Nach Schwelbrand

Evakuierung beendet: Bewohner zurück in Salzwedeler CJD-Wohnheim

Nach Brand zu Himmelfahrt können die Bewohner am Freitag vergangener Woche an den Böddenstedter Weg zurückkehren.

Von Beate Achilles
Steffen Schulz, Brunhild Engelmann, Ronny Marschler, Monika Pesel, Michael Rütz und Reinhaud Kausch (von links) freuen sich, nach elf Wochen wieder in ihrem gewohnten  Umfeld zu sein.
Steffen Schulz, Brunhild Engelmann, Ronny Marschler, Monika Pesel, Michael Rütz und Reinhaud Kausch (von links) freuen sich, nach elf Wochen wieder in ihrem gewohnten Umfeld zu sein. Foto: Beate Achilles

Salzwedel - Am diesjährigen Himmelfahrtsabend gegen 21 Uhr war Carina Eder im Wohnheim des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschlands (CJD) am Böddenstedter Weg gerade mit der Körperpflege eines Bewohners beschäftigt, als plötzlich das Licht ausging. Die Ursache dafür war schnell gefunden: Im Raum nebenan war an Elektrokabeln ein Schwelbrand ausgebrochen und hatte sowohl die Stromversorgung als auch Telefon und Internet lahmgelegt.

In Windeseile wurden die Bewohner alarmiert, die teilweise schon zu Bett gegangen waren. Innerhalb weniger Minuten versammelten sie sich gemeinsam mit den Mitarbeitern des Wohnheims für Menschen mit Behinderungen vor dem Gebäude. Der Brandgeruch war inzwischen deutlich wahrnehmbar. „Es war wirklich Glück, dass die Kollegin gerade nebenan war“, blickt Betreuerin Silke Bauer zurück. „Sonst hätte das vielleicht ganz anders ausgehen können.“

Das Feuer wurde nicht durch Brandstiftung, sondern durch einen technischen Defekt ausgelöst, das ermittelte später die Polizei. Bis auf eine Mitarbeiterin, die eine leichte Rauchvergiftung erlitt, gab es keine Verletzten.

Unterkunft in Chüttlitz war wie Ferien auf dem Bauernhof

Dennoch war die Situation am Brandabend zunächst dramatisch. „Es war nach 21 Uhr an einem Himmelfahrtsabend, wo normalerweise viele potenzielle Helfer alkoholisiert sind. Wir standen mit einigen Matratzen draußen und wussten nicht, wohin mit unseren 23 Schützlingen“, erinnert sich Ulrich Steffens, pädagogischer Mitarbeiter im Böddenstedter Weg. Doch es gelang, kurzfristig Schlafplätze in den CJD-Einrichtungen in der Goethestraße und im Kaiserhof sowie Busse für den Transport zu organisieren. Einige Bewohner kamen auch bei ihren Eltern unter. Zwölf Tage später konnten fast alle in die Landpension Wiesengrund in Chüttlitz umziehen, wo sie die übrigen Wochen verbrachten, ehe sie am Freitag an den Böddenstedter Weg zurückkehrten. „Chüttlitz war wie Urlaub“, blickt Bewohner Steffen Schulz wehmütig zurück. Dort habe es immer Frühstücks- und Abendbuffet gegeben, abends sei oft gemeinsam gegrillt worden und samstags sei der Eiswagen gekommen. „Die Gastgeber, die Familie Fanknowski, sind sehr herzlich und offen mit unseren Bewohnern umgegangen“, ist Silke Bauer dankbar, „das war wie Ferien auf dem Bauernhof.“ Dennoch freuten sich jetzt alle, zurück zu sein. Nun hätte wieder jeder sein eigenes Zimmer und müsse es nicht mehr mit einem anderen teilen, wie es in Chüttlitz unvermeidbar war. „Wir hoffen, dass so ein Feuer nicht nochmal passiert“, klopft Steffen Schulz auf Holz.