Pretzier/Neulingen l Deersheim im Harz hat es vorgemacht. Dort gibt es seit Herbst 2016 einen Dorfladen, den eine Genossenschaft betreibt. Sie gründete sich 2014 aus engagierten Deersheimern, die nach der Schließung der dortigen Kaufhalle verhindern wollten, dass es in dem Ort keine Einkaufsmöglichkeit mehr gibt. Inzwischen hat die Genossenschaft 130 Mitglieder und um den Dorfladen haben sich weitere Projekte entwickelt.

Was in Deersheim möglich ist, könnte in ähnlicher Art auch für Pretzier umzusetzen sein, dachten sich die Ortschaftsräte, nachdem die PUG-Vario Kauf (ehemals Konsumgenossenschaft) ihren Ein- kaufsmarkt im größten Salzwedeler Ortsteil geschlossen hatte. Da kam das Modellprogramm, das das Landesministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie im April aufgelegt hatte, gerade recht. Insgesamt stehen 300  000 Euro Landesmittel für die Erweiterung oder Ergänzung bestehender Einrichtungen sowie für Marktanalysen und vorbereitende Konzepte für neue Dorf-Gemeinschaftsläden zur Verfügung, informiert das Ministerium.

Sieben Projekte

Sieben Projekte von 20 Antragstellern, die sich beteiligt hatten, werden gefördert, darunter in Pretzier und Neulingen. Dabei geht es zunächst um vorbereitende Analysen, ehe konkret in die Gründung der Genossenschaft und den Aufbau des Dorfladens eingestiegen wird. In Pretzier sollen neben einem Einkaufsladen auch ein Café und ein Seniorentreffpunkt entstehen. Eventuell könnte die Landwirtschaft mit eingebunden werden. Noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen,sagt Ortschaftsrat Frank Pieper. Für ihn und Ortsbürgermeister Herbert Schulze steht im Mittelpunkt Leute zu finden, „die sich vor den Karren spannen.“ So ein Projekt werde von vielen befürwortet, könne aber nur mit Leben erfüllt werden, wenn sich die Einwohner dafür engagieren und mitarbeiten wollen, ist sich Schulze sicher. Und mit einer Mitgliedschaft in der Genossenschaft sei es nicht getan. „Es müssen sich Leute finden, die einen Teil der Aufgaben übernehmen“, sagt er. Und das nicht nur für einen Tag, wie bei Veranstaltungen, sondern das ganze Jahr über. Ein Teil der Analyse befasst sich damit, diese Engagierten zu finden. Es sei gut, dass es mit der Förderung diese Möglichkeit gibt, betont der Ortsbürgermeister.

Außerdem könne der Genossenschaftsverband beratend hinzugezogen werden, regt Frank Pieper an. Die Experten könnten das erforderliche Know-how für die Gründung der Genossenschaft einbringen. Den Förderantrag hat die Stadt gestellt, gemeinsam mit den Pretzierern. Federführend war dabei Wirtschaftsförderin Kirsten Schwerin.

In Neulingen stellte diesen Antrag Christa Ringkamp von der Gartenakademie und ihr Team von der neu gegründeten gemeinnützigen Unternehmensgesellschaft Neue Wege. „Auf dem von Familie Müller erworbenen Hof Nummer 19 in Neulingen soll ein LandHofLaden entstehen, der zusammen mit unseren Projekten Natur im Garten und dem Verein De Dörpstroat sowie anderen lokalen Mistreitern wie der Feuerwehr ein neues bereicherndes Angebot machen wird“, erklärte sie das Anliegen.

Neue Wege

Die Akteure wollen neue Wege gehen und Gaumenfreunden, Radtouristen, Seminarteilnehmern, Übernachtungsgästen und Feriengästen des Integrationsdorfes in Arendsee sowie Urlaubern aus Arendsee und natürlich den Dorfbewohnern einen Treffpunkt schaffen. Der beruhe auf drei Säulen: Nahversorgung, Dienstleistung und soziale Kommunikation. „Wir wollen so auch das dörfliche Zusammenleben bereichern“, sagte Ringkamp.

Die Zusammenarbeit sei zum Beispiel konkret auch so gedacht, dass die Vereinsmitglieder von „De Dörpstroat, die im August ihren Kartoffeltag veranstalten, ihre Produkte auch in dem neuen Laden anbieten könnten. Hauptaugenmerk liege auf regionalen Naturprodukten. Dazu könne noch das kommen, was jugendliche Teilnehmer an Workshops, Praktika, therapiebegleitende Arbeiten und Projekten im Rahmen der schon angelaufenen Umweltbildungs- und Kulturangeboten schaffen in Bereichen wie Gartenbau, Floristik, Landwirtschaft, Handwerk oder Keramik.