Salzwedel l „Das hast du gut gemacht“, lobte Hans-Joachim Juhl am Sonntagmittag an der Baum-des-Jahres-Allee im Diesdorfer Wohld. Revierförsterin Barbara Fischer hatte den Anwesenden gerade etwas zur Ess-Kastanie erzählt, die kurz darauf als Baum des Jahres 2018 ihren Platz finden sollte. Für Juhl, Forstmeister im Ruhestand, eine ganz besondere Ehre. Denn vor fast 70 Jahren, am 1. Mai 1949, begann in diesem Revier seine Lehre in der Forst. Hans-Joachim Juhl war der erste Lehrling nach dem Krieg.

Seine Verbundenheit mit Wald und Feld bemerkte Hans-Joachim Juhl auf dem Weg von Kortenbeck, seinem Heimatort, nach Diesdorf. „Wir wollten baden, und Eis essen ging auch schon“, berichtete er. Bei einer Pause im Wohld kam dann der Gedanke: „Du wirst Lehrling in der Forst.“ Damals nannte sich der Ausflug noch Wandertag, „es hieß nicht: Wer fährt denn heute von den Eltern?“, merkte Juhl an.

Revierförster in Jübar

„Wir haben die Pflanzen mit den Handwagen hier hergezogen“, berichtete der 85-Jährige von seiner Lehrzeit. Später wurde Hans-Joachim Juhl, nachdem er das Abitur und ein Studium absolvierte, Revierförster in Jübar (Forsthaus Nieps). Danach folgte die „Abkommandierung“ in die Verwaltung. Kein leichter Schritt für den Naturliebhaber, wie am Sonntag zu merken war.

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Zuvor hatte Revierleiterin Barbara Fischer eine etwa 70-köpfige Wandergruppe durch den sonnendurchfluteten Wohld geführt. Mit Unterstützung ihres Mannes Roland Fischer erfuhren die interessierten Gäste allerhand Wissenswertes zur Flora des Waldgebietes, das sich zwischen Diesdorf und Dähre befindet. Immer wieder wurde an besonderen Stellen eine Pause eingelegt.

Roland Fischer berichtete unter anderem zu spannenden, manchmal schon vergessenen Kräutern. Er zeigte den Mitwanderern zum Beispiel die Knoblauchsrauke, die genau den würzigen Duft und Geschmack ihres Namensgebers trifft.

Schwierige Vermessung

Barbara Fischer informierte an anderer Stelle über die Schwierigkeiten bei der Vermessung der Waldflächen im Wohld. Bei der Bodenreform 1947 war der sogenannte Staatswald aufgeteilt, regelrecht zerstückelt worden, wie eine aktuelle Karte zeigte. „Die Grenzsteine liegen oft schon einige Zentimeter tief im Boden“, erzählte Fischer und ermahnte die Anwesenden: „Es ist ein Verwaltungsakt, so einen Grenzstein zu setzen. Sie sehen also, es ist nicht so einfach, hier zu wirtschaften.“

Noch während der Wanderung berichtete Rüdiger Glaß, ehemaliger Revierleiter, über die Ess-Kastanie. Gut 45.000 Stück wurden seit 1995 im Wohld gepflanzt. „Manche haben sich zu richtigen Prachtexemplaren entwickelt“, freute sich Glaß.

„Die Römer haben sie mitgebracht, also nach Süddeutschland“, ergänzte Barbara Fischer später. „Sie mochten sie wohl ganz gerne essen“, sagte die Revierförsterin und war sich mit Rüdiger Glaß einig: „Auch das Wild schätzt die Maronen heute sehr.“