Salzwedel l „Ich rechne nicht mit vielen“, sagte Gemeindemitarbeiter Thomas Hille in der Lorenzkirche am Heiligen Abend. Er sollte recht behalten. Statt wie sonst etwa 70, konnte Pfarrer Andreas Lorenz lediglich 20 Menschen zum Gottesdienst begrüßen. Bänke wurden abgeklebt, um Abstand zu gewährleisten. Mund-Nasen-Schutz war ohnehin Pflicht.

Andere Zeiten

„Die Zeiten sind anders“, sagte Andreas Lorenz und nahm in seinem Gottesdienst Bezug auf die derzeitige Pandemie. „Menschen werden sagen, es war eines der schlimmsten Feste.“ Kein Singen, keine Vorweihnachtszeit mit Adventsmarkt. „Trist und traurig.“ Doch Weihnachten sei auch das Fest der Erinnerung. Und dabei würde auffallen, dass es schlimmere Feste gab. Als Beispiel nannte er 1945, nach dem Krieg. Viele „Menschen waren auf der Flucht, in Gefangenschaft oder nicht mehr in der vertrauten Umgebung.“

Nun aber lebe man im Hier und Jetzt. Und im Hier wird die Welt mit dem Coronavirus konfrontiert. Dabei gebe es noch ein ganz anderes Virus, sagte der Pfarrer und zog ein Zitat von der Autorin und Kolumnistin Christa Schyboll heran: „Lass dich anstecken von der Menschlichkeit und infiziere gründlich deine Umgebung, auf dass der Virus der Nächstenliebe die Welt erobert, bevor es ein anderer Virus schafft.“

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Freiluft-Gottesdienst

Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen, heißt es bei einer anderen Predigt. Aufgrund der Corona-Auflagen war es der Kirchengemeinde St. Katharinen lediglich erlaubt, einer begrenzten Anzahl von Besuchern zum Heiligabend-Gottesdienst den Eintritt in die Kirche zu gewähren. Doch da niemand an diesem Abend Gläubige abweisen wollte, hatte sich die Gemeinde entschlossen, den Gottesdienst im Freien durchzuführen. So versperrte ein Tisch vor der Eingangspforte den Gläubigen den Zugang in die Kirche. Ein ungewöhnlicher wie gleichsam trauriger Anblick, wie manche Gottesdienstbesucher empfanden. Das Haus Gottes, das normalerweise allen Menschen geöffnet sein sollte, war nun am Heiligabend verschlossen.

Doch wurde Verständnis für diese Maßnahme aufgebracht, letztendlich glücklich darüber, dass überhaupt ein Gottesdienst an diesem Abend durchgeführt werden konnte.

So empfing Pfarrer Matthias Friske weit über fünfzig Gläubige im südlichen Bereich vor der Katharinenkirche zur Christvesper. Hier konnte der geforderte Abstand eingehalten werden und es gab keine Ein- und Ausgangsbereiche, in denen sich die Menschen näher kommen konnten als erlaubt.

Stiller Abend

Allerdings war diese Christvesper doch so anders als in den vielen Jahren zuvor. Es war ein recht stiller Abend, denn auch das Singen war nicht erlaubt. Einzig Kirchenmusikdirektor Matthias Böhlert unterbrach die Stille des Abends mit seinem Spiel auf der Orgel, das für alle Besucher über Lautsprecher nach draußen übertragen wurde. „Wir setzen ein Zeichen, dass wir uns nicht von der Angst besiegen lassen“, begrüßte Pfarrer Friske die Gläubigen, die unter den großen alten Bäumen standen und Friedenslichter in den Händen hielten. Es war zwar ein kurzer Gottesdienst, denn auch die Zeit war begrenzt, aber es war ein gleichsam sehr wichtiger. Bestärkte er doch den Glauben der Menschen darin, dass gerade auch in diesen schwierigen Zeiten Lösungen gefunden werden, um die Gemeinschaft zu erhalten.