie anfassten, sind so geblieben. Inklusive der Aufkleber. Sie wirken einerseits wie Fremdkörper, anderseits wie vertraute Freunde.

Moderne imIndustrie-Charme

Ein komplett anderes Antlitz haben nun die WC-Räume. Hier dominieren anstatt des Porzellans Blech-Waschbecken und Pissoirs. Die Wände wiederum in Metall mit Rost-Patina. Hier trifft Moderne auf Industrie-Charme. „Die WCs waren nach 25 Jahren mal dran“, fasst es Stütz in seiner trockenen Art zusammen.

Das alles ist übrigens nur möglich, weil das Kulturförderprogramm 34.000 Euro für die Renovierung bereitstellt. „Land in Takt heißt das“, so der Hansa-Chef. 25.000 Euro kämen vom Bund und mit weiteren 9000 Euro sei die Hansestadt beteiligt, um ihren Traditionsclub wieder auf Vordermann bringen zu lassen.

Noch ist das gesamte Renovierungsprojekt nicht abgeschlossen, weshalb Stütz seinen Tresen-Büroplatz noch nutzen muss. Teppichrollen liegen in der Kneipe, die noch im Büro verlegt werden müssen. Auch seien noch nicht alle Fenster gestrichen. „Das muss aber sein, die schadhafte Grundierung aus den 1990ern muss runter.“ Auch die Steckdosen und Digitalanschlüsse im Büro seien noch dran.

Marian Stütz greift zur Farbrolle. Er müsse noch weiterarbeiten, sagt er und verschwindet mit der Rolle in den WC-Räumen. „Bald ist es geschafft.“ Dann könne er wieder sein Büro beziehen und, sofern es die Corona-Verordnungen zulassen, die Salzwedeler wieder ihren Tradtionsclub besuchen. Es wird ein Wiedersehen der besondern Art. Als sei man nie dagewesen aber irgendwie auch nie weg.

Der Tresen im Saal  ist nun zeitgemäß gestaltet worden. Das Logo der Band AC/DC verweist (vorerst) auf den Sicherungskasten dahinter.
Der Tresen im Saal ist nun zeitgemäß gestaltet worden. Das Logo der Band AC/DC verweist (vorerst) auf den Sicherungskasten dahinter.
Foto: Alexander Rekow