Altmark l Eine Familie gegründet, ein Haus gebaut, ein guter Job. Alles läuft perfekt für Martin S. (Name geändert). Doch dann, ohne Streit und großes Drama geht seine Ehe plötzlich auseinander.

Allein bleiben in der zweiten Lebenshälfte will der Vater zweier erwachsener Kinder eigentlich nicht. Nur ist es natürlich nicht so einfach, jemand passenden zu finden. Viele reden ihm gut zu, es doch mal über ein Inserat zu versuchen. Eine gute Freundin hilft. „Sie hat mir einfach mal ein paar passende Anzeigen angekreuzt“, erzählt der Elektroniker schmunzelnd. Und tatsächlich. Da ist eine, an der der Mittfünfziger beim Lesen sofort hängen bleibt: Ilona.

„...es ist mein letzter Versuch“, schreibt sie in ihrer Anzeige in einer Wochenzeitung. Alles am Text gefällt Martin S., der Beruf im sozialen Bereich, ihr Alter, alles passt. Zwar hat sie nicht selbst inseriert. Interessenten sollen sich an eine Partneragentur in der Nähe von Berlin wenden. Dabei denkt sich Martin S. aber erstmal nichts. Er wählt die angegebene Nummer, und eine freundliche Mitarbeiterin bietet ihm an, ihn zu besuchen, um „alles Nötige zu besprechen.“ Man müsse ja auch ihn erstmal kennenlernen, bevor man die Kontaktdaten herausgebe, schon um die Kundin Ilona zu schützen. Nur die Fahrtkosten von 20 Euro, soll er im Voraus überweisen. „Es hörte sich alles seriös an“, sagt Martin S.

Erste Zweifel

Erste Zweifel kommen ihm allerdings, als ihm die Dame der Agentur dann in seinem Wohnzimmer gegenüber sitzt. „Sie war schon extrem selbstbewusst.“ Zwar geht es im Gespräch zunächst tatsächlich um ihn, seine Vorstellungen, Hobbys und Erwartungen an eine Partnerin. „Vor allem ging es aber darum, dass ich einen Vertrag unterschreiben sollte.“

Von Ilona ist übrigens keine Rede mehr. Sie heiße ohnehin nicht so, schon aus Datenschutzgründen würden Fantasienamen gewählt, erklärt seine Besucherin resolut. Aber es gebe viele passenden Damen.

Er würde die Kontaktvorschläge per Post erhalten. Je einen monatlich. Vertragslaufzeit: zwei Jahre. Kostenpunkt 1500 Euro. Pro Jahr.

Bedenkzeit erbeten

„Eigentlich wollte ich erst gar nicht unterschreiben, habe mir einen Tag Bedenkzeit ausgebeten“, erinnert sich der Altmärker. Doch die Frau ist sehr penetrant, bedrängt ihn förmlich. „Ich wollte sie einfach loswerden.“ Und schließlich könne man Verträge ja auch wieder kündigen, habe er gedacht, das habe sie ihm auch bestätigt. Und so setzt er dann doch seine Unterschrift unter die Papiere, auf die sie zuvor noch handschriftlich notiert habe, dass sie „auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin zu mir kam.“

Böse Falle

Eine böse Falle, wie sich später herausstellen soll. „Denn damit war das kein Haustürgeschäft mehr“, erklärt Martin S. Eine Kündigung vor Vertragsende sei nicht mehr möglich gewesen. Der Anwalt der Verbraucherzentrale, den er einige Tage später aufsucht, erklärt ihm das, rät ihm aber dennoch, zu kündigen. „Kurz, knapp und ohne Begründung, dafür aber per Einschreiben mit Rückschein.“

Martin S. befolgt den Rat. Die Antwort erreicht ihn schon einen Tag, nachdem der Rückschein wieder bei ihm eintrifft. Es ist ein Kontaktvorschlag. Die Kündigung wird mit keinem Wort erwähnt.

Auf Lockanzeige hereingefallen

Mittlerweile ist er aber längst gewarnt: Vermutlich, so hatte der Experte der Verbraucherzentrale ihm erläutert, sei er auf eine Lockanzeige hereingefallen. Mit großer Sicherheit gebe es Ilona gar nicht. Sie sei erfunden: ein fiktives Profil, das Männer anspricht.

Und tatsächlich: Er selbst entdeckt in der gleichen Zeitung schon kurz darauf dieselbe Anzeige noch einmal. Und auch danach noch mehrfach.

Nicht reagiert

Und so reagiert er auf den ersten Kontaktvorschlag gar nicht erst, und auch auf keinen weiteren, die ihn daraufhin in kurzen Abständen erreichen. Schließlich habe er ja auch gekündigt.

Erst als so gar keine Reaktion von ihm erfolgt und er auch die Rechnungen nicht bezahlt, kommt ein Schreiben ohne Kontaktdaten. „Sie haben mir geschrieben, dass ich nur aus dem Vertrag raus komme, wenn ich 800 Euro Einschreibegebühr entrichte und zusätzlich 400 Euro für das vorliegende Schreiben.“ Martin S. reagiert auch darauf nicht. „Es kamen dann noch fünf, sechs weitere Briefe. Dann war Ruhe.“

Brief vom Amtsgericht

Um so erstaunter ist der Westaltmärker, als ihn zweieinhalb Jahre später plötzlich ein Brief von einem Amtsgericht bei Berlin mit einer erheblichen Geldforderung erreicht: „Da habe ich mir dann einen Anwalt genommen.“ Eine gute Entscheidung. Denn der Jurist macht mit der Androhung, es auf eine Gerichtsverhandlung ankommen zu lassen – in der das Vermittlungsinstitut beweisen müsse, dass es Ilona tatsächlich gibt – dem ganzen Spuk ein Ende. Drei Jahre nachdem das Ganze eigentlich mit einem romantischen Date beginnen sollte.

Martin S. hat Dank seines Anwaltes, „den sogar noch meine Rechtsschutzversicherung bezahlt hat“, zumindest finanziell alles unbeschadet überstanden.

Wütend ist er dennoch, auf solche Unternehmen, die mit den Gefühlen und der Einsamkeit von Menschen spielen.

Für alle, die auch über eine Kontaktanzeige nach der großen Liebe suchen, hat er deshalb einen guten Rat: nämlich genau zu lesen und gut zu überlegen, ob es sich nicht um ein solches Lockangebot handeln könnte, und vor allem, Vorsicht bei langfristigen Verträgen walten zu lassen.