Salzwedel l Endlich ist der Vertrag unterschrieben. Der Neuwagen oder der gute Gebrauchte steht parat. Es fehlt nur noch die Zulassung beim Amt. Doch daran haperte es in den vergangenen Wochen, glaubt man den Aussagen einiger Anrufer in der Volksstimme-Redaktion oder wütenden Unmutsäußerungen in den sozialen Netzwerken. Dort hieß es unter anderem, dass Termine bei der Zulassungsstelle im Landratsamt in Salzwedel wochenlang nicht zu bekommen waren. Viele Autobesitzer zeigten sich verärgert. Doch was steckt hinter den gefühlten langen Wartezeiten? Die Volksstimme fragte bei Kreisdezernent Hans Thiele und Sachgebietsleiterin Heidi Wüstenhagen in der Kfz-Zulassungsstelle nach.

Ausgangspunkt Corona-Krise

„Ausgangspunkt ist ganz klar die Corona-Krise“, will Hans Thiele nichts beschönigen. Aufgrund des sogenannten Lockdowns war auch die Zulassungsstelle ab dem 23. März für einige Wochen komplett geschlossen. Nur für Notfälle konnten damals Termine vereinbart werden. Erst Mitte April begann wieder der reguläre Zulassungsdienst, auch wenn regulär dafür noch das falsche Wort ist. Und der Zuspruch nach Terminen war dann so groß, dass die Mitarbeiter – acht an der Zahl – die Antragsflut kaum bewältigt bekamen. Hans Thiele und Heidi Wüstenhagen können Zahlen nennen. So kamen an einem Dienstag 92 Privatpersonen, zwölf Autohäuser mit 51 Vorgängen und vier Sondertermine (zum Beispiel Busse) zusammen. Und das bei einem völlig neuen Bearbeitungssystem in der Krise.

So sorgt derzeit ein Wachmann dafür, dass nicht mehr als sechs oder sieben Personen die Räume im Keller des Landratsamtes betreten. Die Mitarbeiter holen sich dann die Unterlagen der Antragssteller ab, niemand darf die einzelnen Büros mehr betreten. „Sonst müssten wir nach jedem Kunden den Raum desinfizieren“, betont Thiele. All das sorgt dafür, dass jeder Vorgang etwas länger dauert als vor der Pandemie. Der Dezernent nimmt sein Team deshalb ausdrücklich in Schutz. „Die Damen sind wirklich fleißig. Teilweise haben sie sich nicht getraut, in die Mittagspause zu gehen“, berichtet er. Auch die Sommerurlaube der Mitarbeiter seien teilweise verschoben worden, um die alles abarbeiten zu können. Dennoch musste das Team auch wüste Beleidigungen über sich ergehen lassen. „Da war manches unter der Gürtellinie“, bestätigt Heidi Wüstenhagen.

Aufpassen bei den Formalien

Für Ärger bei den Kunden sorgt häufig die Online-Anmeldung. Hans Thiele erklärt noch einmal das Prozedere: „Jeden Freitag zwischen 8 und 9 Uhr werden die Termine für die übernächste Woche freigeschaltet“, berichtet er. Spätere Termine werden auf den Internetseiten etwas missverständlich im Netz als „0 frei“ angezeigt, obwohl sie noch gar nicht buchbar sind. So kommt es zu dem Eindruck, dass wochenlang kein Termin zu bekommen ist. Doch was kann der Neuwagenbesitzer machen, um schneller ans Ziel zu kommen, wenn er dann einen Termin bekommen hat?

Erst einmal müssen alle Daten stimmen. „Manchmal ist die EVB-Nummer falsch oder Kontodaten sind nicht korrekt“, berichtet Thiele. Dann sei der Vorgang nicht zu bearbeiten. Übernimmt jemand für einen Bekannten oder Verwandten den Termin im Amt, dann muss eine Vollmacht, eine Kopie des Personalausweises und das fertig ausgefüllte SEPA-Lastschriftmandat für die Kfz-Steuer vorliegen. Jeder Fehler kostet Zeit. Auch die Wunschkennzeichen sind online einsehbar und können auf der Homepage des Kreises bestellt werden. Und die Kunden sollten sich bei der Online-Terminvergabe für einen Tag entscheiden. „Wir hatten Kunden, die sicherheitshalber mehrere Termine angeklickt haben. Da standen unsere Mitarbeiter dann im Gang und wollten den Kunden aufrufen, aber niemand war da“, erzählt der Dezernent. Andere hätten diesen Tag wohl gern genutzt.

Stau löst sich langsam

Hans Thiele ist aber optimistisch, dass der Stau sich langsam auflöst. So gebe es mittlerweile extra Zeiten für die Autohäuser. „Zu Spitzenzeiten hatten wir an einem Mittwoch 63 Autohäuser mit 212 Vorgängen“, berichtet Thiele. Der Mittwoch ist den Händlern vorbehalten. An den übrigen Tagen können die Autohäuser am frühen Vormittag ihre Unterlagen bringen und werden dann später angerufen, wenn alles erledigt ist. „Spätestens am nächsten Tag ist die Zulassung da“, verspricht der Chef persönlich. Und Hans Thiele muss lachen: „Einmal hatten wir einen aufgebrachten Anruf, dass ein Autohaus-Mitarbeiter sieben Stunden bei uns warten musste. Dabei hätte der Auszubildende nur die Unterlagen abgeben brauchen…“

Der Kreisdezernent berichtet, dass sich später sogar Landrat Michael Ziche einschalten musste. Bei einem Gespräch mit fünf bis sechs Autohausbesitzern und einem Vertreter der Innung wurden die größten Probleme angesprochen.

In der Krise ein unerwartetes Kundenplus

Neben dem normalen Andrang gab es dann in der Krise noch ein unerwartetes Plus an Kunden. „Da waren einige, die plötzlich eine Adressänderung eintragen, ihren alten Anhänger oder einen Scheunenfund zulassen wollten“, erzählt Thiele. Viele Kleinigkeiten, die den Betrieb weiter belasteten. Und nun, so vermutet es der Dezernent, mache sich auch die Mehrwertsteuersenkung bemerkbar. „Die Verkaufszahlen steigen spürbar“, sagt Thiele. Dennoch ist er guten Mutes, dass sich der größte Stau nun aufgelöst hat.

„Wir bleiben für den Bürger da“, betont Hans Thiele und ergänzt, dass 180 bis 200 Anträge für seine Mannschaft am Tag leistbar seien.