Journalismus

Film und Diskussion mit Reporterin im Salzwedeler Filmpalast

Sitzen Lokaljournalisten auf einem absterbenden Ast oder hat ihr Beruf noch eine Zukunft? Das hängt davon ab, ob der Umstieg ins digitale Zeitalter gelingt, wie ein Filmabend in Salzwedel zeigte.

Von Beate Achilles
Kinochef Jürgen Bode sprach mit Journalistin Anna Petersen  im Anschluss an die Vorführung des Dokumentarfilms ?Die letzten Reporter" am Dienstagabend  im Salzwedeler Filmpalast.
Kinochef Jürgen Bode sprach mit Journalistin Anna Petersen im Anschluss an die Vorführung des Dokumentarfilms ?Die letzten Reporter" am Dienstagabend im Salzwedeler Filmpalast. Foto: Beate Achilles

Salzwedel - In dem Film „Die letzten Reporter“, der am Dienstagabend im Salzwedeler Filmpalast gezeigt wurde, trifft der Blick mit der Kamera in die Redaktionen von Schweriner Volkszeitung, Osnabrücker Nachrichten und Hamburger Nachrichten überwiegend auf alternde, schrullig wirkende Männer mit fahler Haut, Glatze, strähnigen Haaren und Vier-Tage Bart. Im Regen stehen sie in ländlicher Region auf Vereinssportplätzen, besuchen Dorffeste und führen Interviews mit D-Promis aus der Schlagerszene. Innovation und Dynamik sehen anders aus.

Nachwuchs ist knapp

Eher so wie Anna Petersen von der Lüneburger Landeszeitung, die, jung, blond und modisch gekleidet, mit den anderen Protagonisten im Film auffallend kontrastiert. Gut ausgebildet und trotz ihrer Jugend bereits Trägerin mehrerer Journalistenpreise, ist die 27-Jährige, die auch schon für das Magazin der Süddeutschen Zeitung gearbeitet hat, mit ihrer bewussten Entscheidung für eine Laufbahn im Lokaljournalismus eine Ausnahmeerscheinung. „Die Bezahlung ist in anderen Branchen besser, das soziale Ansehen des Journalistenberufes hat über die Jahre gelitten“, erläutert ein Lokaleporter im Film die Gründe für den vielfach fehlenden Nachwuchs in den Redaktionen. Die Abonnenten von gedruckten Lokalzeitungen sind meist über 60 Jahre alt und sterben allmählich weg. So erklären sich die seit Jahren sinkenden Auflagen. Die Verlage haben unter anderem mit Rationalisierungsmaßnahmen reagiert. „Ich habe erlebt, wie wir Reporter plötzlich anfingen, selbst zu fotografieren“, beschreibt Anna Petersen nach dem Film im Gespräch mit dem Publikum eines von vielen Anzeichen des Niedergangs.

Der Film zeigt jedoch auch die Gegenbewegung. Jüngere Journalisten versuchen, in Schulungen die älteren Kollegen für die Zukunft im Digitalen fit zu machen. „Neben dem Print-Layout der Papierzeitung müsst ihr bei euren Texten und Fotos auch Bildschirme unterschiedlicher Größen mitdenken, vom Laptop über den Tablet-PC bis hin zu Smartphone und Apple-Watch“, lehrt eine jung-dynamische Seminarleiterin um die 30 ihre gutmütig, aber befremdet dreinschauenden Kollegen Ende 50.

Mit dem Wandel ins Online-Zeitalter müsse der Journalist auch sich selbst mehr ins Spiel bringen. Er müsse „zur Marke“ werden, lernen die Seminarteilnehmer auf der Leinwand weiter. Dass das keine leichte Aufgabe ist für ein Berufsbild, das seine Glaubwürdigkeit aus der Rolle des neutralen Beobachters zieht, wird kurz darauf ebenfalls deutlich.

Wichtig für die Demokratie

„Ich habe mich für den Lokaljournalismus entschieden, weil er nah an den Menschen ist“, sagt Anna Petersen. Sie glaube daran, dass es den Beruf des Lokalreporters trotz aller Schwierigkeiten weiter geben wird. Denn das Geschehen vor Ort auszuleuchten, in die Ortschaftsräte zu gehen, das sei für den Fortbestand der Demokratie unverzichtbar. Wirtschaftlich werde die Bezahlschranke für Inhalte im Internet die sinkenden Einnahmen im Printbereich auffangen müssen. Die wenigen Zuschauer im Kinosaal pflichten der Nachwuchsjournalistin an diesem Abend bei. „Es ist wichtig, das Liebenswerte einer Region darzustellen“, unterstreicht einer von ihnen. „Ließe sich die Jugend für den Lokaljournalismus über die sozialen Medien wieder zurückgewinnen?“, fragt eine Zuschauerin. „Das kommt aufs Thema an“, sagt Anna Petersen. Corona hätte auch die 18-Jährigen interessiert.