Medizin

Hund Ordri hilft im Arendseer Klinikalltag und erobert Menschenherzen

Tiere haben positive Wirkungen auf Menschen. Eine Erkenntnis, die in der DRK-Vorsorge- und Rehabilitationsklinik für Mutter und Kind genutzt wird. Und zwar mit der tierischen Mitarbeiterin Ordri, die schnell vielen Menschen ans Herz wächst.

Von Christian Ziems
Das Tunnelspiel gehört zum festen Bestandteil. Kerstin Rademacher (rechts) setzt Hündin Ordri als Therapiebegleitung ein.
Das Tunnelspiel gehört zum festen Bestandteil. Kerstin Rademacher (rechts) setzt Hündin Ordri als Therapiebegleitung ein. Fotos: Christian Ziems

Arendsee - „Ordri“, ist fröhlich aus Richtung des Eingangs der Arendseer Kurklinik zu hören. Kinder laufen auf den Hund zu, der ihnen sichtlich entspannt entgegen kommt. Es folgen einige Kuschel- und Streicheleinheiten. Kerstin Rademacher, Beschäftigungstherapeutin sowie Besitzerin des Golden Retriever, erzählt lächelnd, diese Situation sei längst keine Selbstverständlichkeit. Wenn Kinder mit ihren Müttern oder Väter nach Arendsee kommen, haben sie manchmal Angst vor Hunden. Diese wird ihnen schnell genommen beziehungsweise Ordri nimmt sie den Kindern. Die unaufgeregte Art springt über. Auch die Mütter, die dabei sind, wirken während der Übungsstunde am Nachmittag entspannt. Zunächst möchte Kerstin Rademacher wissen, welche Fragen die Kinder zu dem Tier haben.

Dies weckt zusätzliches Interesse am Hund. Und es führt auf den Weg, sich mit Tieren sowie ihren Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Ein Beispiel: Ordri bekommt kein Leckerli, weil sie Hunger hat, sondern als Belohnung. Klinikgäste schaffen nicht immer sofort den Spagat zwischen menschlichen und tierischen Bedürfnissen.

Gegenseitiges Verständnis ist wichtig

Wenn sich Besucher direkt an den auf dem Flur schlafenden Hund kuscheln, schreitet Kerstin Rademacher ein. Und wirbt auch um Verständnis, wenn der Hund während der Therapiestunde mit sechs Kinder sowie weiteren Erwachsenen mal eine Pause braucht und ein Mädchen oder Junge warten muss. Das Tierwohl ist ebenso wichtig. Schließlich handelt es sich bei Ordri nicht um ein künstliches Kuscheltier. Dies merken auch die Teilnehmer des nachmittäglichen Ausflugs schnell. Die Hündin kennt den Weg vom Eingang der Kurklinik in den Wald, läuft langsam vorne weg und schaut dann wartend zurück. Denn die Menschen biegen nach links ab zum Spielplatz. Normalerweise ist dieser Part erst später dran, doch für ein Pressefoto wird er vorgezogen. „Sie ist ein Gewohnheitstier“, schmunzelt Kerstin Rademacher. Schnell folgt der Golden Retriever und wartet dann geduldig in der Reihe zwischen den Kindern. Denn nicht nur der Nachwuchs nutzt gerne die Rutsche, sondern auch Ordri. Dies sorgt für zusätzliche Erheiterung. Eine von vielen scheinbar kleinen Begebenheiten, die innere Spannungen lösen. Die Beschäftigungstherapeutin erlebt immer wieder, wie sich Mütter beim Hundespaziergang durch den Wald persönliche Dinge von der Seele reden.

Ein Tier als seelischer Türöffner

Die Hündin wirkt dabei wie eine Art Türöffner. Es gibt gemeinsame Spiele, die auch die Verbindung von Mutter und Kind stärken. Dazu gehört ein Versteckspiel. Mutter und Kind suchen sich gemeinsam einen passenden Ort und verhalten sich dort ruhig. Ordri übernimmt die Aufgabe der Suchenden. Mit ähnlichen Aktionen setzt Kerstin Rademacher die Fähigkeiten der Therapiehündin gezielt ein. Dazu gehört viel Nervenstärke, es ist oftmals laut und sie wird an allen möglichen Stellen angefasst. Ordri lässt dies zu. Sie geht auf die Klinikgäste zu und öffnet damit so manches Menschenherz. Der Golden Retriever wurde für den Job speziell ausgebildet.

Die Chemie stimmt von Anfang an

Nicht jedes Tier eignet sich dafür. Aber als die Bewegungstherapeutin Ordri bei einer Züchterin nahe Pritzwalk (Brandenburg) sah, war ihr klar, die Chemie stimmt sofort: „Wir wissen oftmals anhand von Blicken, was der andere möchte.“ Hinzu kam die nötige Eignung für den Therapiejob. Die Ausbildung wurde über den Verein Mensch und Tier realisiert. Normalerweise sind Hunde zwei Jahre alt, bevor es los geht. Ordri war zu diesem Zeitpunkt bereits fertig und begann in der Kurklinik. Sie wird im September vier Jahre alt und hatte 85 Einsätze seit November 2019. Kerstin Rademacher, die auch darüber hinaus Angebote in der Einrichtung bietet, setzt die Hündin bis zu zwei Mal die Woche für jeweils ein paar Stunden ein. Ordri wird regelmäßig tierärztlich durchgecheckt. Nur wenn alles in Ordnung ist, erledigt sie ihren Klinikjob. Auch im Arendseer Pflegeheim war der Golden Retriever bereits Gast. Zum Schutz des Tieres gilt zudem: Wenn das Thermometer über 25 Grad steigt, gibt es hitzefrei.

Birgit Eberl-Karg, therapeutische Klinikleitung, weiß das Angebot zu schätzen. Dies kommt bei den Gästen gut an und hilft im Rahmen der Kuren. Es gab bereits länger den Wunsch der tiergestützten Therapiebegleitung. Mit Ordri wurde der richtige Hund gefunden. Ein vorgeschriebenes Rentenalter gibt es übrigens nicht, der Golden Retriever kann noch etliche Jahre mitmachen. Zur Freude der Klinikgäste, wie bei den Begegnungen zwischen Mensch und Tier zu beobachten ist.

Die erfahrene Therapiehündin Ordri rutscht auch gerne.
Die erfahrene Therapiehündin Ordri rutscht auch gerne.
Foto: Christian Ziems