Salzwedel l „Beim Radfahren lernt man ein Land am besten kennen“, sagte einst Ernest Hemingway. Stimmt. Nur was, wenn man besagtes Land gar nicht erst findet, weil die entsprechende Beschilderung zum Zielort fehlt? Genau dieses Problem beklagen in unregelmäßigen Abständen Altmärker und Touristen gegenüber der Volksstimme. Aber während die Altmärker über Umwege zu ihrem Zielort gelangen, drehen Touristen genervt um. Werbung für eine von der Natur geprägten Region geht anders. Aber das soll sich bald ändern, denn der Altmarkreis Salzwedel möchte ein Radverkehrsleitsystem installieren. Die Daten dazu hatte die Verwaltung am Dienstag im Ausschuss für Bau, Wirtschaft und ländliche Entwicklung vorgestellt.

Zuarbeit von Kommunen

Doch was verbirgt sich hinter dem sperrigen Wort Radverkehrsleitsystem? In erster Linie eine Ausschilderung. Ähnlich wie das hölzerne Beispiel im Foto, würden dann Schilder auf Orte, aber auch Sehenswürdigkeiten, Rastmöglichkeiten oder Herbergen hinweisen. Ähnlich wie die Beschilderung für Kraftfahrzeuge an den Straßen und Kreuzungen – nur eben für Radwege. Doch dabei ist der Altmarkkreis auch auf die Zuarbeit der Kommunen angewiesen und benötigt einen konkreten Ansprechpartner, wie Bernd Wuttig vom Amt für Kreisentwicklung erläutert.

Doch einfach nur Schilder aufstellen, damit ist es nicht getan, machte die Verwaltung im Ausschuss deutlich. Schließlich muss ein Radwegenetz für eine flächenmäßig große Region entstehen. Heißt: Erst einmal alle Wege erfassen. Dazu gehören nicht nur touristische Wege, wie beispielsweise der Altmarkrundkurs, sondern auch straßenbegleitende sowie Forst- oder Feldwege. Denn das Projekt richtet sich nicht nur an auswärtige Radler, sondern auch an Einheimische.

Der Weg zur Arbeit, zur Schule – alles muss bedacht sein. Daher werden alle Wege ins Auge gefasst, die Radfahrern das Leben leichter machen. Denn was soll ein Kind im Winter bei Dunkelheit durch den Wald radeln, wenn doch ein ausgeleuchteter Weg zur Verfügung steht? Somit könnte ein gut ausgebauter Landweg auch zum Radweg werden und eine Buckelpiste, deren Sanierung Unsummen verschlingen würde, von der Radwegekarte verschwinden. Daher wird auch die Qualität der Wege beäugt. Aber auch hier ist der Altmarkkreis abermals auf Hinweise aus den Kommunen angewiesen. Daher wünscht sich Wuttig eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus den Kommunen. Die Größe des Kreises macht dies wohl auch unumgänglich, um alles zu erfassen.

Aus dem Nichts kommt der Vorstoß aber nicht. Erste Überlegungen dazu gab es bereits vor mehr als zwei Jahren. Damals wurden dann Vorstellungen präsentiert und Fördermöglichkeiten abgeklopft, ehe Ende 2018 der Fördermittelantrag nach Magdeburg geschickt wurde.

Projekt läuft bis 2022

Wenn es nach dem Willen des Kreises geht, ist das Projekt 2022 abgeschlossen. Muss es aber auch, weil der Bewilligungszeitraum sich bis August 2022 erstreckt. Dafür gibt es dann eine Festbetragsfinazierung von 500  000 Euro.

Eine Investition in die Qualität der Radwege ist damit übrigens nicht möglich. Dann wäre das Geld nach rund zwei Kilometern neuer Radweg verbraucht. In den 500  000 Euro sind die Planung des Radverkehrsleitsystem, Herstellung und Beschaffung der Schilder und die Montage enthalten.