Salzwedel l Der Tod ist ein sensibles Thema. Viele verdrängen ihn, solange es geht. Doch irgendwann holt er jeden ein. Und wenn das Ende naht, stellt sich die Frage: Wie verarbeite ich das? In dieser Phase beginnt die Arbeit von Trauer- und Sterbegleitern, wie es sie im Salzwedeler Hospizverein gibt. Die Vorstandsmitglieder Gudrun Bollow, Gabriele Tunger und Torsten Liedtke engagieren sich ehrenamtlich für Menschen, die sich in ihrer letzten Lebensphase befinden. Ihre Beweggründe sind unterschiedlich, doch ihre Schlussfolgerung ist gleich: Es bereichert sie. Privat ebenso wie beruflich.

„Als Altenpfleger habe ich ein berufliches Interesse an der Hospizarbeit. Schließlich habe ich im Pflegeheim viel mit dem Tod zu tun“, sagt Torsten Liedtke. Besonders der Kurs zum Umgang mit sterbenden Menschen und ihren Angehörigen habe ihm geholfen, besser mit dem Tod umzugehen. „Als ich 16 war, ist mein Vater gestorben. Das war 1981“, blickt er zurück. Damals sei das Verhältnis zum Sterben ein anderes gewesen. „Mein Vater ist ins Krankenhaus gekommen, gestorben und das war es. Es wurde nicht darüber geredet.“ Er sei einfach weg gewesen. Nicht einmal Abschied habe er nehmen können. Zwar habe sich der Umgang mit dem Tod in Krankenhäusern inzwischen verändert. Trotzdem „möchte ich, dass andere diese Negativerfahrung nicht machen“, beschreibt Liedtke seine Beweggründe.

Tod in früheren Ausbildungen kein Thema

Bei Gudrun Bollow ist es ähnlich. Auch sie arbeitet als Krankenschwester in einem Bereich, in dem der Tod Teil des Jobs ist. Sie wollte sich nicht nur mit ihren Problemen bei der Vorstellung des eigenen Todes auseinandersetzen, sondern auch wissen, wie sie am besten mit Sterbenden und ihren Angehörigen sprechen sollte. „In meiner Ausbildung war das damals kein Thema“, sagt sie. Irgendwann habe sie im Krankenhaus miterlebt, wie rührend sich ein Mann um seine im Sterben liegende Frau gekümmert hat. „Das empfand ich als angenehm. Dadurch hat der Tod für mich an Schrecken verloren“, erzählt sie. Danach absolvierte sie verschiedene Kurse. „Da habe ich vor allem das Zuhören gelernt.“ Die Ruhe, die sie im Umgang mit sterbenden Menschen erlangt hat, versucht sie seitdem, in den Arbeitsalltag zu integrieren.

Vor allem gehe es darum, sich selbst zurückzunehmen und nur für die begleitete Person da zu sein, sagt Gabriele Tunger. „Ich habe mich von einer Kollegin davon überzeugen lassen, wie wichtig es ist, Hinterbliebenen Unterstützung zukommen zu lassen und einen Kurs gemacht“, erzählt sie. Für sie sei die Hospizarbeit eine Schule des Lebens. Noch in diesem Jahr will sie zudem einen Trauerbegleitungskurs machen. „Ich bin dabei geblieben, weil es eine dankbare Aufgabe ist. Jeder trauert anders, aber ich unterstütze gern und bewerte nicht.“ Darin liege generell der Schlüssel zum guten Trauerbegleiter, sagt Torsten Liedtke. Niemand habe etwas besser zu wissen. Es ginge allein um aktives Zuhören. Und häufig erzählen sterbende Menschen Dinge, die sie vor dem Tod noch loswerden möchten.

Beziehungen aufbauen, Zeit schenken

„Vielleicht ist es leichter, mit Außenstehenden zu sprechen“, vermutet Gabriele Tunger. Und die Betroffenen seien dankbar, dass ihnen jemand unvoreingenommen zuhöre.

Doch was gehört eigentlich noch zu den Aufgaben der Trauerbegleitung? „Wir gehen mit den Menschen an die Luft, lesen ihnen vor, spielen Spiele oder unterhalten uns einfach mit ihnen“, erzählt Gudrun Bollow. „Wir versuchen, Zeit zu schenken, Beziehungen aufzubauen, den Menschen und sein Umfeld zu stärken“, fügt Torsten Liedtke hinzu.

Trauerbegleiter tauschen sich aus

Beim Tod des Begleiteten selbst sind die wenigsten dabei. Gudrun Bollow hat es schon miterlebt: „Einmal habe ich eine Patientin begleitet und eine Kerze angezündet. Die ging aus, und genau dann ist auch die Patientin verstorben. Dabei gewesen zu sein, war ein sehr komisches Gefühl.“ Trotzdem: „Diese Erfahrungen sind wertvoll für meine Arbeit im Krankenhaus“, sagt sie.

Da jedoch gerade das Entstehen von Beziehungen auch persönlich betroffen macht, vor allem, wenn der begleitete Mensch stirbt, treffen sich die Beteiligten einmal im Monat und tauschen sich über ihre Erfahrungen aus, geben Ratschläge oder erzählen, was sie belastet. Außerdem werde immer am Jahresende der Verstorbenen gedacht. „Wir zünden für jeden eine Kerze an und reflektieren, was wir gelernt haben“, erzählt Liedtke.

Altmark hinkt Niedersachsen hinterher

Auffallend sei, dass in der Altmark weniger offen mit der Hospizarbeit umgegangen werde als in Niedersachsen, beispielsweise in Lüchow, sagt Gabriele Tunger. „Wir haben keine Erklärung dafür, aber wir sind in der Altmark Lichtjahre von der Palliativversorgung in Niedersachsen entfernt.“ Ob es an unterschiedlicher Mentalität, Sozialisation, dem Ärztemangel oder einer anderen sozio-ökonomischen Struktur liegt, darüber könne sie nur mutmaßen.

Was auch immer die Gründe dafür sein mögen – Menschen, die Hilfe suchen in der letzten Phase ihres Lebens ebenso wie Angehörige, können in die Hospizsprechstunde kommen, die jeden Donnerstag von 15 bis 18 Uhr im Ärztehaus, Karl-Marx-Straße 30, angeboten wird. Oder sich telefonisch unter 03901/3061727 melden.