Grundschulen

Ansturm auf Notbetreuung in Salzwedel

Die Lessing-Grundschule ist in ihr Ausweichquartier im Mehrgenerationenhaus umgezogen. Derzeit läuft die Notbetreuung.

Von Alexander Rekow

Salzwedel l Noch sind nicht alle Kartons mit Materialien ausgepackt. Aber das ist momentan auch nicht so schlimm, denn ist nicht abzusehen, wann die Jungen und Mädchen wieder regulären Unterricht haben. Trotzdem liegen arbeitsreiche Tage hinter Lessing-Grundschulleiterin Lydia Hartmann und ihren Kollegen. Der Umzug vom Hauptgebäude in die neuen Räume an der Sonnenstraße war ein Kraftakt. Immerhin ist die Lessing-Grundschule mit 243 Schülern die größte in der Einheitsgemeinde Salzwedel.

Gefordert sind die Pädagogen auch hinsichtlich der Notbetreuung. Dass so viele Eltern die Möglichkeit nutzen, damit haben die Schulleiterin und ihre Stellvertreterin Silke Jankow nicht gerechnet. Das sei auch räumlich eine Herausforderung, weil die Gruppen möglichst klein und getrennt sein sollen. Und noch einen Aspekt führt die Schulleiterin ins Feld: „Wir haben viele ältere Kollegen.“ Sie seien mit der Betreuung so vieler Schüler einer hohen Ansteckungsgefahr ausgesetzt.

Dabei schwanken die Zahlen der Kinder, die gebracht werden, täglich, was die Planung verkompliziere. „Wir haben wirklich großes Verständnis für die Situation der Eltern und wollen ihnen soweit wie möglich entgegenkommen. Aber wir bitten darum, wirklich nur, wenn es unbedingt nötig ist, die Notbetreuung zu nutzen und auch private Unterbringungsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen“, sagt Silke Jankow. Zwar müsse ein Nachweis darüber vorgelegt werden, dass die Eltern in einem systemrelevanten Arbeitsverhältnis stehen, aber damit werde augenscheinlich großzügig umgegangen, was sich auch an der hohen Anzahl der Hortkinder in der Notbetreuung zeige.

In der Schule würden die gleichen Aufgaben erledigt, wie sie auch zu Hause auf dem Plan stehen. Die Eltern erhalten sie vom Bildungsserver Emucloud. Die Kommunikation mit den Lehrern erfolgt per E-Mail. Eltern, die Unterstützung brauchen, könnten sich immer bei der Schulleitung oder den Lehrern melden. Als Materialien stehen Arbeitshefte oder Bücher zur Verfügung. Wichtig sei, dass die Väter und Mütter in dieser schwierigen Zeit Eigenverantwortung für ihre Sprösslinge übernehmen, denn oberstes Ziel sei es ja, Ansteckungen zu verhindern, so die Schulleiterin.

24 von 185, so viele Kinder werden derzeit in der Perver-Grundschule notbetreut, informiert deren Schulleiterin, Angela Ritter-Hundt. Dabei müsse ein Elternteil systemrelevant sein, das andere außerhalb der eigenen vier Wände arbeiten. „Das können wir aber nicht überprüfen“, sagt sie. Vielmehr müsse auf die wahrheitsgemäßen Angaben vertraut werden. Man habe zwar aufgeschnappt, dass sich Eltern im Homeoffice befinden würden, überprüfen aber lasse sich das nicht. Daher bleibt ihr nur der Appell: „Notbetreuung ist Notbetreuung!“ Schließlich gelte es nicht nur, die Kinder zu schützen, sondern auch die Lehrkräfte.

Die 24 Kinder, die derzeit betreut würden, seien in drei Gruppen aufgeteilt, um Abstand zu gewährleisten. Alle anderen bekämen heute, wie jeden Montag, die Aufgaben. „Bei einer vierten Klasse geschieht das vollelektronisch über das Internet.“ Inklusive Videokonferenzen mit Lehrkräften. Dort können auch Eltern ihre Fragen loswerden. Das klappe gut. Leider funktioniere das nicht bei allen Klassen, da nicht jedes Elternhaus Computer und Drucker habe. In dem Fall heiße es für die Eltern: Wöchentlich zur Schule kommen, die Aufgaben abholen und zur Kontrolle wieder zurück zur Schule.

Angela Ritter-Hundt wehrt sich gegen Vorwürfe, dass ihre Kollegen in Zeiten der Notbetreuung kaum etwas zu tun haben: „Das stimmt nicht!“. Die Lehrer würden Aufgaben ausarbeiten und in Kontakt zu Eltern stehen. Unterm Strich hofft sie, dass bald wieder alle Kinder in die Perver-Grundschule kommen können. Und wenn abwechselnd jede Woche.

„Wir haben die Schüler in zwei Gruppen aufgeteilt“, sagt Schulleiter Falko Pabst von der Jenny-Marx-Grundschule: Die ersten und zweiten Klassen in eine, dritte und vierte in die andere Gruppe. 25 von 186 Kindern würden derzeit die Notbetreuung wahrnehmen.

Das laufe gut, wäre da nicht die unterirdische Internetanbindung der Schule. Denn die Aufgaben für alle anderen Schüler würden online bereitgestellt. Dafür aber braucht Falko Pabst Zeit, sehr viel Zeit. Für eine Datenmenge von 35 Kilobyte braucht er mehrere Minuten. Zum Vergleich: Ein gutes Foto ist mindestens 300 mal so groß. Das würde demnach mehrere Stunden dauern. „Das ist katastrophal“, bringt es der Schulleiter auf den Punkt. Das erinnert ihn an Anfang der 1990er Jahre. Von Datenautobahn könne keine Rede sein.