Vergiftungsgefahr

Giftpflanze Jakobskreuzkraut: Tödliche Gefahr für Pferde auf altmärkischen Weiden

Leuchtend gelb blüht es aktuell an Straßenrändern und auf manchen Weiden in der Altmark. Der Juli ist die Blütezeit für das Jakobskreuzkraut. Die attraktive Pflanze ist hochgefährlich - insbesondere für Pferde. Eine geringe Menge in der Nahrung kann tödlich sein.

Von David Schröder
Leuchtend gelbe Blüten: Jakobskreuzkraut an einem Straßenrand in der Altmark.
Leuchtend gelbe Blüten: Jakobskreuzkraut an einem Straßenrand in der Altmark. Foto: David Schröder

Salzwedel - Wenn die Krankheitssymptome auftreten, dann ist es meistens schon zu spät. Betroffene Pferde haben zu diesem Zeitpunkt bereits wesentlich geringere Überlebenschancen. Ihre Leber ist dann sehr wahrscheinlich schon unwiederbringlich geschädigt. Die Tiere sterben.

Damit ist die verheerende Wirkung einer Jakobskreuzkraut-Vergiftung verkürzt beschrieben, bestätigt der Dährer Tierarzt Tobias Lerche im Gespräch mit der Volksstimme. Die Pflanze, die sich seit mehreren Jahren auf Weiden und an Straßenrändern in der Altmark verstärkt ausbreitet, ist für Pferde aber auch Rinder hochgiftig. Schon geringe Mengen in der Nahrung der Tiere können zu einer „letalen Dosis“ führen, erläutert der Tierarzt.

Im Juli zeigt sich das Kraut in der Region in seiner vollen Blüte. An einem langen Stil wächst es relativ hoch hinaus und verästelt oben zu einem ausladenden gelben Blütenstand. Der schöne Anblick verschleiert die tödliche Wirkung, wenn die Tiere die Pflanze fressen. In der Blüte nehmen zum Beispiel Pferde eher Abstand, da sie Bitterstoffe wahrnehmen. Doch gefährlich wird es, wenn die Pflanze mit abgemäht wird und dann im Heuballen oder der Silage für die Winternahrung verbleibt. Denn: „Dann sind die Bitterstoffe weg, aber die giftigen Alkaloide weiter in den Pflanzenteilen erhalten“, erklärt der Veterinär.

Vermehrte Ausbreitung seit Ende der 1990er-Jahre

Botaniker Günter Brennenstuhl beobachtet die Ausbreitung des Jakobskreuzkrautes seit Ende der 1990er-Jahre. „Damals wurde die Landwirtschaft dazu animiert, vermehrt Brachäcker anzulegen“, berichtet Brennenstuhl im Gespräch mit der Volksstimme. Auf den extensiv bewirtschafteten Flächen konnte sich die mehrjährige Staude ungehindert ausbreiten, sagt er. „Ich habe Flächen gesehen, die waren von Rand zu Rand voll.“

Als Brennenstuhl in den 1970er-Jahren mit seiner Kartierungsarbeit in der Altmark begann, sei das Jakbobskreuzkraut - lateinisch Senecio jacobaea - noch eine Seltenheit in der heimischen Flora gewesen. „Da war man froh, wenn man mal eine Pflanze zum Beispiel an Waldrändern entdeckte“, erinnert sich der Botaniker. „Wir haben die hier schon immer“, betont er, dass es sich um eine heimische Pflanze handelt. Es sei lange bekannt, dass „sie giftig ist“. Das Tragische sei nun die weite Verbreitung in der Fläche.

Schleichende Vergiftung

Tierarzt Tobias Lerche verzeichnet in seiner Praxis eher seltener Fälle mit akuten Vergiftungen. Dann habe es meist eine leichtsinnige Fütterung zum Beispiel von Spaziergängern „über den Zaun“ gegeben, meint Lerche. Häufiger ist dagegen die schleichende, chronische Vergiftung der Pferde. Wobei ihm ein Fall in besonderer Erinnerung geblieben ist.

Bei einer Haltung hatten mehrere Pferde entsprechende Symptome gezeigt. Für zwei Tiere kam jede Hilfe zu spät, berichtet Lerche. Dabei war nicht sofort klar, ob es sich um Jakobskreuzkraut handelt. So bekam Tobias Lerche Unterstützung von der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. „Die haben mehrere Heuballen auseinandergepflückt und haben die Weiden kontrolliert“, berichtet er von einem mehrtägigen Einsatz von Studenten, die quasi jeden Grashalm untersuchten. „Das war im Herbst, da ist die Pflanze kaum zu entdecken“, erinnert er sich. Schließlich konnten sie das Vorkommen aber nachweisen.

Die Symptome einer Vergiftung mit den sogenannten Pyrrolizidin-Alkaloiden aus der Staude sind sehr vielfältig. Das Problem dabei: Der Giftstoff sammelt sich im Körper und dort vor allem in der Leber langsam an. „Das Gift wird nicht ausgeschieden“, erklärt Lerche.

Mögliche Symptome bei Pferden

  • häufiges Gähnen (Zeichen für Bauchschmerzen)
  • zunächst leichtere Koliken
  • Gelbfärbung der Schleimhäute
  • geringere Futteraufnahme
  • verminderte Leistungsfähigkeit, Lethargie (Tiere können ihren Kopf nicht mehr oben halten)
  • Krämpfe
  • Koma

Die unspezifischen Symptome treten zunächst in abgeschwächter Form auf, sodass die Vergiftung nicht immer frühzeitig bemerkt werde, berichtet Tobias Lerche. Auch der Nachweis, dass es sich um Jakobskreuzkraut handelt sei „sehr schwierig“, erklärt Lerche. Meist ist erst über ein Blutbild der Leberschaden nachweisbar. Behandelt werde mit Infusionstherapie oder Schmerzmitteln - also nur symptomatisch, da es kein Gegengift gibt. Überleben die Pferde, bleiben sie Intensivpatienten des jeweiligen Veterinärs.

Geringe Mengen bereits tödlich

Der Tierarzt macht insbesondere darauf aufmerksam, in welcher geringen Menge das Jakobskreuzkraut im Futter bereits tödliche Folgen haben kann. „Bei einem Pferd von etwa 400 Kilogramm reichen bereits zwei bis vier Kilogramm des Pflanzenmaterials“, sagt Lerche. Diese Dosis werde leicht über mehrere Wochen Fütterung aber auch Weidehaltung erreicht.

Wie kann man die Pflanze loswerden?

Günter Brennenstuhl meint, dass vor allem das Abmähen in regelmäßigen Abständen die Ausbreitung der Pflanze auf den betroffenen Flächen stoppen könne. Bei kleineren Beständen können die Pflanzen mitsamt Wurzel ausgegraben werden, um eine weitere Verbreitung zu unterbinden.

Auch für den Menschen ist das Jakobskreuzkraut nicht ungefährlich. Deshalb sollten die Pflanzen nur mit Handschuhen angefasst werden. Das Kraut kann unter Umständen auch verwechselt werden, da es zum Beispiel dem Johanniskraut ähnelt.