Salzwedel l „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“, sagt der Volksmund. Noch mehr erzählen kann, wer seine Reise gar nicht erst antritt. Im aktuellen Fall hatte die Schließung der deutschen Grenzen nach dem Ausbruch der Corona-Krise einen Strich durch die Reisepläne eines Paares aus Salzwedel gezogen. Dieses hatte die gemeinsame Auszeit bei einem ortsansässigen Reisebüro gebucht und im Voraus bezahlt.

Nun stellt das unerwartete Corona-Aus für Urlaubsreisen die Geduld aller Beteiligten auf eine harte Probe: Auf der einen Seite steht die Forderung der verhinderten Urlauber auf Erstattung der geleisteten Zahlung. Auf der anderen hofft das Reisebüro - wie zahllose Handwerker, Einzelunternehmer und Dienstleister im Zeichen der Corona-Krise - auf die Geduld seiner Kunden.

Geld muss zurückgereicht werden

Natürlich werde das angezahlte Geld der Kunden erstattet. Zunächst aber gelte es, abzuwarten, wann und wie schnell die Partner des Reiseunternehmens die angezahlten Gelder zurückfließen ließen, erklärte der Veranstalter auf Nachfrage der Volksstimme. In der Praxis werde die Anzahlung genutzt, um Hotelbuchungen, Busunternehmen, die Eintrittskarten für Veranstaltungen oder Museen und was der Annehmlichkeiten einer Urlaubsreise mehr sind, vorab zu bezahlen.

Das gehe bis zu den belegten Brötchen im Bus, erklärt die Geschäftsführerin des Reiseunternehmens: Auch der Bäcker werde für seine Arbeit im Voraus bezahlt: Die Veranstalter stünden am Ende einer Kette von Dienstleistungen. Es dauere seine Zeit, bis das Geld wieder den Anfang der Kette erreiche und erstattet werden könne.

In erster Linie sieht die Unternehmerin die zuständigen Behörden in der Pflicht, die zugesagten Hilfen für tausende Selbstständige in ganz Deutschland schnell und unbürokratisch weiterzuleiten. Auch sie hatte sich an das eigens eingerichtete „Sorgentelefon“ der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Magdeburg gewendet. Seit Beginn der Krise beantworten Fachleute dort die Fragen von Unternehmern aus ganz Sachsen-Anhalt, die fürchten, sehenden Auges in eine Insolvenz zu laufen.

„Das Telefon klingelt pausenlos“, sagt Susanne Eva Dörrwand. Aber auch die IHK habe keine Lösung parat. Der Interessensverband sehe seine Aufgabe derzeit darin, Fallzahlen zu erfassen, um das Ausmaß der Gesamtsituation gegenüber den politischen Gremien dokumentieren zu können. Susanne Eva Dörrwand: „Bis wir etwas anderes hören, gilt für Urlaubsreisende wohl dieselbe Rechtslage wie vor dem Corona-Ausbruch.“

Rechtliche Situation ist verwirrend

Tatsächlich ist die rechtliche Situation verwirrend. Auf Anfrage der Volksstimme erklärte ein Sprecher im Bundesjustizministerium, dass es gelte, jeden Einzelfall gesondert zu betrachten. Zu berücksichtigen sei unter anderem, welche Behörde die jeweilige Beschränkung ausgesprochen habe oder wann und ob diese Anordnung in das Recht des jeweiligen Bundeslandes übertragen wurde. In einem Schreiben des Auswärtige Amtes verweist ein Sprecher auf einen Katalog mit Antworten (FAQ), den die Behörde auf ihren Internetseiten veröffentlicht hat.

In dem virtuellen Lexikon finden sich weiterführende Informationen unter dem Punkt: „Ich habe eine Auslandsreise gebucht, fühle mich jetzt aber nicht mehr sicher. Kann ich ohne Kosten für mich von der Reise zurücktreten?“ Da der aktuelle Fall aber auch Fragen des Verbraucherschutzes betreffe, verweist das Schreiben zusätzlich darauf, dass die Zuständigkeit eigentlich auf dem Gebiet des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz liege.