Floristik

Junger Afghane schafft es in Salzwedel mit der Bestnote zum Traumjob

Er liebt Pflanzen und insbesondere Blumen – Sadat Said Farin hat diese Liebe zum Beruf gemacht. Die Abschlussprüfung zum Floristen hat der 24-Jährige, der in Salzwedel gelernt hat, mit Bestnoten abgeschlossen.

Von Jörg Schulze
Sadat Said Farid und Werner Jeberien mit dem zur Komplexaufgabe gehörenden Blumenkranz.
Sadat Said Farid und Werner Jeberien mit dem zur Komplexaufgabe gehörenden Blumenkranz. Foto: Jörg Schulze

Salzwedel - Beste Pflanzarbeit, beste Gefäßfüllung, beste komplexe Prüfungsaufgabe, bestes Gesamt-Prüfungsergebnis: Sadat Said Farid hat allen Grund, stolz auf sich zu sein. Erst am vergangenen Mittwoch hatte der 24-jährige seine praktische Abschlussprüfung zum Floristen mit dem bestmöglichen Zertifikat abgelegt. Das theoretische Rüstzeug für seinen Job erlernte Farid an der Berufsschule in Uelzen, die praktische Ausbildung erfolgte bei Christine Floristik in der Salzwedeler Holzmarktstraße.

Das Licht der Welt erblickte der junge Mann am 7. September 1997 in Afghanistan. Dass er 24 Jahre später einen deutschen Berufsabschluss mit Bestnote in der Tasche haben würde, hätte die junge Fachkraft noch vor fünf Jahren nicht zu träumen gewagt. Die Flucht aus seiner von Krisen und Kriegen geschüttelten Heimat endete 2016 zunächst in München. Von der bayrischen Landeshauptstadt aus ging es zunächst nach Gardelegen und dann weiter nach Salzwedel. Die Hände untätig in den Schoß zu legen, war von Anfang an für Sadat Said Farid keine Option. Er war fest entschlossen, sich in Deutschland eine Zukunft aufzubauen. Ein Beruf ist dazu unerlässlich.

Mein Herz hängt einfach am Umgang mit Pflanzen, ich liebe Blumen

Sadat Said Farid

„Ich habe mich auch über andere Arbeitsmöglichkeiten informiert, zum Beispiel in der Pflege. Doch mein Herz hängt einfach am Umgang mit Pflanzen, ich liebe Blumen“, sagte der junge Mann der bereits in Afghanistan eine Ausbildung in diesem Bereich absolviert hatte. Da jedoch die Anforderungen im Job in seiner alten Heimat grundlegend andere sind als in Deutschland und auch die Ausbildung in den beiden Ländern kaum miteinander vergleichbar ist, galt es ganz von vorn zu beginnen.

An den ersten Kontakt mit ihrem heutigen Mitarbeiter kann sich Christine Heuer noch gut erinnern. Ein Bildungsträger suchte einen Platz für ein Praktikum. Christine Heuer gab dem jungen Mann eine Chance und wurde nicht enttäuscht.

Das Team merkte schnell, dass der neue Kollege mit Herzblut bei der Sache war. Die Firmenchefin sollte in den kommenden Jahren eine besondere Rolle im Leben des jungen Afghanen spielen. Denn der Weg zum begehrten Abschluss erwies sich als schwer und lang. Drei Jahre dauert die Ausbildung für einen deutsch sprechenden Azubi. Doch Sadat Said musste zusätzlich zum Fachwissen auch noch die deutsche Sprache nebst den berufstypischen lateinischen Begriffen lernen. Eine Mammutaufgabe, die nach viereinhalb Jahren mit maximalem Erfolg gelöst ist.

Mehr als einmal machte Christine Heuer ihrem Azubi Mut, lernte mit ihm, half über Fehlschläge hinweg. Nicht minder wichtig für die Entwicklung des jungen Mannes war Werner Jeberien.

Das Prüfungsergebnis ist ein Gemeinschaftswerk der ganzen Firma.

Werner Jeberien

„Das tolle Prüfungsergebnis ist ein Gemeinschaftswerk der ganzen Firma. Jeder Azubi bedeutet auch für uns Neuland. Wir haben gemeinsam geübt, von und miteinander gelernt“, blickte Jeberin zurück. Kein Wunder also, das Christine Heuer und Werner Jeberien heute für den Neualtmärker zu einem Teil seiner Familie geworden sind.

Bei der Prüfung selbst konnte der angehende Florist seine Kreativität und Liebe zu Blumen voll ausspielen. Bei der besonders wichtigen Komplexaufgabe entschied er sich für das Thema Trauer. Es galt, einen Kranz für eine Dame zu gestalten, die in ihrem Leben Blumen über alles geliebt hatte. Wie im realen Job mussten in 60 Minuten die Ideen als Kundenangebot zu Papier gebracht werden. 90 Minuten standen für die Umsetzung zur Verfügung.

Mit seinem ebenso farbenfrohen wie dem Anlass entsprechenden Arrangement überzeugte der Azubi aus Salzwedel die Prüfungskommission.

Christine Heuer ist nunmehr froh, eine so engagierte, gut ausgebildete Fachkraft in ihrer Firma zu haben. Sadat Said Farid bereitet sich nun auf seine schriftliche Abschlussprüfung vor, die es noch zu absolvieren gilt.