Salzwedel l Nils Krümmel von der „Grünen Laterne“ wollte eigentlich aus Zeitgründen erst am Freitag öffnen. Doch als er am Donnerstag von einem Termin kam, standen bereits ein paar Stammgäste vor seinem Lokal im Südbockhorn. „Wir hatten aber alle Hygienevorkehrungen bereits getroffen“, erzählte er am Sonnabend. Deshalb habe er seine Kneipe einen Tag früher als geplant aufgeschlossen. Das kleine Lokal bietet unter den momentanen Bedingungen Platz für 25 Gäste. Am ersten Abend war es gut besucht.

Der Salzwedeler Gastronom blickt auf eine lange Durststrecke zurück. Erst hatte er mit dem Ausbau des Südbockhorns seit Monaten eine Baustelle vor der Tür, dann kam die Corona-Pandemie. Bereits Mitte März musste er sein Lokal schließen. Auch die Salzwedeler Schwimmhalle, in der er einen Imbiss betreibt, schloss ihre Türen. Somit war er auf unbestimmte Zeit ohne Einnahmen. Nils Krümmel beantragte Soforthilfe. Diese wurde ihm nach fünf Wochen bewilligt. Eine lange Zeit, denn die laufenden Nebenkosten mussten bedient werden.

Zwangspause zum Renovieren genutzt

Doch seine Stammgäste geben ihm Mut. „Wir hatten öfter schon mal geschaut, ob das Licht in der Grünen Laterne wieder brennt“, sagte Werner Planck, der sich am Sonnabend einen Tisch mit Klaus Buchmann und einem jungen Mann, den alle Aldi nennen, teilte. Denn in der Kneipe trifft man sich nicht nur, um zu plaudern und ein Feierabendbier zu trinken, sondern auch, um die Fußballspiele im Fernsehen zu verfolgen. Da viele Spiele nur im Bezahlfernsehen angeboten werden, haben die Gäste in der Grünen Laterne dazu die Möglichkeit. Nils Krümmel hofft auf einen sonnigen Sommer. Denn am 13. Juni soll das Freibad öffnen, in dem er ebenfalls einen Imbiss betreibt.

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Auch Uwe Schwieger, genannt Zappa, hat seine Musikkneipe „Crazy World“ seit Donnerstag wieder geöffnet. Hier gibt es Platz für rund 50 Gäste im Innen- und Außenbereich unter den aktuellen Bedingungen. Am 18. März hatte er die Türen seines Lokals, das er seit 23 Jahren führt, auf unbestimmte Zeit abgeschlossen. Das bedeutete für ihn, Hartz IV zu beantragen.

Hoffen auf Konzert

Die beantragte Soforthilfe wurde nach fünf Wochen bewilligt, sodass wenigstens die laufenden Kosten überbrückt werden konnten. Die viele freie Zeit nutzte er indessen, um Renovierungsarbeiten auszuführen. Für den 8. August hat er ein Konzert mit der altmärkischen Band „Bordstein“ geplant. Unter gewissen Auflagen sei das wohl auch umsetzbar, hofft der bekennende Musikliebhaber. Er blickt positiv in die Zukunft, denn der Start am Donnerstag sei gut gewesen. Es gebe Reservierungsanfragen.

Ein paar Straßen weiter, in der Burgstraße, scheint es fast so, als wäre nichts gewesen. Der Biergarten auf der „Winkelwiese“ bei Lutzes Butze ist sehr gut besucht. Das laue Wetter an dem Abend veranlasste zahlreiche Menschen, dort einzukehren und nach der langen Durstphase wieder einmal mit Freunden zusammen zu sitzen, etwas zu trinken und sich auszutauschen. Auch Betreiber Lutz Winkelmann freut sich über die große Resonanz.

Disziplinierte Gäste

„Die Gäste sind diszipliniert, akzeptieren die Vorschriften und tragen sich auch in die Gästelisten ohne Murren ein“, lobte er die Besucher, die zum großen Teil auch Stammgäste sind. Aus seiner Sicht hätten die Freiluftgaststätten ruhig schon früher freigegeben werden können, denn wo sonst ließen sich die Vorschriften besser umsetzen. Platz sei da, um die Abstandsregeln einzuhalten, und die Luft könne wohl auch nicht besser sein. Allerdings hätte er zum Vatertag wohl nicht aufgemacht, schränkte er ein. Das Risiko, dass es nicht mehr unter Kontrolle zu bringen sei, wäre ihm einfach zu groß gewesen.

Zur Frauentagsfeier am 15. März hatte er zum letzten Mal geöffnet. Danach kehrte Ruhe ein. Nicht nur geplante Konzerte durften nicht stattfinden. Auch fielen für ihn als „fliegendem“ Schankwirt einige auswärtige Veranstaltungen weg, so Veranstaltungen zu Ostern und zum 1. Mai, und auch das Wein- und das Hansefest seien nun abgesagt.

Das geplante Hansefestwochenende vom 3. bis 5. Juli wolle er allerdings doch für Freiluftkonzerte nutzen. Abgesagt hätte er den Bands noch nicht, denn er wisse, dass auch die Musiker unter der Corona-Krise besonders zu leiden haben.

Die anvisierten Investitionen für den Toilettenneubau und die Bühnenüberdachung müssen nun erst einmal aufgeschoben werden, informierte der Gastronom, der wieder ein wenig optimistischer in die Zukunft blickt.