Salzwedel l „Ich will jetzt Lehramt für Förderschulen studieren“, sagt Hannes Winkel (19) aus Brunau mit voller Überzeugung. Und diese Überzeugung wuchs von Tag zu Tag während seiner Arbeit als Bundesfreiwilligendienstler (kurz: Bufdi) an der Pestalozzischule in Salzwedel. Ein Jahr lang unterstützte der 19-Jährige dort die Lehrer und besonders auch Schulsozialarbeiterin Anne-Marie Schulze (28).

Freimütig gibt er zu, dass er im Sommer des vergangenen Jahres Schwierigkeiten mit seiner Zukunftsplanung hatte. „Ich wusste nicht, ob ich wirklich Lehramt studieren wollte.“ Dann legte ihm seine Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur den Bundesfreiwilligendienst nahe und nach nur einem Gespräch in Salzwedel war klar: Hannes Winkel arbeitet für knapp ein Jahr an der Förderschule.

Schnell eingewöhnt

Und der junge Mann kam nach einer kurzen Eingewöhungsphase gut an der Schule an. „Er hat alles mitgemacht“, betont Anne-Marie Schulze. So erzählt die Sozialarbeiterin, dass Hannes auch bei schwierigeren Elterngesprächen dabei war, eine Vielzahl an Projekten koordiniert hat und auch auf Klassenfahrten ins Ski-Lager nach Maria Lankowitz mitfuhr. Daneben war der 19-Jährige auch ein beliebter Ansprechpartner für die Schüler. Eine Rolle, die dem Brunauer gefiel. Und dabei reiften auch wichtige Erkenntnisse.

„Ich komme mit den Klassen von der 5. bis zur 10. besser klar“, sagt er. Auch die Arbeit mit lernbehinderten Schülern fiel ihm leichter, als mit Kindern, die auf emotional-sozialer Ebene Schwierigkeiten haben. „Und ich kann jetzt sehr gut Ordner sortieren“, betont Hannes Winkel augenzwinkernd, denn auch die Bürokratie kam nicht zu kurz.

Doch auch der Schulsozialarbeiterin war er eine wichtige Stütze. „Er hat mich mal gebremst, als ich zu viel wollte“, berichtet Anne-Marie Schulze vom Lerncamp im Kinder- und Jugenderholungszentrum (KiEZ) Arendsee. „Die Schüler wollen ja auch mal etwas allein unternehmen“, erklärt Hannes im Gespräch mit der Volksstimme.

Kleines Taschengeld

Doch der junge Mann war nicht ganz zufrieden. Er kritisiert, dass er nur ein monatliches Taschengeld von 250 Euro bekam. „Ich hatte auch eine 40-Stunden-Woche“, berichtet er. Nur durch die Unterstützung seiner Eltern habe er den Dienst leisten können.

Er sagt aber auch: „Ich bin nicht einmal mit schlechter Laune aufgestanden.“ Die Arbeit hat ihm Spaß gemacht.

Nun endet seine Zeit an der Pestalozzischule Mitte September. „Wir haben sogar zwei Stellen offen“, sagt die Schulsozialarbeiterin und ergänzt, dass sich die Suche nach neuen Bufdis bisher schwierig gestaltet. „Wir hatten auch schon Bewerbungen, aber die Interessenten haben sich dann gegen uns entschieden“, so Schulze. Sie glaubt, dass das Arbeitsfeld Förderschule einige abschreckt.

Dennoch hofft sie, auch im nächsten Schuljahr wieder auf Unterstützung durch einen Bufdi. Interessenten können sich zum neuen Schuljahr einfach unter Telefon 03901/42 23 28 in der Schule melden.

Viel ausprobieren

Im Bereich der Freiwilligendienstler (FSJ) sieht es beim Verein Aktion Musik/Local heroes dagegen deutlich besser aus. Im August und September fangen dort zwei neue FSJler an, bestätigt Michael „Elvis“ Schulze. Doch auch dort ist der Aufgabenbereich nicht zu unterschätzen, erklärt der Leiter der Jugendkulturetage. „Wir haben ein sehr lockeres Umfeld, die jungen Leute können viel ausprobieren“, hebt Schulze hervor. Auf der anderen Seite ist dort aber öfter mit Arbeit an Wochenenden zu rechnen. „Da haben wir natürlich eine Vielzahl an Verstaltungen.“ Deshalb lassen die Verantwortlichen bei Aktion Musik die FSJler zunächst Probe arbeiten, ehe sie eingestellt werden. „Sie müssen einfach ins Team passen“, betont Schulze.

Weitere Infos gibt es unter www.bundesfreiwilligendienst.de und www.lkj-freiwilligendienste.de.