Handwerk

Angehende Tischler bestehen praktische Abschlussprüfung im Salzwedeler Berufsbildungszentrum

Am Freitag war letzter Schultag und praktische Prüfung für die Ausbildungsklasse der Tischler. Phillip Maaß ist Bester seines Jahrgangs.

Von Gesine Biermann
Phillip Maaß bekam für seine ?Garderobe für Judokas? gestern die Bestnote.
Phillip Maaß bekam für seine ?Garderobe für Judokas? gestern die Bestnote. Foto: Gesine Biermann

Salzwedel - Den Gesellenbrief gab es zwar noch nicht, der muss bestellt werden, „und kostet auch noch mal extra 13 Euro“, informierte Lars Peters. Doch gratulieren durfte der Vorsitzende der Prüfungskommission den sechs jungen Männern schon mal, die sich gestern im Salzwedeler Berufsbildungszentrum ihrer praktischen Tischlerprüfung stellten. Denn alle sechs haben es geschafft. Und weil auch die theoretischen Prüfungen hinter ihnen liegen, steht auch für vier von ihnen fest, das sie ab sofort frisch gebackene Tischlergesellen sind. Zwei können das mit einer Nachprüfung in Kürze auch noch erreichen. „Und ihr schafft das“, machte ihnen Lars Peters Mut.

Der ist selbst Ausbilder und Tischlermeister und leitete gestern die Prüfungskommission, zu der auch drei Berufskollegen gehörten. Mit kritischem Blick nahmen sie die sechs Gesellenstücke unter die Lupe. Vorgegeben war ein Möbelstück mit mindestens einer Tür und einem Schubkasten aus Massivholz oder selbst furniert. Fünf hatten sich für einen Nachttisch oder Schreibtisch entschieden. Optisch heraus stach die „Garderobe für Judokas“ von Phillip Maaß aus Rohrberg. Gefertigt aus Esche und Kirsche war sie ein echter Hingucker und bekam von der Prüfungskommission auch die Bestnote. „Es ist das einzige Gesellenstück, dass wir mit einer Eins bewertet haben“, betonte Peters.

Maaß als frisch gebackener Tischlergeselle, der übrigens auch Judoka ist und sogar den braunen Gürtel hat, nahm denn auch sehr stolz sein Zeugnis entgegen. Für ihn wird es zudem weitergehen mit dem Lernen: Der 19-Jährige will nämlich demnächst auf die traditionelle Walz gehen. Das heißt, er wird drei Jahre und einen Tag lang in Tischlerbetrieben Erfahrungen sammeln, die nicht zu nah an seinem Heimatort Rohrberg liegen dürfen. Tischlermeister Axel Pieper muss seinen jüngsten Kollegen also ziehen lassen.

Lob für den Lehrbetrieb

Ihn lobte Phillip Maaß gestern übrigens sehr: „Er hat immer zugehört und auch meine Meinung und Ideen ernst genommen“, sagte er. Klar gebe es auch Arbeiten, die nicht so beliebt seien, „aber die haben alle gemacht“. Es sei ein gutes Klima im Betrieb, die Arbeit habe Spaß gemacht. Ohnehin war nach dem ersten Schülerpraktikum für Phillip Maaß klar: Tischler ist sein Traumberuf. Er habe zwar auch andere Branchen probiert, aber „Holz ist schon etwas Besonderes“.

Das betonte gestern auch Berufsschullehrerin Regina Knipping, die die sechs jungen Männer drei Jahre lang im Fach Holztechnik unterrichtet hat. Tischlerei sei ein tolles Handwerk, „und es riecht auch immer so gut in der Werkstatt“, sagte sie augenzwinkernd. Und sie betonte, dass die Ausbildung sogar jungen Menschen ohne Schulabschluss offenstehe, „wenn der Ausbildungsbetrieb mitspielt“. In diesem Fall würden die Azubis mit erfolgreichem Lehrabschluss auch den Hauptschulabschluss erwerben. Bei guten Ergebnissen sei für Hauptschüler ein Real- oder erweiterter Realschulabschluss drin. Und dass der Beruf für viele eine attraktive Ausbildung ist, beweist der Kurs, der nun ins zweite Lehrjahr wechselt. „Dort haben wir zwei Abiturienten und auch zwei Frauen“, sagte Knipping.

Auch sie verabschiedete sich gestern von ihren ehemaligen Schülern, wünschte ihnen Erfolg – und in Phillip Maaß’ Fall eine spannende Walz.

Die soll im September starten – auch mit dem „Segen“ von Phillip Maaß’ Eltern, obwohl Mama Anja, „ein kleines bisschen Bauchweh hat“.