Lüdelsen l Dass man selbst nach über sieben Jahrzehnten noch Bekanntschaft mit den gefährlichen Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkrieges machen kann, das erfuhren der Vermessungsingenieur Maik Marché und der Auszubildende Cedric Gromeier auf eine für sie nicht gerade angenehme Art. Was war geschehen?

Sofort die Polizei informiert

Die Mitarbeiter eines Salzwedeler Vermessungsbüros ermittelten an dem Tag nördlich von Lüdelsen die Maße und dabei den Grenzverlauf eines Flurstücks. Als Hilfsmittel dienten Grenzsteine, die im ländlichen Bereich meist sehr alt sind und über die vielen Jahrzehnte zugewachsen sind. Der Spaten ist bei der Liegenschaftsvermessung ein oft benötigtes Arbeitsmittel, müssen die Steine doch ausgegraben werden.

Diplomingenieur Maik Marché begann an dem zuvor ermittelten Punkt, mit dem Spaten zu graben. Schon beim ersten Spatenstich stieß er auf harten Widerstand. In der Annahme, dass es sich um den gesuchten Grenzstein handeln würde, legte er den Gegenstand frei. Doch statt des erhofften Grenzsteins gab die Erde einen länglich, spitz zulaufenden Gegenstand frei.

Bilder

Zunächst vermutete er irgendein Maschinenteil, das durch die Zeit im Erdreich verrostet war. Als er die restliche Erde entfernte, stockte ihm der Atem. Denn was er sah, erinnerte ihn stark an ein Geschoss.

Er markierte die Stelle farblich und rief die Polizei unter der Notrufnummer 110 an, umüber den Fund zu informieren. Dabei verhielt sich Maik Marché nahezu vorbildlich, wie Dana Banschus vom Polizeirevier Salzwedel informiert: „Es muss sofort die Polizei unter der Notrufnummer oder die zuständige Verwaltungsbehörde informiert werden.“ Kampfmittel dürften auf keinen Fall berührt werden. Der Gefahrenbereich müsse gekennzeichnet werden.

Von der Granate ging Gefahr aus

Doch zunächst machte dem Vermessungsingenieur der fehlende Empfang einen Strich durch die Rechnung. Sein Telefon signalisierte: kein Netz. Somit mussten die Vermesser die Fundstelle verlassen, um telefonieren zu können. Als er endlich telefonieren konnte und die Polizei erreichte, verwies ihn der Polizist am Telefon an den Kampfmittelbeseitigungsdienst.

Maik Marché verständigte sich mit dem Spezialisten der Kampfmittelbeseitigung und sandte ihm ein Foto von der Granate sowie einen Kartenausschnitt mit der Koordinate der Fundstelle. Dabei bestätigte sich der anfängliche Verdacht: Es handelte sich tatsächlich um eine 75-Millimeter-Panzerabwehrgranate, die dazu noch scharf war und Sprengstoff enthielt.

Granate ist beseitigt

Maik Marché und sein junger Kollege hatten also Glück im Unglück. Wer weiß, was passiert wäre, hätten die beiden die Granate mit dem Spaten härter traktiert. Denn Munition aus den beiden Weltkriegen gilt als höchst gefährlich. Nach mehreren Jahrzehnten unter der Erde hinterlassen Verwitterung und Rost ihre Spuren. Kleinste Erschütterungen können dazu führen, dass die Sprengkörper explodieren.

Dank des umsichtigen Verhaltens wurde ein Unglück zum Glück verhindert. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst hat die Hinterlassenschaft des Krieges mittlerweile ordnungsgemäß beseitigt.