Salzwedel/Helsinki l Ausgerechnet die 2000 – nichts hätte nach den 2000 Kilometern von Stralsund nach Helsinki besser passen können, als diese Startnummer für den Helsinki-City-Marathon. Für „Strandläufer“ Guido Lange endet das „Abenteuer Baltikum“ am vergangenen Sonnabend mit zwei Runden und 42,196 Kilometern durch die finnische Hauptstadt. Es ist schwül-warm, ein Gewitter liegt in der Luft. Bevor es an den Start geht, wartet noch eine Überraschung auf den 53-Jährigen.

Schließlich hat er es mittlerweile zur lokalen Berühmtheit geschafft. Und so wird er vom Moderator auf die Bühne gebeten, um über seinen Lauf entlang der Ostseeküste zu sprechen. „Nach diesem Auftritt kannten mich alle, klopften mir auf die Schulter und klatschten mich ab“, berichtet Guido Lange. Dann geht es los, gemeinsam mit 4500 anderen Läufern. „Anders als zuletzt beim Frankfurt-Marathon habe ich aber nicht gleich begonnen zu überholen, sondern reihte mich brav zwei bis drei Kilometer ein, bis gut Platz dafür war. Mein Mantra lautete: Es ist warm, sehr wellig, zwei Runden, drückende Gewitterstimmung, kein Wind – also langsam“, erklärt er.

Fünf Wochen Estland

Nach drei Stunden, 41 Minuten und 52 Sekunden läuft Guido Lange über die Ziellinie. Damit belegt er insgesamt den 235. Platz. In seiner Altersklasse (M50) wird er 18. „Ich war sehr gespannt, wie sich der 2000- Kilometer-Lauf auf meine Marathonzeit auswirken würden. Am Ende war ich rund 14 Minuten langsamer als bei meiner persönlichen Bestleistung über diese Distanz“, erzählt der Verlagskaufmann.

Zuvor war Guido Lange fünf Wochen lang durch Estland gelaufen. Besonders beeindruckend seien die Inseln Saaremaa und Hiiu-maa mit ihrer natürlichen Schönheit und netten Menschen gewesen. „Die Leute dort haben ihre eigene Geschwindigkeit. Ich wurde stets herzlichst aufgenommen und untergebracht. Ein paar Mal habe ich auch im Freien übernachtet“, erinnert sich der 53-Jährige.

Bis 30 Kilometer pro Tag

Das Laufen habe sehr gut funktioniert. Nach anfänglichen Adaptionsproblemen wurde es für den „Strandläufer“ normal, 25 bis 30 Kilometer pro Tag auch bei Wärme zurückzulegen.

Vor Probleme stellten ihn eher die vielen Fliegen, Bremsen und Mücken, die seinen warmen und verschwitzten Körper als idealen Landeplatz ausgemacht hatten. „Besonders schlimm war es in den Gehpausen. Da wollte man am liebsten sofort weiterlaufen. Aber ich habe gelernt, mich nicht verrückt machen zu lassen“, betont der gebürtige Salzwedeler. Fünf bis sechs Fliegen pro Tag zu verschlucken, sei für ihn zur Gewohnheit geworden, auch wenn sich manche von ihnen in der Speise- oder Luftröhre festgesetzt hätten. „Besonders lästig waren die Bremsen, denn die haben sich meist den Punkt zwischen den Schulterblättern ausgesucht, an den man nur sehr schwer rankommt.“

Betonung

In Finnland angekommen, stellte vor allem die Verständigung mit den Einheimischen eine Hürde dar. „Betont man ein Wort falsch, verstehen einen die Leute einfach nicht. Aber sie sind immer sehr freundlich“, sagt Guido Lange.

Rückblickend sei für ihn ein Traum wahr geworden. „Ich liebe das Laufen an sich und deshalb war mir die Distanz wichtiger als das Ziel. Letztendlich wurden es 2049 Kilometer in 95 Tagen. Ich wollte immer nur geradeaus laufen und damit es einfacher würde, am liebsten entlang der Küste“, erzählt der Abenteurer. Dass die Wahl auf die Ostsee gefallen sei, liege daran, dass sie im Sommer ein super Klima sowie lange, helle Tage biete und die Reise durch demokratische, europäische Länder geführt habe.

Zurück im Büro

„Ich bringe über die baltischen Länder unglaublich viel Eindrücke mit, aber auch Erfahrungen für mich selbst. Da ist einiges dabei, das mich für das Leben prägen wird: So zum Beispiel der Umgang mit Problemen wie Wetter, Insekten, Sprachbarrieren oder gesundheitliche Einschränkungen.“

Ab dem 1. September wird Guido Lange seine Laufschuhe wieder gegen einen Bürostuhl tauschen. Dann hat ihn der Büroalltag wieder. Doch vorher, am 18. August, wird der 53-Jährige ab 19 Uhr in der Landesschau des SWR Rheinland-Pfalz über seine Reise berichten.

„Ich habe mich in allen Ländern meiner Reise sehr wohl gefühlt und bin dankbar, das erlebt haben zu können. Ich möchte auf jeden Fall für eine Reise in das Baltikum werben. Es muss ja nicht jeder zu Fuß dorthin laufen.“

Alle Erfahrungen seiner Reise hat Guido Lange in einem Internettagebuch festgehalten: www.abenteuerbaltikum.com