Salzwedel l Von Mord und Totschlag sind die Westaltmärker im vergangenen Jahr verschont geblieben. Anders als in einschlägigen Krimiserien, in denen auch auf dem Lande reichlich gemordet wird, gab es im Altmarkkreis offiziell keine „Straftaten gegen das Leben“. Zwar wurde ein Fall registriert, abschließend aber nicht im Salzwedeler Polizeirevier bearbeitet. Das geht aus der Kriminalitätsstatistik für 2018 hervor, die gestern vorgestellt wurde.

Auch die Zahl der sogenannten Rohheitsdelikte, also Körperverletzungen, ist rückläufig. Ein Fakt, der Revierleiter Sebastian Heutig und Kriminal-Hauptkommissar Frank Weipert freut. Denn diese Straftaten seien sensibel zu betrachten. „Genau wie Wohnungseinbrüche gehen sie sehr in den persönlichen Bereich“, sagt der Revierleiter. Sie würden von den Betroffenen daher nachhaltig als besonders schlimm empfunden.

Mehr Drogendelikte

Die Zahl der ermittelten Drogendelikte ist um 79 auf 400 Fälle gestiegen. Das sei auch auf eine verstärkte Kontrolltätigkeit der Beamten zurückzuführen, schätzt Heutig ein. Die Aufklärungsquote beträgt in diesem Bereich 96,8 Prozent. Dabei ist in Kalbe ein größerer Zugriff gelungen. Bei der Durchsuchung der ehemaligen Kaufhalle hoben Polizisten eine Indoor-Plantage aus. „Mit 2100 Pflanzen in verschiedenen Entwicklungsstadien“, berichtet Weipert. Ausgereift hätten sie einen Marktwert von rund 500  000 Euro gehabt. Auch Gerätschaften und Computer stellten die Einsatzkräfte sicher. „Das hat sich gelohnt“, sagt der Hauptkommissar zurückblickend.

Auch in Salzwedel gelang den Polizisten Ende vergangenen Jahres ein größerer Fund. Sie beschlagnahmten diverse Rauschmittel in einer Wohnung. Die synthetische Droge Crystal Meth, die schnell einen psychische Abhängigkeit verursacht, ist im Altmarkkreis nach wie vor nicht so verbreitet, erklärt er Revierleiter.

Hoch und trocken in U-Haft

Ziemlich schnell kamen die ermittelnden Beamten einem polizeilich schon bekannten 27-Jährigen auf die Spur, der in ein Reisebüro in Kalbe gestürmt war. Dort hatte er die Anwesenden mit einem Messer und Pfefferspray bedroht und wollte Geld erpressen. Als ihm dies verweigert wurde, versprühte er das Pfefferspray. Dabei erlitt eine 87-Jährige Verletzungen, der Täter entriss ihr das Portmonee und verschwand. Noch am selben Tag konnte der Mann nach intensiven Ermittlungen mit Unterstützung eines Sondereinsatzkommandos (SEK) gestellt werden. „Er sitzt jetzt hoch und trocken in der Untersuchungshaft“, sagt Frank Weipert.

Gut ausgegangen ist auch ein Einsatz in Jeggeleben, bei dem um drei Kinder gebangt wurde. Nach der Trennung eines Paares hatte sich der Mann mit den Kindern in der Wohnung verschanzt. In Zusammenarbeit mit der Verhandlungsgruppe des Landeskriminalamtes und eines Spezialeinsatzkommandos konnte der Mann aus der Wohnung gelockt und die Kindern in Sicherheit gebracht werden. „Eine psychische Notlage ist immer heikel und wir hatten schon Schlimmes befürchtet“, erinnert sich Frank Weipert. Solche erfolgreichen Einsätze seien für ein Landkreisrevier schon herausragend, schätzt der Revierleiter ein.

Rückgang bei Diebstählen

Den zahlenmäßig stärksten Rückgang gab es bei Diebstählen. Sie machen dennoch mit knapp 32 Prozent Anzeigen den größten Anteil der Straftaten aus.

Eine Steigerung der Kriminalität war mit 19 Taten bei Brandstiftungen zu verzeichnen. Dazu werde intensiv ermittelt. Der entstandene Schaden beläuft sich auf gut 80  000 Euro. Besonders betroffen war die Region rund um Diesdorf.

Gut die Hälfte aufgeklärt

Insgesamt sind mehr als die Hälfte aller Straftaten aufgeklärt worden. Mit einer Quote von 58 Prozent bewege sich das Revier im Durchschnitt der Polizeidirektion Stendal.

135 (6,25 Prozent) aller Tatverdächtigen waren Migranten, von denen 134 einen legalen Aufenthaltsstatus haben und 120 Asylbewerber sind. „Das zeigt, dass sie nicht mehr und nicht weniger kriminell sind als Deutsche“, schätzt Heutig ein. Wobei es sich zum Teil um Aufenthaltsverstöße handele, die nur aus dieser Personengruppe begangen werden können.