Salzwedel l 22 Figuren, ein Ball, acht Griffstangen – wer in das Foyer der Jugendkirche geht, dessen Blick fällt als erstes auf einen Kickertisch. Es ist ein erster Vorgeschmack auf das, was in den anderen Räumlichkeiten folgt. Eine Küche, die Platz bietet für zehn bis zwölf Personen, ausgestattet mit allem, was in eine Küche gehört. Ein Fernsehraum inklusive zweier 60-Zoll TV-Geräte, einer Playstation und eines Beamers, der beliebig eingesetzt werden kann.

Alles fürs Musikerherz

Der größte Raum ist mit einer großen Couchecke möbliert, bietet Platz für diverse Aktivitäten. Wer es hingegen lieber musikalisch mag, dürfte im Bandraum vieles vorfinden, was das Musikerherz begehrt. Mit unter anderem einer E-Gitarre, einem E-Schlagzeug und einem E-Piano steht ein Potpourri aus Instrumenten zur Verfügung. Prunkstück ist die Gertraudenkapelle, in der derzeit weniger gebetet, als vielmehr Fußball oder Tischtennis gespielt wird.

Was dort fehlt, das sind zum einen Bänke und zum anderen Wärme. Denn die Kapelle hat derzeit weder Heizung noch Dämmung. Das soll sich bereits im nächsten Jahr ändern. „Dann soll sie saniert werden, sodass man sie endlich ganzjährig nutzen kann“, sagt Friedhelm Wende.

Mit fünf Kindern begonnen

Der Gemeindepädagoge ist vor zwei Jahren nach Salzwedel gekommen. Unter anderem, um die Beliebtheit der Jugendkirche voranzutreiben, die ein Projekt der drei evangelischen Salzwedeler Kirchengemeinden (Marienkirche, Katharinenkirche und St. Georgs-Kirche) ist. Wendes Arbeit besteht dabei zu 70 Prozent aus der Leitung der Jugendkirche und zu 30 Prozent aus der Betreuung von Kindern der Mariengemeinde.

Im September 2015 nahm er seine Arbeit auf, der Zusammenschluss der Gertraudenkapelle mit den Jugendräumen begann bereits 2012. Nachdem die Jugendkirche fertiggestellt wurde, versuchte Friedhelm Wendes Vorgänger John Dehler Ende 2013, diese mit Leben zu füllen.

Von fünf auf 20

Als Friedhelm Wende 2015 dessen Position übernahm, startete er mit fünf Kindern. Mittlerweile sind daraus etwa 20 geworden. Zur sogenannten T-Time, dem Jugendtreff, kommen zu Hochzeiten sogar 30 bis 40 Heranwachsende, erzählt er.

„Im Grunde ist es wie ein Jugendclub. Wir beten hier nicht, sondern sitzen zusammen, erzählen, kochen oder hören Musik. Es wird auch mal Fußball und Tischtennis gespielt oder auf der Playstation gezockt“, sagt der Leiter. Um erscheinen zu dürfen, braucht es weder Anmeldung noch Geld. Ebenso wie zur Kinderkirche könne dorthin jeder kommen, ob eine Kirchenbindung bestehe oder nicht. Während der Jugendtreff zu Schulzeiten immer donnerstags stattfindet, ist die Kinderkirche regelmäßig montags.

Unterhaltung mit kirchlichem Hintergrund

Die Idee besteht darin, Unterhaltung mit einem kirchlichen Hintergrund zu verbinden. Und das Angebot wird stetig größer. So wird inzwischen regelmäßig ein Sommerlager veranstaltet. Dafür fahren Friedhelm Wende und jugendliche Betreuer jährlich mit Kindern ins Waldbad Dähre und zelten eine Woche lang. Derweil bleiben die Jugendlichen in der zweiten Woche gleich da, dann aber, um selbst unterhalten und betreut zu werden. In diesem Jahr waren es 40 Kinder und 50 Jugendliche, die mitfuhren.

Um eine „Legostadt“ zu bauen, erschienen im vergangenen Jahr ebenfalls etwa 50 Kinder und Jugendliche. Aus mehr als 200.000 Steinen bastelten die Teilnehmer unter anderem ein Riesenrad mit Motor, ein Basketballstadion und einen Weltraumbahnhof.

Kirchlicher Teil kommt nicht zu kurz

Inmitten der vielen Unterhaltungsangebote soll aber natürlich auch der kirchliche Teil nicht zu kurz kommen. Regelmäßig zur Adventszeit findet daher eine Kinderkathedrale statt, bei der Schulklassen ein Programm buchen können. „Da waren mal in einer Woche etwa 400 Kinder hier“, erzählt Friedhelm Wende. Neben den zum Teil christlichen Elementen bei der Kinderkirche, organisieren Religionslehrer des Jahn-Gymnasiums zudem alljährlich zum Buß- und Bettag, dass Schüler frei bekommen und stattdessen in die Jugendkirche gehen.

Ein weiteres Highlight steht am Montag, 30. Oktober, bevor. Dann findet einmal mehr die Church Night statt, bei der die Kinder sich mit dem Reformationstag und Martin Luther sollen. Es tritt aber auch die Jugendband „Privileg“ auf, die den Jugendgottesdienst begleiten soll. Zudem findet ein Poetry Slam statt. „Vor zwei Jahren kamen 80 Kinder und Jugendliche. Unterdessen sind es 140 Personen“, sagt Friedhelm Wende beeindruckt.

Überhaupt ist er überwältigt von der Resonanz, die die Jugendkirche inzwischen erzeugt. Dabei glaubt er auch an höhere Mächte. „Zeit, Ort und Personen mögen gepasst haben, aber ich halte es für ein Geschenk des Himmels“, sagt er. Das alles sei ohne finanzielle und ehrenamtliche Unterstützung nicht möglich. Nicht zuletzt wegen der Hilfe der Stadt und jugendlicher Betreuer können die Projekte gestemmt werden. So viel Wert jedoch in der Jugendkirche auf den christlichen Hintergrund gelegt wird, so wenig wird dabei die Unterhaltung vergessen.