Poppau l Wird der „Mittelpunkt der Welt“, als den sich Poppau dank der gleichnamigen Sage um den legendären Stein mit der Kette im Dorfteich gern bezeichnet, in Zukunft zum zweiten Gorleben? Die Sorge geht um in dem 300-Einwohner-Ort, zu dem auch das Ökodorf Sieben Linden gehört, seitdem die Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE) in ihrem Zwischenbericht auch Poppau als einen von deutschlandweit 90 möglichen Standorten in die engere Wahl gezogen hat.

Als Teilgebiet 058 taucht die Salzstruktur Poppau im Bericht auf. Der dortige Zechstein weist eine Mächtigkeit von 690 Metern auf und erstreckt sich auf einer Fläche von sieben Quadratkilometern. „Das Teilgebiet befindet sich in einer Teufenlage (Tiefe unter Tage; Anmerk. d. Red.) von 810 Metern bis 1500 Metern unterhalb der Geländeoberkante“, heißt es bei der BGE. Eine genauere Lokalisierung gibt der Bericht nicht her, lediglich den Hinweis, dass es sich beim Wirtsgestein um Steinsalz in steiler Lagerung handelt. Also das gleiche Material wie im niedersächsischen Salzstock Gorleben, der seit 1986 als möglicher Endlager-Standort erkundet und erst jetzt endgültig ausgeschlossen wurde.

Widerstand regt sich

In Poppau beginnt sich schon jetzt erster Widerstand zu regen. Ganz vorn dabei: das Ökodorf. „Wir beraten gerade in Sieben Linden, was wir machen und wie wir initiativ werden können“, berichtete Gemeindevertreterin Eva Stützel im Beetzendorfer Rat. Die Siebenlindenerin rief ihre Ratskollegen und den Bürgermeister dazu auf, sich als Gemeinde möglichst frühzeitig zu dem Vorhaben zu positionieren. „Zwar ist das Teilgebiet Poppau im Zwischenbericht nicht als 100 Prozent geeignet für ein Endlager klassifiziert, aber es ist trotzdem ziemlich viel Grün hinter den einzelnen Kriterien“, warnte Stützel. Es sei wichtig, dass über das Thema informiert wird und dass die Verantwortlichen merken, „dass die Bevölkerung wach ist“.

Bei der geowissenschaftlichen Abwägung des Standorts Poppau wurden elf Kriterien bewertet. Sechs davon erhielten das Prädikat „günstig“, darunter die Neigung zur Bildung von Fluidwegsamkeiten, der Transport radioaktiver Stoffe durch Grundwasserbewegungen, die räumliche Charakterisierbarkeit, die langfristige Stabilität des Gesteins, Gasbildung und Temperaturverträglichkeit. Als „nicht günstig“ wurden dagegen das Rückhaltevermögen im einschlusswirksamen Gebirgsbereich und die hydrochemischen Verhältnisse bewertet. Zudem sehen die Gutachter die Konfiguration der Gesteinskörper und den Schutz durch das Deckgebirge lediglich als „bedingt günstig“ an.

Teilnahme an Online-Sprechstunde

Das Fazit der Bewertung sollte allerdings durchaus die Alarmglocken schrillen lassen. So heißt es in dem Bericht, dass im Falle Poppau damit zu rechnen ist, „dass ein geeigneter einschlusswirksamer Gebirgsbereich gefunden werden kann“. Die Anwendung der geowissenschaftlichen Abwägungskriterien lasse für das Teilgebiet „eine günstige geologische Gesamtsituation für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle erwarten“.

Eva Stützel rief dazu auf, an der von der BGE angebotenen Online-Sprechstunde zum Teilgebiet Poppau teilzunehmen, die am Dienstag, 3. November, um 20 Uhr live bei Youtube läuft. Auch Vertreter der Gemeinde sollten sich hier beteiligen und ihre Fragen stellen.

Die Siebenlindenerin sieht zwar ein, dass der bis jetzt entstandene Abfall „irgendwo hin muss“, allerdings sollte es der geologisch sinnvollste Ort sein. Und das sei Poppau nunmal nicht. „Ich fürchte aber, dass neben den offiziellen Kriterien inoffiziell auch die ‚politische Durchsetzbarkeit‘ ein Kriterium sein wird, das die Standortauswahl beinflusst“, so Stützel weiter. Umso wichtiger sei es, zu zeigen, „dass es hier viele Bürger gibt, die das Ganze kritisch begleiten“.