Gastronomie

Die gebeutelte Branche in Salzwedel

Die Gastronomie rollt langsam wieder an. Die Volksstimme hörte sich bei einigen Wirten in Salzwedel zum „Neustart“ um.

Von Oliver Becker
Zahlreiche Salzwedeler hat es am Wochenende nach langer Durststrecke in die Biergärten der Hansestadt gezogen.
Zahlreiche Salzwedeler hat es am Wochenende nach langer Durststrecke in die Biergärten der Hansestadt gezogen. Archivfoto: Oliver Becker

Salzwedel - Lange mussten die Gastronomen im Land auf diesen Tag warten. Denn seit dem 2. November 2020 war das Gastronomie- und Hotelleriegewerbe zu einer gesetzlich angeordneten Zwangspause verpflichtet. Am 2. Juni wurden nun aufgrund der niedrigen Inzidenzwerte in Sachsen-Anhalt Lockerungen möglich. An fünf aufeinander folgenden Tagen unterschritt der Schwellenwert im Altmarkkreis Salzwedel die Grenze von 35 und somit konnte Erleichterungen zu den allgemeinen Regelungen der 13. SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung (EindV) stattgegeben werden.

Damit konnte die Außengastronomie wieder öffnen und die Schnelltestpflicht entfiel für diesen Bereich. Auch darf die Gastronomie wieder über den bisherigen Zeitpunkt von 22 Uhr hinaus öffnen.

Erleichterungen und ein Aufatmen nicht nur bei den Gastronomen, sondern auch bei den Menschen im Land. Als ob sich das Coronavirus und Petrus abgestimmt hatten, wurde auch schlagartig das Wetter wärmer und erhöhte bei den Bürgern die Freude auf Freiluftaktivitäten.

In der Burgstraße tat sich bereits seit Wochenanfang einiges. Gastronom Lutz Winkelmann bereitete seine Winkelwiese und damit den Biergarten bestens auf den Neustart vor. Und seine Mühen wurden belohnt, denn im Nu waren seine bereitgestellten Stühle besetzt und die Gäste genossen das schon fast vergessene Gefühl der Geselligkeit an einem lauen Sommerabend mit Herzhaftem vom Grill und bei kühlen Getränken. Fast schien es, als wäre alles wieder so wie vor dem Lockdown Ende Oktober. Doch während die Winkelwiese von den intensiven Gesprächen der Gäste erfüllt war, konnte sich Lutz Winkelmann nicht so richtig freuen. Dass die Gäste gleich am ersten Abend seine Lokalität wieder angesteuert hatten, stimmte ihn natürlich froh, aber die rund sieben Monate Zwangspause haben ihn zum Nachdenken angeregt. Zu unsicher sei ihm die Situation und keiner könne sagen, was morgen sei. Die Zeit laufe ihm davon, sagte der 62-Jährige und darum hätte er sich entschlossen, seinen Gastronomiebetrieb nur noch freitags und sonnabends zu öffnen.

Zum 7. Juni hätte er eine Arbeit angenommen, um so wieder besser planen zu können und so über ein gesichertes Einkommen zu verfügen. Der zweite Lockdown hatte ihn erwischt, als er Umbau- und Erweiterungsarbeiten vornahm, die immer noch nicht abgeschlossen sind. Er sei nun so weit, dass er einen Nachfolger für sein Unternehmen suche, sagte er, denn jüngere Menschen könnten die Schwankungen zeitlich besser ausgleichen, ist er sich sicher.

Doch für das laufende Jahr sind Veranstaltungen wie das Grünkohlessen, Familien- und Firmenfeiern und in der kühleren Jahreszeit auch mal ein Konzert im kleineren Rahmen geplant.

Sieben Monate haben wir gekämpft und wir sind froh, dass unser Außerhausangebot so gut angenommen wurde.

Matthias Kutschke, HeimartStefan Muchow vom Freizeit- und Eventcenter startet bereits am Sonnabend, 12. Juni, mit seinem ersten Biergartenkonzert und lässt am 3. Juli die Band Osternhagen folgen. Auch für ihn und sein Team waren die sieben Monate eine lange Zeit. Wenn auch seine Auto-Reparaturwerkstatt in dieser Zeit weiterlief, so waren die anfallenden Kosten für das Center darüber nicht abzufangen. Über die durchgehende Schließung der Gastronom ist er zwiegespalten. „Wir, wie viele andere auch, hatten ein funktionierendes Hygienekonzept. Mir ist auch kein Fall bekannt, in dem eine gastronomische Einrichtung zu einem Hotspot wurde“, so Muchow.

Matthias Kutschke und Lars Wolfram vom Restaurant Heimart begrüßen seit Freitag wieder ihre Gäste. „Sieben Monate haben wir gekämpft“, sagte Kutschke „und wir sind froh, dass unser Außerhausangebot mit der Food-Box so gut angenommen wurde.“ Für sie kam eine Restaurantöffnung erst mit der Öffnung der Außengastronomie infrage, denn für die Innengastronomie besteht immer noch eine Testpflicht. „Bei schlechtem Wetter können unsere Gäste natürlich in den Innenbereich, doch dann müssen wir einen Mitarbeiter für die Testüberwachung abstellen. Und bei einem so kleinen Unternehmen wird es dann schon wieder unökonomisch“, so Kutschke. Doch er ist zuversichtlich und freut sich mit seinem Geschäftspartner und seinem Team, dass der Neustart so gut angenommen worden ist.