Salzwedel/Immekath l Der Firma Paradiesfrucht mit ihren Standorten in Salzwedel und Immekath droht Ungemach. Denn: Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert die Geschäftsführung derzeit zu Tarifverhandlungen auf.

„Der Hersteller von gefriergetrockneten Produkten hat bisher keinen Tarifvertrag“, teilt Thomas Gawron von NGG mit und erklärt, dass das Unternehmen seine Produktionskapazitäten beständig ausgebaut und sich nach eigener Darstellung zu einem weltweiten Spezialisten in der verarbeitenden Industrie entwickelt habe.

„Nach Ansicht der Gewerkschaft tragen die Beschäftigten einen bedeutenden Anteil an der erfolgreichen Entwicklung des Unternehmens“, so Gawron. Die Mitarbeiter hätten über Jahre hinweg in 12-Stunden-Schichten gearbeitet. Zahlreiche Beschäftigte hätte bis vor kurzem noch in einer 42-Stunden-Woche malocht, heißt es beim NGG. Der Lohn hingegen würde aber deutlich unter dem Niveau der obst- und gemüseverarbeitenden Industrie liegen – auch im Vergleich zu anderen Unternehmen im Osten der Republik.

Tarif kein geeignetes Mittel

„Nein, wir arbeiten nicht mit Tarifverträgen“, gibt Bernd Wiesner, Geschäftsführer von Paradiesfrucht“, gegenüber der Volksstimme zu. Doch dies habe auch seinen Grund. Das Unternehmen ist der festen Überzeugung, dass der Abschluss eines Tarifvertrages mit einer Gewerkschaft für ein mittelständisches Unternehmen wie das ihre in der aktuellen Situation kein geeignetes Mittel ist, um die anstehenden wirtschaftlichen Herausforderungen erfolgreich zu meistern, so Wiesner. Auch die genannten Arbeitszeiten der Gewerkschaft seien nicht richtig. So werde weder in 12-Stunden-Schichten gearbeitet, noch in einer 42-Stunden-Woche. Auch nicht unter Tarif.

„Vieles, was die Gewerkschaft fordert, ist bei uns längst Standard“, macht Bernd Wiesner deutlich. Dazu gehörten minutengerechte Arbeitszeitabrechnungen, Bezahlung der Umziehzeiten, teilweise Bezahlung von Pausen und das vollständige Stellen der Arbeitskleidung.

Möglicher Stellenabbau

Und ganz so rosig, wie die Gewerkschaft das Bild von Paradiesfrucht zeichnet, sieht man es in der Geschäftsführung nicht. Denn statt stätigem Wachstum ist gar vom möglichen Abbau die Rede. „Unsere Mitbewerber befinden sich fast ausschließlich in China, Polen und der Türkei sowie in anderen Ländern, in denen die Löhne und Energiekosten erheblich niedriger sind“, erläutert der Geschäftsführer, daher werde das Unternehmen „durch notwendige Rationalisierungen die Anzahl der Mitarbeiter in den nächsten Monaten am Standort Salzwedel möglicherweise reduzieren müssen“, so der Geschäftsführer. Schon heute würden 20 Prozent der Produkte im Ausland getrocknet. Das sei günstiger.

Derzeit arbeiten für das Unternehmen 214 Mitarbeiter in der Hansestadt und weitere 18 am Standort in Immekath im Altmarkkreis. Zudem würden die Lohnerhöhungen des Unternehmens in den vergangenen Jahren über dem liegen, was NGG laut Presseberichten in Tarifverhandlungen durchgesetzt habe, erläutert Wiesner. Zudem würde ein Großteil der Belegschaft „schon sehr lange“ für Paradiesfrucht arbeiten. „Würden wir zu niedrige Löhne bezahlen, hätten wir in der heutigen guten Arbeitsmarksituation Probleme, Mitarbeiter zu bekommen“, ist sich der Geschäftsführer sicher.

Starke Konkurrenz

Auch habe das Unternehmen in den vergangenen Jahren den Umsatz eben nicht kontinuierlich steigern können, wie die Gewerkschaft der obst- und gemüseverarbeitenden Industrie behauptet. Das Gegenteil sei der Fall. „Der Umsatz ist aufgrund der verstärkten Konkurrenzsituation rückläufig.“ Wie die Firma mit der Forderung nach Tarifverträgen umgeht, wolle man in den nächsten Tagen entscheiden, heißt es.

Mitarbeiter zufrieden

Auch in der Belegschaft ist man mit den Arbeitsbedingungen des Unternehmens offensichtlich zufrieden. Ein Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden möchte, vom Standort Immekath, hat sich gegenüber der Volksstimme durchweg positiv geäußert. Er werde für die Region ordentlich bezahlt und könne keine Kritik an der Geschäftsführung äußern. Der Mann ist seit mehreren Jahren bei der Firma beschäftigt und wechselte vom Standort Salzwedel nach Immekath.