Arendsee l Im September 2020 hat der Wasserstand 64 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel gelegen. Ein Jahr zuvor wurde ein Minus von 70 Zentimetern registriert. Diese Zahlen vom Land bekam die Volksstimme vor einigen Wochen auf Nachfrage. In Arendsee sind unter Einheimischen aber immer wieder andere Kennziffern Thema. Die Landeszahlen werden skeptisch gesehen und Sorgen weiterhin für Diskussionen.

Der Rückgang ist unübersehbar

Heiko Seifert ist mit Segelbooten häufig auf dem Wasser, verfügt über viel Erfahrung und äußert sich zur aktuellen Situation: „Es fehlen etwa 90 Zentimeter.“ Einen massiven Rückgang gibt es seit 2018. An seinem Seegrundstück – es befindet sich neben dem Gustav-Nagel-Areal – hat er Pfähle zum Markieren gesetzt. Regelmäßig wird gemessen. Der Rückgang ist unübersehbar. Auch 2020 hat er dies registriert. Trotz mehr Regen. Das Grundwasser spiele dabei eine Rolle, es komme über diese Quellen zu wenig in den Arendsee, sagt er.

Ein Grund dafür sind die weiterhin trockenen Böden. Dies lässt sich zum Beispiel im Strandbad erkennen. Dort sind Bäume nur wenige Meter neben der Wasserkante vertrocknet (Volksstimme berichtete). Die Bäume waren über Jahre andere Verhältnisse gewöhnt, ihre Wurzeln reichten nicht tief genug ins Erdreich. Sie mussten gefällt werden.

Auch im Stadtwald direkt am See sind solche Entwicklungen zu sehen. Der Grundwasserspiegel ist landesweit gesunken. Im Gespräch erwähnt Heiko Seifert zudem Felder in Niedersachsen nahe der Landesgrenze (zwischen Schrampe und Schmarsau). Dort werde immer wieder großflächig beregnet. Das Wasser könne nicht in den Arendsee gelangen.

Mehr Abstand zum sensiblen Ökosystem

In Sachen Landwirtschaft hat der Einheimische eine weitere Anmerkung: Gülle sollte mit einem Abstand von mindestens zehn Kilometern zur „Blauen Perle“ auf den Flächen verteilt werden. Damit lasse sich der Nitrat-Eintrag verringern. Ihm fällt dazu besonders der Bereich links und rechts an der Seehäuser Straße ein. Wasser von den dortigen Flächen gelangt über den Stadtgraben in den See.

Zurück zum Wasserstand: Solch eine Situation hat Heiko Seifert noch nicht erlebt. Ganz einmalig ist sie aber nicht. „Ich habe mit alten Arendseern gesprochen. 1958 und 1959 war es ähnlich“, erzählt der Segler. Er kennt die damit verbundenen Probleme. So lassen sich zum Beispiel beim Regatta-Verein nicht mehr alle Boote aus dem Wasser holen. Die Nutzung der dortigen Steganlage ist eingeschränkt. Darum wird mit dem Land (Eigentümer des Sees) über eine reduzierte Pacht verhandelt.

Die Wetterverhältnisse der vergangenen Jahre waren in diesem Ausmaß kaum vorhersehbar. Heiko Seifert erinnert in dem Zusammenhang aber an die Monate vor der ersten trockenen Phase im Jahr 2018. Damals wurde von Behörden entschieden: Es muss massiv Wasser aus dem See. Von 20 Zentimetern zu viel war die Rede. Das nasse Element wurde über den Landgraben zwischen Zießau und Schrampe abgelassen. Kurz danach kam die Trockenheit.

Noch genügend Tiefe zum Anlegen

Diese betrifft auch seinen eigenen Steg neben dem Gustav-Nagel-Areal. Die Beschaffenheit des Seegrundes ist dort aber günstiger. Am Ende des Steges beträgt die Wassertiefe immer noch drei Meter. Ein Stück weiter zum Ufer ist es nur ein halber Meter. Dies reiche zum Anlegen – noch. Die Segelsaison nähert sich dem Ende. Ab Sonnabend, 31. Oktober, sollen keine Boote mehr auf dem See unterwegs sein. Diese Einschränkung gilt alljährlich bis Ende Februar. Grund ist der Naturschutz. Insbesondere die Wildgänse sollen ungestört von Booten bleiben, die in der Regel tagsüber für Touren genutzt werden. Mit Blick auf diese Verordnung hat Heiko Seifert Beobachtungen in der alltäglichen Praxis vor Ort gemacht: „Die Wildgänse starten morgens gegen 8 Uhr und kommen erst am Abend um etwa 17 Uhr zurück zum See.“

Tagsüber sind häufig Kormorane zu sehen. Die Zahl der Tiere liegt nach Schätzungen des Arendseers bei etwa 200. Sie ernähren sich von Fischen. „Jedes Tier wiegt zwischen 800 und 1000 Gramm und frisst jeden Tag sein eigenes Gewicht“, so Heiko Seifert.