Salzwedel l Die beiden gemeinnützigen Vereine Aktion Musik und der Offene Kanal Salzwedel (OKS) haben Großes vor. Ihr Ziel: Die Kultur im ländlichen Raum fördern, Angebote schaffen, Abwanderung junger Menschen stoppen und das Netzwerk stärken. Dafür bekommen beide Vereine jeweils 100.000 Euro vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. 1700 Vereine haben sich um diese Förderung beworben. 300 bekamen einen positiven Bescheid, darunter die beiden Vereine im soziokulturellem Zentrum Hanseat in Salzwedels Altperverstraße.

Jede Woche in ein anderes Dorf

„Wir wollen jede Woche in ein anders Dorf“, blickt Local-heroes-Gründer Dieter Herker optimistisch voraus. Immer dabei: der neue „KulTourDom r66“ von Aktion Musik. Den hat sich der Verein für 40 000 Euro von der Fördersumme bereits zugelegt. Dabei handelt es sich gewissermaßen um eine transportable und aufblasbare Bühne, die allerhand Möglichkeiten bietet. „Die lässt sich von innen beleuchten, was eine besondere Atmosphäre schafft“, erklärt Herker, der glaubt, dass sich allerhand „verrückte Sachen“ damit anstellen lassen. Denn neben kleinen Konzerten könne die Luftbühne Theaterdarstellern dienen, aber auch für jegliche Bild- und Tonveranstaltungen. Beispielsweise für eine 360-Grad-Projektion im Inneren. Ob vom Nachthimmel oder einer Unterwasserwelt. „Man könnte auch Filme darin schauen“, sagt Dieter Herker. Dazu brauchte es nur Jugendliche mit etwas technischem Geschick, um die Daten umzurechnen.

Mobiler Proberaum

Aktion-Musik-Leiter Michael „Elvis“ Schulze sieht in der Anschaffung in erster Linie auch einen mobilen Proberaum. Nicht alle im Altmarkkreis könnten den Weg nach Salzwedel auf sich nehmen, um in den Proberäumen von Aktion Musik im Hanseat zu musizieren. „Dann kommen wir halt aufs Dorf“, sagt Schulze, schließlich sei es eine mobile Bühne. „Mit 300 Watt lässt sich unser „KulTourDom“ ziemlich zügig aufblasen und mit 100 Watt die Luft halten“, ergänzt Silas Meyer von Aktion Musik, der aufgrund der Förderung dem Verein über das FSJ hinaus erhalten bleibt. Zudem sei man derzeit mit SCM-Solar aus Pretzier in Verhandlung, um die Stromzufuhr künftig über Solarfelder abzudecken. Damit kann die Luftbühne auf jedem Acker im Kreis genutzt werden. Übrigens: Startschuss für den „KulTourDom“ ist Donnerstag im Rahmen der Kulturellen Landpartie in Neu Tramm im Wendland. Denn das „r66“ im Namen der Bühne heißt, dass sich der Verein im Radius von 66 Kilometern um Salzwedel herum aufhält.

Bilder

Schauspiel in Beetzendorf

„Uns geht es um mehr Teilhabe des ländlichen Raums“, meint Nicoletta Geiersbach. Sie und Silke Tinser wollen als Bühnenkünstlerinnen und Theaterpädagoginnen der Landflucht rund um Beetzendorf etwas mit Schauspiel entgegensetzen. Sie arbeiten damit Hand in Hand mit dem OKS, der als Träger fungiert und die Projekte filmisch begleitet, erklärt Beate Nilles, Leiterin des OKS.

Gemeinschaft stärken

Den beiden Künstlerinnen geht es dabei um ein langfristiges Konzept, bei dem die Büger mit ins Boot geholt werden. Identität und Gemeinschaft seien der Schlüssel, so Geiersbach. Auftaktveranstaltung der Theaterpädagoginnen ist der 15. Juni auf der Bühne im Beetzendorfer Park. Dort sollen Interessenten ab 10 Uhr in das Projekt eingeführt werden. Im Anschluss stehen Kostproben der einzelnen Werkstätten auf dem Programm, ehe ab 11.30 Uhr durch den dendrologischen Park geführt wird. So wollen sie wichtige Themen der Einwohner herausbekommen, die in Stücken verarbeitet werden. Sounds, Schauspiel, Collagen; Wahrheit oder Fiktion, alles sei möglich. Nur mitmachen müssen die Menschen.