Klimawandel

Im Zentrum von Salzwedel staut sich die Hitze

Der Klimawandel lässt die Sommertemperaturen auch in der Hansestadt steigen. Im Stadtzentrum gibt es wenig Grün, das Kühlung und Schatten bringen könnte.

Von Beate Achilles
Viel mit Stein versiegelte Fläche und wenig Grün. In der Innenstadt von Salzwedel staut sich im Hochsommer die Hitze.
Viel mit Stein versiegelte Fläche und wenig Grün. In der Innenstadt von Salzwedel staut sich im Hochsommer die Hitze. Beate Achilles

Salzwedel - Mit global steigenden Temperaturen häufen sich auch in Salzwedel die sehr heißen Sommertage. An Tagen, an denen das Thermometer die 30-Grad-Marke überschreitet, steht im Stadtzentrum die Luft.

Das Umweltbundesamt warnt auf seiner Internetseite davor, dass bei Hitze das körpereigene Kühlsystem überlastet werden könne. „Als Folge von Hitzebelastung können bei empfindlichen Personen Regulationsstörungen und Kreislaufprobleme auftreten“, heißt es dort. Ältere Menschen und Personen mit chronischen Vorerkrankungen (wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen) seien besonders betroffen. Die Volksstimme hat deshalb nachgefragt, wie sich die Stadtverwaltung auf die sich ändernden Bedingungen einstellt.

„In Anbetracht der Herausforderungen, vor die der Klimawandel uns alle stellt, hat die Hansestadt ein großes Interesse am Erhalt und der Pflege der Begrünung und der möglichst klimafreundlichen Ausgestaltung von städtischen Flächen und Anlagen“, schreibt Stadtpressesprecher Andreas Köhler.

Wenn in Salzwedel von Baumpflege die Rede ist, zucken wir zusammen

Martin Schulz, Bürgerinitiative Pro Baum

Als konkrete Maßnahmen gegen die Hitze nennt er den Unterhalt von Blühwiesen, beispielsweise in Salzwedel und Chüttlitz. Ein weiterer Schwerpunkt liege in den städtischen Bäumen, die in Salzwedel an vielen Straßen und in den Parks wachsen. In den vergangenen Jahren seien im Stadtgebiet insgesamt 65 Bäume gepflanzt worden: Acht davon 2019, 33 voriges Jahr und im laufenden Jahr bislang 24.

Aus Sicht von Günter Brennenstuhl und Martin Schulz von der BI Pro Baum ist das viel zu wenig. Zu DDR Zeiten habe es noch etwa tausend Bäume mehr in der Stadt gegeben, auch im Zentrum. Doch nach 1990 seien viele alte Bäume unsachgemäß beschnitten worden und daraufhin zunächst erkrankt und dann entnommen worden. Viele Leute wüssten nicht, dass es Hunderte von Neuanpflanzungen brauche, um den ökologischen Verlust eines einzigen großen alten Baumes auszugleichen.

„Wenn in Salzwedel von Baumpflege die Rede ist, zucken wir zusammen“, bringt es Martin Schulz auf den Punkt. Oft würden kurzerhand Äste von mehr als zehn Zentimetern Dicke abgesägt. Das verursache Wunden, die der Baum nicht mehr verschließen könne. Bei so dicken Ästen dauere es Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte. In dieser Zeit würden Pilze und Bakterien eindringen und Fäulnisprozesse auslösen, die schließlich die Standsicherheit des Baumes gefährden, so dass er entnommen werden müsse. Auch Wundversiegelungen könnten das nicht verhindern.

„Es ist verständlich, dass bei Bürgern der Wunsch nach möglichst kurz gemähten Grünflächen, oder nach deutlich zurückgeschnittenen Bäumen besteht“, macht Andreas Köhler das Dilemma der Stadtverwaltung deutlich. Im Sinne des Umweltschutzes und damit verbunden des Klimaschutzes sei das aber nicht immer sinnvoll.

Prof. Dr. Dieter Scherer, Leiter des Fachgebiets Klimatologie am Institut für Ökologie der Technischen Universität Berlin und Experte für Stadtklimatologie rät auf Nachfrage zu vielfältigem Wechsel von Sonne und Schattenplätzen und einer Kombination von Entsiegelung, Fassadenbegrünung und mehr Bäumen.

„Ideal ist ein Stadtklima, das auf 150 Metern eine große Bandbreite an mikroklimatischen Bedingungen bietet“, sagt Scherer. Man müsse angesichts des Klimawandels an Hitzewellen denken, aber auch an andere Wetterextreme, wie zum Beispiel Starkregen.

Günter Brennenstuhl und Martin Schulz (von links) von der Bürgerinitiative Pro Baum Salzwedel vor einer begrünten Wand im Hofcafé des Bioladens Natukola in der Breiten Straße.
Günter Brennenstuhl und Martin Schulz (von links) von der Bürgerinitiative Pro Baum Salzwedel vor einer begrünten Wand im Hofcafé des Bioladens Natukola in der Breiten Straße.
Foto: Beate Achilles