Salzwedel/Diesdorf l Mindestens einmal hat sich ihr Einsatz schon bewährt: In Schadewohl, einem kleinen Ortsteil des Fleckens Diesdorf, wurde der Notarzt benötigt. Weil das Einsatzstichwort passte, alarmierte die Integrierte Leitstelle Altmark auch die Bereitschaft der „First Responder“ der DLRG Ortsgruppe Diesdorf, die sich sofort auf den Weg machten. „Das Navigationsgerät des Rettungsdienstes hat die Hausnummer am falschen Ort angezeigt“, berichtet mit Lars Sannemann einer der Ehrenamtlichen. „Wir waren als erste vor Ort und konnten dann gleich zeigen, wo es richtig ist.“

First Responder, frei übersetzt Erste Einsatzhelfer, gibt es in anderen Bundesländern schon länger. Dort werden sie zum Beispiel auch Helfer vor Ort (HvO), Sanitäter vor Ort (SanvO) oder Voraus-Helfer genannt. Seit dem 25. November des vergangenen Jahres sind Lars Sannemann (Leiter der First Responder), Tino Thieme, Steffen Schulz, Diana Svete und Nils Leitloff in Diesdorf offiziell einsatzbereit.

Viel Überzeugungsarbeit

„Wenn bei der Rettungsleitstelle Altmark mehr Notrufe eingehen, als Rettungswagen verfügbar sind, werden die ‚First Responder‘ der DLRG Ortsgruppe Diesdorf alarmiert“, heißt es auf der Internetseite der Ortsgruppe. „Wir überbrücken die Zeit von der Alarmierung bis zum Eintreffen des Rettungswagens und des Notarztes“, erklärt Sannemann im Gespräch mit der Volksstimme. Alle fünf Ehrenamtlichen haben die Sanitäter B-Ausbildung der DLRG, sind also viele Stunden in der Erstversorgung von Patienten geschult. Doch bis die Freiwilligen, die nur im Bereich des Fleckens Diesdorfs mit allen Ortsteilen ausrücken, so weit waren, mussten sie viel Überzeugungsarbeit leisten.

Bilder

Der Altmarkkreis Salzwedel berief sich nach der ersten Anfrage der Ersthelfer im Herbst 2018 zunächst darauf, dass es im Land Sachsen-Anhalt für den Einsatz der First Responder noch keine gesetzliche Regelung gibt. „Um den Einsatz dennoch zu ermöglichen, bedurfte es einer weiteren Regelung durch das Land“, berichtet Kreissprecherin Birgit Eurich, dass es erst nach Klärung der Sachlage und einem Erlass des Ministerium für Sport und Inneres im Juli 2019 möglich war, Kriterien für die Einsätze zu erarbeiten. Nachdem die Aktiven der Ortsgruppe diese anerkannt haben und Ausbildungsnachweise vorlegten, konnte der Einsatz der DLRG-Truppe aktiviert werden.

Eurich erläutert die Vorgaben aus dem Ordnungsamt für den Einsatz der Ehrenamtler wie folgt: „Durch die First Responder dürfen nur Basismaßnahmen (Lagerung, Betreuung, Puls, Blutdruck etc.) nach den anerkannten Regeln der Notfallmedizin durchgeführt werden.“ Die eigenverantwortliche Gabe von Medikamenten ist den Ehrenamtlichen untersagt. „Eine Ausnahme gilt für die Sauerstoffgabe“, gibt Eurich weiter.

Ein Modellversuch

Dr. Ilja Karl, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Altmarkkreis, sieht den Einsatz der First Responder als „eine Art Modellversuch“. Er bedauert dabei aber, dass es keine begleitende Untersuchung dazu gebe. Mangels gesetzlicher Vorgaben habe der Landkreis nun selbst die Anforderungen an die Ehrenamtlichen bezüglich Ausrüstung, Ausbildung und Dienstgestaltung formuliert und dazu „auf Erfahrungen in anderen Bundesländern zurückgegriffen“. Karl bezeichnet die Struktur durchaus als sinnvoll, allerdings könnten die Ehrenamtler den Rettungsdienst in puncto Hilfsfristen nicht ersetzen.

„Wir sind ganz gut angekommen“, meint dagegen Lars Sannemann von der Diesdorfer DLRG, in Bezug auf die ersten Kontakte mit den hauptamtlichen Rettungskräften des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Rohrberg und Dähre. Dort haben sich die Ehrenamtler mittlerweile vorgestellt. Auch er weiß: „Wir sind kein Ersatz für das DRK.“ Es gehe darum, den Rettungsdienst zu unterstützen.

Schwierg sei es derzeit noch die 24-Stunden-Bereitschaft, auch eine Vorgabe des Kreises aber ebenfalls fester Wille der Diesdorfer, vorzuhalten. Vom Fünferteam der DLRG arbeiten nicht alle in der Nähe des Ortes, die anderen müssen dann einspringen.

Unter Leitung von Nils Leitloff laufen deshalb nun regelmäßig die Ausbildungen San A (Sanitätshelfer) und anschließend zum San B (Sanitäter) im Rathaus der Gemeinde. Dort belegt die Ortsgruppe mehrere Räume.