Klein  Chüden l Gespannt schauten alle nach oben, als die Glocke der Klein Chüdener Kirche, an einem Teleskoplader hängend, langsam von ihrem angestammten Platz unter einem kleinen Vordach am Giebel der Klein Chüdener Kirche hinunterschwebte. Sie ist ein Mahnmal der deutschen Teilung, denn sie hing einst in der Kirche von Jahrsau, dem Nachbardorf, das ab 1952 der Aktion Ungeziefer zum Opfer fiel und dessen Bewohner in der Zeit bis 1961 zwangsumgesiedelt wurden. 1970 wurde der Ort komplett geschleift. Nur einige Mauerreste erinnern noch daran.

Auf das „menschenverachtende Grenzregime“ blickte auch Landrat Michael Ziche beim Abbau der Glocke kurz zurück. „Es ist heute ein besonderes Ereignis nur wenige Tage vor dem 30. Jahrestag des Mauerfalls“, sagte er. Die Glocke soll im Freilichtmuseum nach dem Wiedererrichten der Klein Chüdener Kirche „an diesen schmerzvollen Aspekt unserer Geschichte erinnern“, erklärte Ivonne Ritter-Findeisen vom Presseteam des Altmarkkreises. Es sei geplant, eine Gedenktafel aufzustellen.

Spannendes Unterfangen

In den kommenden drei Wochen soll das Gotteshaus komplett abgebaut werden, erklärte Zimmermeister Nils Gnoth. Seine Firma ist auf solche Arbeiten an historischen Fachwerkbauten spezialisiert. Aber eine Kirche komplett ab- und wieder aufzubauen, ist auch für ihn und seine Mitarbeiter Neuland und ein spannendes Unterfangen. Balken, Mauersteine und Dachziegel werden eingelagert und, sobald es die Witterung zulässt im kommenden Frühjahr, im Museumsdorf wieder aufgebaut. Mit allen originalen Teilen. Nur einige Hölzer im Dachstuhl sind so morsch, dass sie ausgetauscht werden müssen.

Bilder

Die Kirche ist entwidmet, aber nicht entweiht. Darauf wies der zuständige Pastor Jo-achim Thurn hin. Sie könne im Museum wieder für Gottesdienste genutzt werden. Er sei froh, dass die Kirche nicht verfalle und dort wieder von vielen Menschen besucht werde.

Gedenktafel soll erinnern

Dass es nicht bei allen Klein Chüdenern auf Begeisterung stößt, wenn ein Gotteshaus plötzlich nicht mehr im Ort ist, könne er verstehen, hatte der Landrat eingeräumt. Und so war auch Waltraud Henke mit Herzklopfen zur Abnahme der Glocke gekommen. „Mir zittern ein wenig die Knie“, gab sie zu. Die Kirche habe immer zu ihrem Heimatort gehört, sagte sie. An der Stelle soll eine Gedenkplatte errichtet werden.