Künstler Hans Molzberger aus Hilmsen wird heute 60 / Traum vom Kunststudenten-Unterricht in der Altmark

Arbeitsweg "über den Teich" ist gut 8300 Kilometer lang

Von Anke Pelczarski

Hilmsen l Er hat eine mittlerweile über die Kreisgrenzen bekannte kulturelle Partnerschaft zwischen Houston (USA) und Salzwedel aufgebaut und füllt sie fast tagtäglich mit Leben aus: der Künstler Hans Molzberger. Heute feiert der Wahl-Hilmsener, der seit 1993 in der Altmark zu Hause ist, seinen 60. Geburtstag.

Eigentlich stammt er aus der Nähe von Koblenz. Anfang der 1980er Jahre baute er eine Werkstatt im Wendland aus und fand hier zur Kunst. Das Handwerkliche brachte sich Hans Molzberger selbst bei, hatte keinerlei Spezialschulen besucht. Im Jahr 1989 wurde er als freischaffender Künstler anerkannt. Sein Hauptgebiet: plastisches Arbeiten.

Gut sichtbar ist beispielsweise die von ihm geschaffene Gottesanbeterin, die vor der Salzwedeler Mönchskirche steht, oder das Relief, das auf dem Rathausturmplatz an das dort einst stehende Gebäude erinnert.

Und manchmal gibt es auch Zufälle, die richtungsweisend sind. Da lernte der Hilmsener Gus Kopriva kennen, einen Galeristen aus Houston. Dieser war von den Frank-Zappa-Porträts in Raku-Technik so angetan, dass er dem Erschaffer anbot, die Arbeiten in der amerikanischen Stadt zu zeigen. Daraus entwickelte sich eine intensive Zusammenarbeit auf künstlerischem Gebiet, die Hans Molzberger maßgeblich vorantrieb. Der Verein "art-netzwerk" entstand, mit dem Hilmsener an der Spitze. Damit war der Weg frei fürs "Atelierhaus Hilm- sen", in dem Künstler kreativ sein können in der altmärkischen Idylle. Seither haben hier nicht nur zahlreiche Amerikaner neue Werke geschaffen.

Seit November 2008 fliegt Hans Molzberger zum Arbeiten "über den Teich", ins gut 8300 Kilometer entfernte Houston. Dort lehrt er an der privaten Houston Baptist University in den Fächern Skulptur, Keramik und 3D-Design. Doch nicht nur das: Der Mann voller unbändiger Ideen drückte selbst noch einmal die Schulbank in den USA und absolvierte nebenher ein Masterstudium. Dieses schloss er im Vorjahr erfolgreich ab.

Der Hilmsener lässt sich kaum Zeit zum Durchatmen. Bis Sonnabend war er noch beim Internationalen Hansetag in Herford unterwegs. Gestern Nachmittag weilte er in der "Alten Münze" in Salzwedel, um den Auftakt des "Amerikanischen Tagebuches V" mitzuerleben. Diese Ausstellung haben fünf Masterstudenten und zwei ihrer Lehrer gestaltet - die auf Zeit in Hilmsen zu Hause sind.

Der 60-Jährige sagte einmal: "Mein Wunsch ist es, dass Salzwedel zu einem Zielpunkt der zeitgenössischen Kunst wird. Und dass die Region aufgewertet wird." Dieses Ziel verfolgt er weiter akribisch.

Vielleicht geht auch sein Traum in Erfüllung, dass der Weg zur Arbeit in absehbarer Zukunft nicht mehr 8340 Kilometer lang ist: Denn unterrichten ließen sich amerikanische Kunststudenten auch in Hilmsen...