Salzwedel l Weil moderne Wohnmobile meist zu groß sind, um einen Platz auf kleinen Campingplätzen zu finden, bieten immer mehr Städte den Reisenden attraktive Stellflächen in der Nähe ihrer jeweiligen Sehenswürdigkeiten an. Ganz anders in Salzwedel: Abgelegen und verwinkelt verstecken sich zwei wenig attraktive Parzellen in der Nähe des Freibads. Rot-weißes Flatterband und ein liebloser Zettel in einem Schaukasten machen klar: „Hier ist wegen Corona geschlossen.“

„Die Stellplätze sind nicht zweckmäßig und schlecht zu erreichen“, sagt Thomas Wnuck. Dass die Verwaltung die Corona-Krise genutzt hat, um die Fläche für Gäste zu schließen, sei schwer zu verstehen. Immerhin haben moderne Reisemobile eine unabhängige Wasserversorgung und Toiletten an Bord, zudem stehen die Ferien vor der Tür. Vor Ort zeigen überquellende Mülleimer, unverschlossene Stromkästen, wucherndes Grün und der verschlossene Zugang zu den sanitären Anlagen ein Bild der Verwahrlosung.

Corona ist Schuld

„Der Platz stammt aus den 90er-Jahren“, sagt Stadtsprecher Andreas Köhler. Natürlich sei der verfügbare Raum beschränkt. Den Zustand der Anlage entschuldigt er mit eingeschränkten Pflegemaßnahmen. Diese seien der Corona-Krise geschuldet. Köhler räumt ein, dass die Verwaltung seit Längerem nach einer Möglichkeit suche, die Stellplätze dauerhaft zu betreuen. Es sei das Coronavirus, das auch diese Bemühungen vorläufig zum Erliegen gebracht habe. Immerhin: Wenn die Plätze wieder für Besucher geöffnet werden, sei eine Lösung gefunden. Unklar ist jedoch, wann das der Fall sein werde.

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„Hier hat sich noch nie jemand um die Camper gekümmert“, erzählt Stadtrat Nils Krümmel (Freie Fraktion), der unter anderem den Imbiss im Freibad betreibt. Ab und an habe der Bademeister nach dem Rechten gesehen. Seit dem Wechsel der Schwimm-Aufsicht seien sich die Gäste jedoch selbst überlassen geblieben. „Sogar der Strom war für die Camper umsonst“, sagt Krümmel. Das wäre wohl günstiger, als Personal einzusetzen. „Vollkommen unverständlich“, sagt Thomas Wnuck. Letzterer hatte schon vor Jahren den Entwurf einer angemessenen Stellfläche am Chüdenwall präsentiert. Den Entwurf hätte die Verwaltung mit Blick auf die Kosten zurückgewiesen. Auf Nachfrage erinnert Stadtsprecher Köhler daran, dass durch den Umbau des Platzes auch 60 Parkplätze weggefallen wären.

Parken "quer Beet"

Dass trotzdem ein Interesse an modernen Stellplätzen in Salzwedel besteht, belegten zwei Wohnmobile, die während der Recherche im Umfeld des Schwimmbades standen. Weitere Fahrzeuge waren Am Chüdenwall abgestellt. Eine Erweiterung oder Modernisierung der Stellflächen für Reisemobile sei, so Stadtsprecher Köhler, in der Hansestadt dennoch nicht geplant.