Feuerwehr

Fast ein halbes Jahrhundert auf den Rädern

Während andere Wehren mit modernen Fahrzeugen zum Einsatz fahren, kommen die Sanner und Kerkuhner mit einem Oldtimer.

Von Christian Ziems

Sanne l Unverwüstbar wirkt das Löschfahrzeug (L8) bereits auf den ersten Blick. Und der Eindruck täuscht nicht. Fast alle Bauteile sind noch original, in diesem Jahr gab es neue Reifen. Die alten hielten mehrere Jahrzehnte, vermutlich war es der erste Satz, der nun runter kam. Und das bei einem Baujahr von 1974. Die geringe Laufleistung des Mercedes-Benz mit exakt 21.953 Kilometern hat seinen Anteil daran, zudem sind die Reifen nur selten der Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Die freiwillige Feuerwehr von Sanne und Kerkuhn hat pro Jahr im Schnitt zwei bis drei Einsätze. „Das Fahrzeug genügt unseren Ansprüchen“, macht Ortswehleiter Mirko Wittig deutlich.

Mit 46 Jahren ist der Wagen sehr alt und nähert sich dem halben Jahrhundert. Damit ist er wohl der älteste „technische Aktive“ in der Region, schätzten die Ehrenamtlichen. Eine Nachfrage bei der Stadtverwaltung brachte Klarheit. Haupt- und Ordnungsamtsleiter Michael Niederhausen bestätigte: Kein anderes für den Einsatz verwendetes Fahrzeug hat innerhalb der Einheitsgemeinde Arendsee mehr Jahre auf dem Buckel oder anders gesagt auf den Kotflügeln.

Ein echter Oldtimer, der in Sachen Zuverlässigkeit die Freiwilligen aus Sanne und Kerkuhn nur einmal kleinere Probleme bereitete. Sie wollten zu einem Einsatz ausrücken, doch die Batterie funktionierte nicht. Die Folge: Der Mercedes-Benz sprang nicht an. Die Kameraden schoben das Fahrzeug bis zur Straße an, der Motor machte aber immer noch keinen Mucks. Als die Ehrenamtlichen den Wagen wieder mit vereinten Kräften rückwärts in das Gerätehaus bugsieren wollten, tat sich auf einmal was. Sie konnten wie gewohnt und nur mit wenig Zeitverlust ausrücken. Die defekte Batterie wurde später ausgewechselt.

Ansonsten muss der Mercedes-Benz T2 nur selten in die Werkstatt. „Zum TÜV und zum Ölwechsel“, zählt Mirko Wittig auf. Die Technik ist äußerst robust, einige sonst typische Verschleißteile wie Fensterkurbeln gibt es nicht. Die Seitenscheiben lassen sich öffnen, in dem sie einfach mit der Hand zur Seite geschoben werden. Im Innenbereich fallen die Sitze auf. „Wie in einem Wohnzimmer“, schmunzelt Feuerwehrmann Thomas Peschke beim Gespräch mit der Volksstimme. Damit ist nicht unbedingt die Bequemlichkeit gemeint. Denn Sicherheitsgurte waren beim Bau 1974 noch kein Standard. Ein Radio sollte laut der Hersteller-Papiere für das Fahrzeug, die noch im Original erhalten ist, drin sein. „Es ist ja ein Feuerwehrfahrzeug. Dafür ist kein Radio nötig“, vermisst Mirko Wittig es nicht. Wichtiger ist ein modernes Funkgerät. Dieses ist vorhanden. Die Qualität beim Funken kann aber Probleme bereiten. Schuld sind die Eigenschaften eines älteren Wagens. Mit zunehmender Geschwindigkeit wird die Geräuschkulisse sehr stark und eine Funk-Verständigung schwierig. Laut Zulassung schafft der Mercedes-Benz 103 Stundenkilometer, schneller als Tempo 80 fahren die Einsatzkräfte aber nicht. Auch deshalb, weil das Fahrzeug dann immer stärker schaukelt. Ruhiges Dahingleiten ist kein Merkmal des LF.

Dies stellte auch der Feuerwehrmann Peter Mikolajczyk fest. Gemeinsam mit weiteren Kameraden holte er das Fahrzeug 1992 aus Kenzing. Dieser Ort liegt in Baden-Würtemberg an der französischen Grenze. Bei der Rücktour wollte sich Peter Mikolajczyk etwas ausruhen. Doch schon damals waren die Geräusche unüberhörbar. Zuvor war der Mercedes-Benz in Hannover im Einsatz. Für den altmärkischen Dienst musste das LF erstmal ausgerüstet werden. Bis auf den Scheinwerfer vorn, die charakteristische und selten gewordene Vorbaupumpe sowie die Steckleiter auf dem Dach war an Ausrüstung nichts vorhanden. Eine neue Tragkraftspritze wurde angeschafft, genügend Materialien wie Schläuche sowie Strahlrohre und Motorkettensäge verstaut. Um das Ausleuchten bei Einsätzen zu verbessern, haben die Freiwilligen im hinteren Bereich nachgerüstet. Dort lässt sich ein Scheinwerfer am Teleskopmast bei Bedarf in Position bringen.

Genügend Ehrenamtliche sind nötig, um jederzeit optimal agieren zu können. Bei dem Punkt zeigt sich ein großer Vorteil dieses LF8. Dort haben neun Einsatzkräfte Platz. Modernere Fahrzeuge dieser Klasse haben kein solches Angebot mehr. Die Sanner und Kerkuhner kommen mit dem Mercedes-Benz aus und wissen die Vorteile des rüstigen Oldtimers zu schätzen.