Salzwedel l Premiere feierte am Sonnabend der Kurzfilm „Nicht allein“ des Salzwedeler Filmemachers Alexander Wiese im Filmpalast. Der 23-Jährige hatte nicht nur das Drehbuch geschrieben, sondern auch Regie in dem 15 Minuten langen Film geführt.

In „Nicht allein“ geht es um einen jungen Mann, der sich in die Isolation zurückzieht, der nicht fähig ist, Bindungen zu anderen Menschen einzugehen beziehungsweise mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Schroff lehnt er das Angebot eines Kommilitonen zur Zusammenarbeit an einem gemeinsamen Projekt ab. Er versteckt sich in seiner Wohnung, wird von Halluzinationen heimgesucht, hört ein dauerndes Klopfen, das nicht nur ihn ängstigt und er als Bedrohung auffasst, sondern auch bedrückend auf die Zuschauer in Saal 4 des Filmpalastes wirkt. Immer in der Sorge, es könnten Eindringlinge durch die Wände in die Wohnung einbrechen. Sein einziger Kontakt zur Außenwelt ist ein Paketbote, der ihn bittet, eine Sendung für den Nachbarn anzunehmen. Tim, so heißt der Protagonist, hat Albträume, in denen ihm der Postmann erscheint und das von ihm gebrachte Paket fallen lässt. Die Sorge um den Gegenstand weckt Tim auf. Er findet das Paket allerdings dann dort, wo er es zuvor abgelegt hatte.

Schließlich begegnet er sich selbst, muss sich von seinem Ego fragen lassen: „Willst du denn vor jeder Tür stehen bleiben?“ Erst später merkt Tim schließlich, dass er ein Risiko eingehen muss. Er scheint nun bereit zu sein zu seinem Weg für die Welt dort draußen, für die Kommunikation mit anderen Menschen. Für das Leben eben, für das es sich doch zu leben lohnt.

Nikolas Friedrich, der nicht nur durch seinen Vornamen an den US-amerikanischen Schauspieler Nicolas Cage erinnert, spielt die Rolle des Tims, die kafkaeske Züge trägt, intensiv und überzeugend. Unterstützt wird er dabei durch die ruhige Kameraführung, die die Bildhaftigkeit von „Nicht allein“ zudem unterstreicht. Dass Wiese ein Fan Roman Polanskis ist, zeigt sich nicht nur an der intensiven Bildsprache, sondern auch daran, wie er seine Figur Tim angelegt hat. Deshalb ist „Nicht allein“ nicht nur ein Thriller oder Drama mit gutem Ausgang, sondern die Charakterstudie eines einsamen jungen Menschen.Doch der Film, eine Katharsis Films Produktion, hinter deren Namen sich Wieses Mutter Katharina verbirgt, macht Mut. Denn trotz der manchmal scheinbar zu greifenden Trostlosigkeit des Protagonisten zeigt „Nicht allein“, dass Isolationismus nicht weiterhilft, Solidarität zwischen Menschen ein wichtiges Band des Zusammenlebens darstellt und es sich lohnt, auf andere zuzugehen. Nicht ohne Grund hat deshalb Alexander Wiese seinem Film den Satz von Franz Kafka vorangestellt: „Je länger man vor der Tür zögert, desto fremder wird man.“

Nein, Lampenfieber hat er keines, sagt Wiese kurz vor der Vorstellung seines Films. „Es ist einfach nur Freude, dass es losgeht.“ Dazu haben er und seine Mutter Freunde, Bekannte, treue Wegbegleiter, die seit Jahren Alexander Wiese unterstützt und an ihn geglaubt haben, in den Filmpalast eingeladen. Und sie konnten erleben, dass „Nicht allein“ ein beeindruckendes Werk ist, das auf weitere hoffen lässt. Übrigens: Auch Roman Polanski hat mit einem Kurzfilm („Zwei Männer und ein Schrank“) angefangen.