Salzwedel l „Das war ganz brutal“, berichtet Thomas Koberstein einige Wochen nach dem dramatischen Vorfall. Die Storchendame, das Geschlecht wurde später über eine DNA-Untersuchung geklärt, war im Frühsommer nahe Salzwedel schwer verletzt entdeckt worden. Eine Bürgerin hatte sich an den Storchenhof in Loburg gewandt, von wo aus Koberstein informiert wurde.

„Das war eigentlich nicht nachvollziehbar, nur ihr rechter Flügel war völlig zersplittert“, berichtet der Storchenbeauftragte für den nördlichen Altmarkkreis von der Fundsituation. Die Schwinge des Weißstorchs war zudem komplett in sich verdreht. Dies stellte sich allerdings als ein Glücksfall für das Tier heraus. Wichtige Blutgefäße waren somit abgeschnürt, sodass der Vogel nicht verblutete.

Ursache der Verletzung bleibt unklar

Sofort brachte Koberstein das verletzte Wildtier nach Salzwedel zu Tiermediziner Thomas Tamm. „Wir mussten schnell handeln“, erklärt Tamm, dass eine Rekonstruktion des Flügels nicht mehr möglich war. „Es waren nur noch Splitterfragmente“, schildert Thomas Koberstein die schwere der Verletzung, deren Ursache er sich bis heute nicht wirklich erklären kann. Weitere Blessuren waren an dem Tier nicht zu entdecken.

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Um das Leben der Störchin zu retten, entschied der Tierarzt, dass der Flügel amputiert werden muss. „Da ging Lebenserhaltung vor Flugfähigkeit“, betont auch Koberstein, der zu dem Vorfall auch die Untere Naturschutzbehörde informierte.

Gut erholt

Und tatsächlich, der Vogel erholte sich nach der gut eineinhalbstündigen Operation. „Der Vogel hat sich sehr gut erholt“, verweist der behandelnde Tierarzt aber auch auf die gute Pflege von Thomas Koberstein im Anschluss. „Er hat sie intensiv gefüttert“, berichtet Thomas Tamm, sodass die Störchin überraschend schnell wieder zu Kräften kam.

Auch wenn sie nun nicht mehr in die wärmeren Gefilde nach Afrika fliegen kann, so gab es für das Tier doch noch so etwas wie ein Happy End. „Wir haben im Salzwedeler Tierpark angefragt, ob sie dort bleiben darf“, berichtet der Storchenbeauftragte.

Neuen Schützling gut aufgenommen

Jens-Olaf Schawe, Tierparkleiter, freute sich sogar über den Neuankömmling. Denn nun hat Quaxima, die im August 2017 im Harz eine Bruchlandung hinlegte und ebenfalls nicht mehr fliegen kann, eine tägliche Begleiterin. „Sie kommen sehr gut miteinander klar“, erzählt Schawe. Auch Thomas Koberstein freut sich darüber, wie ausgeglichen beide Vögel in ihrem neuen Zuhause sind.

Und Koberstein hat weitere gute Nachrichten. Das im Storchennest im Tierpark hatte im Laufe des Sommer bereits mehrfach Interessenten. Ein bis zwei Weißstörche und auch ein Schwarzstorch inspizierten den möglichen Brutplatz (siehe Infokasten).