Salzwedel l „We´ll be back“ (Wir kommen zurück), frei nach Arnold Schwarzenegger in den Terminatorfilmen - so begrüßt derzeit der Hauptverband der Deutschen Filmtheater (HDF) die Besucher seiner Website. Doch einen Klick weiter steht dann plakativ geschrieben: „Deutsche Kinos vor dem Ruin“. Die Corona-Krise hat die Betreiber von Kinos hart getroffen, seit Mitte März gibt es auch in Sachsen-Anhalt keine Vorstellungen mehr. Dennoch hat Jürgen Bode, der gemeinsam mit seiner Frau Barbara den Filmpalast in Salzwedel betreibt, seinen Optimismus nicht verloren. „Es geht immer weiter“, sagt er im Gespräch mit der Volksstimme im leeren Foyer des Kinos.

„Der direkte Kontakt zum Kunden fehlt“, ist auch Bode nicht glücklich über die Situation. Der Salzwedeler engagiert sich im Hauptausschuss des HDF, ist also in Sachen Kino deutschlandweit gut vernetzt. „Einmal die Woche gibt es eine Telefonkonferenz, bei der wir die aktuelle Lage beurteilen“, erzählt Bode und berichtet zudem von den Bemühungen des Verbandes in Richtung Politik.

„Ein Hygienekonzept liegt schon lange beim Gesundheitsministerium“, sagt Bode. Er verweist darauf, dass auch in Filmtheatern die nötigen Hygiene-Vorschriften gut eingehalten werden könnten. Plexiglasscheiben stehen bereits an der Kasse in Salzwedel. Zudem könnten Vorstellungen zeitversetzt stattfinden und weniger Publikum in die Säle gelassen werden. „Doch kein Politiker will im Moment die Verantwortung tragen“, glaubt Bode. Viele sähen die Kinos als mögliche „Hotspots“ für die Verbreitung des Coronavirus‘.

Autokino in Uelzen

Doch Bode hat auch Verständnis für das langsame Vorgehen bei den Lockerungen der Corona-Verordnungen. „Ich sehe es realistisch. Ich möchte als Politiker diese Verantwortung auch nicht tragen“, sagt der Kinomann. Doch die Situation des Familienbetriebes ist nicht wirklich rosig. „Wir leben derzeit von den Rücklagen“, betont Bode. Bislang hat es nur einen relativ kleinen Zuschuss gegeben.

Betroffen sind auch die Mitarbeiter der beiden Kinos in Salzwedel und Uelzen, die Bodes betreiben. Zehn Festangestellte bekommen Kurzarbeitergeld, doch etwa 60 Minijobbern wurde gekündigt. Das stimmt Jürgen Bode besonders traurig: „Hier im Kino hatten viele ihren Einstieg ins Berufsleben“, erinnert er sich an einige junge Leute, die neben Schule oder Studium an der Kasse oder am Verpflegungsstand ausgeholfen haben. Auch die weiter laufenden Fixkosten für beide Häuser sorgen für Druck.

Um eventuell wieder Einnahmen zu generieren, startet am Freitag, 15. Mai, in Uelzen das Projekt Autokino. In der niedersächsischen Stadt war ein Eventunternehmen auf Bodes mit der Idee zugekommen. Nach umfangreicher Planung – zahlreiche Genehmigungen mussten besorgt werden – geht es nun los. „Die Stadt Uelzen ist uns aber auch entgegengekommen“, sagt Jürgen Bode.

Neustart im Juni?

Das Autokino, mit einer 120 Quadratmeter großen LED-Leinwand, wird auf dem Albrecht-Thaer-Gelände Platz finden. Bis zu 300 Autos können dort dann parken. Karten gibt es nur im Vorverkauf auf der Internetseite des Central-Theaters Uelzen. Erster Film ist ab 20 Uhr „Das perfekte Geheimnis“.

„Das ist eine Überbrückung, die Spaß macht“, meint Jürgen Bode. Er hofft, dass das Autokino auch bis Salzwedel ausstrahlt. Seine Vorfreude ist jedenfalls groß. Vier Wochen lang sollen open air Filme gezeigt werden. „Wir hoffen auf ein leichtes Plus“, sagt der Kinobetreiber, der mit dem Projekt auch ein Risiko eingeht.

Andererseits wünscht sich Bode dann aber den Neustart für das „normale“ Kinoerlebninis. Der Verband habe den Donnerstag, 4. Juni, als Angebot an die Politik genannt. Ob das klappt, werden die neuesten Beratungen der zuständigen Landesminister zeigen. Bode hofft, dass es zu keinem „Flickenteppich“ in Deutschland kommt. Das habe auch der HDF so kommuniziert. Dazu setzt er Hoffnungen in den neuen Christopher-Nolan-Film „Tenet“ und die Disney-Realverfilmung „Mulan“.