Arendsee l Ehe sich Meister Michael Eck, der mit seinen 66 Jahren schon Ruheständler ist, und sein Mitarbeiter Marlon Seifert (39), dem Interview der Workshop-Teilnehmer aus dem Jugendfilmcamp Arendsee stellen, sind detaillierte Vorabsprachen nötig. Interviewer Jan Hendrik Blanke aus Essen stellt seine Fragenliste vor, Sophia Grimm aus Chemnitz prüft die Kameraeinstellungen, Leon Wespel aus München die Toninstallation und Felix Obrecht aus Giesen das Licht. Und ihr Dozent, Kameramann Till Eitner, gibt letzte Anweisungen zu Standort, Haltung und Wortwahl.

„Wir drehen hier einen Dokumentarfilm zum Thema Flucht und demografischer Wandel, bei dem wir am Beispiel von jungen und älteren Leuten aus Arendsee zeigen, warum sie hierbleiben, weg wollen oder auch wiederkommen“, erklärt er. Dazu gibt Michael Eck Auskunft über sein Leben, das mit seiner Geburt im Arendseer Landambulatorium begann und mit der Übernahme der Vulkanisierwerkstatt vom Vater weiterging.

Mitmenschlichkeit und Heimatliebe

Und sein junger Partner, gelernter Mechatroniker, erzählt, dass er aus Groß Garz stammt, zur Lehrstelle zwischen 1995 und 1999 nach Arendsee noch mit dem Zug fuhr und mehr und mehr die Hauptarbeit übernimmt. Von DDR-Rückblicken und der Sicht auf eine „neidische, profitorientierte“ Gesellschaft ist die Rede. Aber auch von Mitmenschlichkeit und Heimatliebe ist die Rede.

Ebenfalls im Film kommen die 18-jährige Abiturientin Anna Krüger aus Zehren und die Anfang-Sechzigerin Monika Winterberg vor. Letztere fuhr zur See und kam zurück nach Arendsee, in ihre Heimat. Anna würde gern hierbleiben, aber zum Studieren muss sie in die Großstadt.

Friedrich-Ebert-Stiftung fördert Projekte

„Es ist der zweite Film unseres Dokumentarfilmprojekts, das von der Friedrich-Ebert-Stiftung gefördert und unterstützt wird“, erklärt Till Eitner.

Der erste Streifen mit dem Titel „Ich. Du. Wir.“ entstand mit zehn Jugendlichen aus sieben Nationen – Indonesien, Syrien, Irak, Griechenland, Schweiz, Bulgarien, Frankreich, Deutschland – zu den Themen Flüchtlinge, Identität, Europa. „Es war sehr interessant, wie sie alle auf die Frage, was für sie Heimat bedeutet, ähnlich antworteten“, betont Eitner. Und das unabhängig von Hautfarbe, Religion oder Nationalität.

„Heimat ist für sie kein Ort, sondern in erster Linie ein Gefühl“, so Eitner. „Heimtagefühl stellt sich bei ihnen ein, wenn und wo sie frei sein können, da, wo ihre Liebe ist, wo ihre Familien sind.“ Ob die Filme zum Festival laufen, ist ungewiss. Auf jeden Fall ist aber die Dokumentation mit Arendsees 90-jährigem Schuhmachermeister Erwin Ebeling mit auf der Programmliste.