Salzwedel/Kuhfelde l Ein kleiner Kegel steht im Treppenhaus der Perver Grundschule. „Der zeigt, ob jemand gerade auf Toilette ist“, sagt Schulleiterin Angela Ritter-Hundt. Und je nachdem, ob darauf ein Mädchen oder Junge zu sehen ist, wissen die Schüler, welche Toilette gerade besetzt ist. Es sind Ideen wie diese, die in den Grundschulen derzeit gefragt sind, um den Abstand und die Hygienevorschriften zwischen den Schülern zu gewährleisten. „Denn das ist für uns alle eine Herausforderung, egal ob für die Erwachsenen oder die Kinder“, verdeutlicht die Schulleiterin.

In der Perver Grundschule haben seit dem 4. Mai 36 Schüler der 4. Klassenstufe mit dem Unterricht begonnen – getrennt in mehreren Gruppen. Hinzu kommen neun Kinder in der Notbetreuung. „Viele Kinder wollten sich zum Wiedersehen umarmen, auch die Lehrer“, sagt Angela Ritter-Hundt. Dann sei es nicht so einfach, die Sprösslinge davon zu überzeugen, dass das derzeit nicht gehe. Das falle schwer.

„Nach Pfingsten kommen dann in einem rollenden Verfahren die anderen Schüler“, erklärt Angela Ritter-Hundt. Während beispielsweise Schüler der Gruppe A in die Schule kommen, würde Gruppe B den Tag zu Hause verbringen. „Das wird ein logistischer Kraftakt“, so die Schulleiterin, denn die Klassen müssten dazu in mindestens zwei bis drei Gruppen gesplittet werden. Dazu müsste auch in den Klassenräumen Platz geschaffen werden. „Wir werden wohl Schränke raustragen müssen.“

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Spielplatzfrage ungeklärt

Was hingegen nicht gelöst ist, ist die Frage nach der Nutzung von Spielgeräten. Aktuell würden eine Wippe, eine Schaukel und ein Reck auf dem Schulhof bereitstehen. Der Rest sei abgesperrt. Ob sie mehrere Geräte für die Kinder zur Verfügung stellen darf, hätte man ihr beim Altmarkkreis nicht beantworten können. Daher hofft sie auf zeitnahe Antwort.

„Wir haben den Klassenraum so umgeräumt, damit die 1,50 Meter Abstand gegeben sind“, sagt Heike Thiel, Klassenlehrerin der Vierten in der Grundschule Kuhfelde. Alle 13 Mädchen und Jungen seien freudestrahlend angekommen, schildert sie. Die Belehrung über Abstände, Verhalten, Pausen, das sei zu Beginn das Wichtigste gewesen. „Guten Morgen mit dem Fuß sagen, beim Erzählen die Arme ausstrecken, zweimal ,Happy Birthday‘ singen beim Händewaschen, um die geforderten 30 Sekunden einzuhalten, das sind einige der Regeln“, berichtet Heike Thiel.

Wissensabfrage

Derweil schwitzen die Viertklässler an den Laptops über den Deutsch- und Mathematiktests. „Ich möchte damit sehen, wie die Aufgaben zu Hause bearbeitet worden sind. Mögliche Lücken werden sichtbar“, sagt die Klassenlehrerin. Dort müsse dann angesetzt werden. Das Programm, das genutzt werde und mit eigenen Aufgaben bestückt sei, biete nach dem Test sofort eine Auswertung, ergänzt Kuhfeldes Schulleiterin Kathrin Vorpahl. Grün sei gekennzeichnet, was perfekt sitze, rot die Bereiche, wo nachgearbeitet werden müsse. Dazu gebe es auch gleich die passenden Aufgaben.

Die Schulleiterin weiß, dass für die Eltern zu Hause am schwersten gewesen sei, die Kinder immer wieder zu motivieren, Aufgaben zu lösen. Konzen- tration und Durchhaltevermögen mussten an den Tag gelegt werden.

Die Schule sei vorbereitet, dass testweise auch die anderen Schüler zurückkehren: am 6. Mai die Gruppe A der dritten, am 7. Mai die Gruppe A der zweiten und am Freitag die erste Klasse. „Die B-Gruppen sind dann nächste Woche dran“, sagt die Schulleiterin. Pfeile auf dem Boden weisen den richtigen Abstand im Flur. Auf dem Schulhof ist ein Mund-Nasen-Schutz em- pfehlenswert, um mögliche Infektionen zu vermeiden.

Die Evangelische Grundschule Stephan Praetorius stand die 18. Kalenderwoche nicht ganz still. Bis zu zwölf Kinder besuchten die Notbetreuung des Hortes, bis sich gestern 19 Schüler der vierten Klasse das erste Mal seit Langem zum Unterricht einfanden. Wie in den anderen Grundschulen mussten die Eltern der Kinder vorab in einem Schreiben versichern, dass ihre Sprösslinge weder typische Corona-Symptome aufweisen noch dass sie im Urlaub waren oder zu Erkrankten Kontakt hatten. Sonst wäre ihnen der Zutritt zur Schule verweigert worden.

Die Praetorius-Schule sieht sich ein Stück im Vorteil, wie Tobias Eilrich, Vorstand des Trägervereins, angibt. Denn durch die geringere Schülerzahl lasse sich gut die Übersicht halten, um die Einhaltung der neuen Vorschriften abzusichern. Buskinder gebe es in der Schule nur wenige, womit eines der sonst größeren Infektionsrisiken hier kaum eine Rolle spielt.

Einführung und Belehrung

Am ersten Tag stand zunächst eine Einführung und Belehrung auf dem Plan, um die Schüler auf die neuen Umstände einzustellen. „Der Tag startete schon so, dass man die Kinder (aus der freien Zeit) abholt“, erklärt Schulleiterin Christine Börner. Sie durften hier schildern, wie sie die ungewöhnlichen Umstände der vergangenen Wochen gemeistert haben. Kontakt zu den Lehrern gab es in der Zeit über einzelne Videobotschaften wie Grüße oder Aufgabenstellungen. Die Vernetzung habe gut funktioniert, sagt Eilrich – wie gut, musste aber erst überprüft werden, um anhand dessen den weiteren Unterricht zu planen.

Dieser läuft gerade verkürzt ab. Besonderer Fokus wird auf die Fächer Deutsch, Mathematik und Sachkunde gelegt. Die Kinder wurden auch hier in Gruppen eingeteilt und lernen in verschiedenen Zimmern mit Sicherheitsabstand zwischen den Tischen. Dieser besteht in den Pausen weiter, auch wenn sich das natürlich schwierig gestaltet. Schließlich haben sich die meisten etwa eineinhalb Monate nicht mehr gesehen. Da scheren sie sich nicht viel um behördliche Vorgaben.

Besonders strikt geht die Praetorius-Grundschule beim Betreten des Schulgebäudes vor. Bevor sie reindürfen, stellen sich die Schüler erst in Reih und Glied an – natürlich mit entsprechendem Sicherheitsabstand – und bringen nacheinander die Stationen Eingangstür, Jackenständer und Klassenzimmer hinter sich.