Arendsee l Die Bürgerinitiative BI „Saubere Umwelt & Energie Altmark“ und „Fridays for Future“, Ortsgruppe Salzwedel, laden gemeinsam zu einer Informations-Veranstaltung zum Thema Förderung von Erdöl und Erdgas rund um Arendsee ein. Sie findet am Dienstag, 3. Dezember, ab 19 Uhr im Hotel Deutsches Haus in Arendsee statt.

Das Thema ist brisant: „Zufällig wurde uns bekannt, dass das Landesbergamt ein Gebiet von 172 Quadratkilometern rund um Arendsee zum 1. Juli 2019 für die Aufsuchung von Erdöl und Erdgas für fünf Jahre freigegeben hat“, schreibt dazu BI-Sprecher Christfried Lenz in einer Pressemitteilung. In der Altmark sind davon die Stadt Arendsee und deren Ortsteile Binde, Charlottenhof, Dessau, Genzien, Gestien, Kaulitz, Kerkuhn, Kläden, Kleinau, Kraatz, Lohne, Mechau, Schrampe, Thielbeer, Ziemendorf, Zießau und Zühlen betroffen, von der Stadt Kalbe Brunau, Packebusch, Plathe betroffen. Weitere Ortsteile liegen im Landkreis Stendal, der Hansestadt Seehausen sowie der Hansestadt Osterburg.

„Keine der Gemeinden wurde an dem bergrechtlichen Verfahren beteiligt oder auch nur informiert“, heißt es im Schreiben der BI weiter.

Giftige Rückstände

Nach zwei extremen Dürresommern würden der Klimawandel und seine Auswirkungen von einem sehr großen Teil der Bevölkerung wahrgenommen. Auch die Politik betone zunehmend die Bedeutung des Klimaschutzes. „In diesem historischen Moment ist es völlig aus der Zeit gefallen, nach neu zu eröffnenden Klimagasquellen zu suchen“, so die BI. „Bei der Nutzung von Erdgas wird nicht nur CO2 freigesetzt, sondern auch unverbranntes Methan. Dieses hat in den ersten 20 Jahren seiner Exposition die 86-fache Klimawirksamkeit von CO2. Die Wissenschaft kommt zu dem Ergebnis, dass Erdgas unter dem Strich klimaschädlicher ist als Kohle.“

Hinzu kämen die in der Altmark gut bekannten Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen der Gasförderung. An über 300 Standorten sei Bohrschlamm abgelagert und nur dürftig mit Erde überdeckt worden. In Brüchau lägen über 100.000 m³ giftige Erdgas- und Industrieabfälle in einer undichten Grube aus Geschiebemergel. Auch bei der Erdölförderung gebe es diverse Umweltprobleme. Aktuell müsse einer der größten Grundwasserschäden der deutschen Ölindustrie im niedersächsischen Emlichheim saniert werden. Dort waren 220 Millionen Liter giftiges Lagerstättenwasser über eine durchgerostete Bohrung ins Grundwasser gelangt.

„Wenn um den Luftkurort Arendsee eine Bergbauindustrie aufgebaut würde, wäre das vermutlich tödlich für den Tourismus an der „Perle der Altmark“, so Christfried Lenz. Dagegen müsse protestiert werden.