Digitalisierung

Digitale Ausbildungsmesse in Salzwedel leidet unter Besuchermangel

Bei der ersten digitalen Ausbildungsmesse im Altmarkkreis Salzwedel finden ausstellende Unternehmen kaum Kontakt zu Azubi-Kandidaten.

Von Beate Achilles
Jedes Jahr gibt es im Altmarkkreis Salzwedel eine Ausbildungsmesse. Dieses Jahr wurde sie wegen der Corona-Krise erstmals ins Internet verlegt. Die Aussteller äußern sich über die Ergebnisse enttäuscht.
Jedes Jahr gibt es im Altmarkkreis Salzwedel eine Ausbildungsmesse. Dieses Jahr wurde sie wegen der Corona-Krise erstmals ins Internet verlegt. Die Aussteller äußern sich über die Ergebnisse enttäuscht. Foto: Alexander Rekow

Altmarkkreis - „Bis jetzt war die Ausbildungsmesse im Internet für uns fruchtlos“, zieht Stefan Korneck von SCM Best of Energy Salzwedel Zwischenbilanz. „Wir haben mit zwei Geschäftsführern und Auszubildenden am 29. Mai am Rechner gesessen und gehofft, mit Ausbildungsinteressenten chatten zu können. Aber es kam überhaupt nichts zustande“, berichtet der Unternehmer.

An jenem Tag hatten sich in der Zeit von neun bis 13 Uhr die Ansprechpartner aller ausstellenden Unternehmen in einem Chat zum digitalen Austausch mit interessierten Schulabgängern bereit gehalten.

Online-Alternative im Corona-Lockdown

Die am 20. Mai gestartete Online-Ausbildungsmesse wird von der Arbeitsagentur Stendal und den Berufsbildenden Schulen (BBS) gemeinsam organisiert. Sie läuft bis zum 20. Juni und soll einen coronakonformen Ersatz für die alljährlich von beiden gemeinsam ausgerichteten Salzwedeler Ausbildungsmessen bieten.

„Wir waren froh, das als Alternative zu haben“, erklärt Alina Pieper, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Stendal. Denn im Februar, dem Monat, in dem die Messe üblicherweise in den Räumen der berufsbildenden Schulen (BBS) in Salzwedel stattfindet, befand sich die Republik im harten Lockdown, weswegen an die übliche Veranstaltung nicht zu denken war.

Bisher immer viele Kontakte

Vor der Corona-Krise zog die Ausbildungsmesse alljährlich hunderte Besucher an. Es war eine lebendige Veranstaltung, bei der sich regionale Unternehmen präsentierten, Schüler an Messeständen typische Tätigkeiten eines Berufsbildes praktisch ausprobieren konnten, der Landrat zum Publikum sprach und im Hintergrund hier und da jemand auf der Gitarre spielte. Für Schüler und Unternehmen war in diesem Umfeld die Schwelle niedrig, um miteinander ins Gespräch zu kommen und später einen Ausbildungsvertrag abzuschließen.

Vergebliches Warten am Internet-Stand

In der digitalen Alternative bleiben die Resultate dagegen bislang weit hinter den Erwartungen zurück. „So eine schlechte Resonanz kannten wir aus den vergangen Jahren nicht, gerade in unserer zukunftsorientierten Branche“, sagt Stefan Korneck.

Andere Aussteller zeichnen im Gespräch mit der Volksstimme ein ähnliches Bild. „Am 26. Mai hatten wir enttäuschend wenig Teilnehmer“, klagt etwa Roland Schuppe vom Landeszentrum Wald, „ich hatte mir mehr davon versprochen.“ Es hätte neun Besucher am digitalen Messestand des Landeszentrums gegeben, von denen aber keiner mit ihm sprechen wollte.

Die gleiche Erfahrung machte die Firma Rühlmann Bau: „Bei uns sind keinerlei Kontakte zustande gekommen. Man konnte nur sehen, dass sich Besucher den Stand angeschaut haben“, so Sekretärin Ramona Rühlmann. Auch MB Well Services und Deichmann Schuhe berichten Ähnliches.

Bei der Frage nach den möglichen Ursachen sehen einige Aussteller Versäumnisse in der Werbung für die Veranstaltung. „Die Werbung war zu schwach“, meint etwa Ulrike Wiechmann, Personalleiterin bei MB Well Services. „Unser Berufsberater hat jeden Schüler der Abschlussjahrgänge per Brief eingeladen“, sagt dagegen Alina Pieper von der Arbeitsagentur Stendal. Wo die Kontaktdaten nicht vorlagen, hätten die Schulen die Briefe an die Schüler weitergeleitet. Das kann die Schulleiterin der Lessing-Ganztagsschule, Heike Herrmann, nicht betätigen. „Ich habe in den achten, neunten und zehnten Klassen meiner Schule nachgefragt. Kein einziger Schüler wusste etwas von der digitalen Ausbildungsmesse.“ Der zuständigen Lehrerin sei gesagt worden, die Zugangscodes würden über den Berufsberater der Arbeitsagentur an die Schüler verschickt. Angekommen sind sie offenbar nicht.