Arendsee l „Von planmäßig 35 Kurgästen haben in der vergangenen Woche fünf Patienten kurzfristig abgesagt. Wir gehen davon aus, dass das zukünftig noch mehr werden“, schilderte Marion Danner, Leiterin der Arendseer Mutter-Kind-Kurklinik, die aktuelle Lage. Träger der Einrichtung ist das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Der Verband setzt für die einzige Kurklinik ihrer Art in Sachen-Anhalt auf Hilfe aus der Politik.

Finanzielle Hilfen sind weiter nötig

Es konnten in der Vergangenheit nur bedingt finanzielle Rücklagen gebildet werden, Unterstützung sei dringend nötig. „Die DRK-Klinik schließt sich daher der Forderung des Müttergenesungswerks an, den Rettungsschirm für Mutter-Kind-Kureinrichtungen rückwirkend ab dem 1. Oktober 2020 bis mindestens zum 31. März 2021 zu verlängern“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landesverbandes. Bereits im Frühjahr gab es düstere Aussichten. Die Klinik musste aufgrund der staatlichen Einschränkungen ganz schließen. Finanziell gab es aber zunächst keine Hilfe, dies änderte sich aber. Dann folgte der Neustart in Arendsee unter strengen Vorschriften, der Marion Danner und ihrem Team gelang.

Nun hat sich die Corona-Situation wieder drastisch verschärft. „Die steigenden Infektionszahlen haben auch Auswirkungen auf unsere Kur-Gäste. Positiv Getestete und Verdachtsfälle, die sich in Quarantäne befinden, können nicht anreisen“, so Marion Danner. Gäste, die aus einem Risikogebiet kommen, müssen einen negativen Corona-Test nachweisen. Vorher ist keine Anreise nach Arendsee erlaubt.

Immer mehr Absagen

Es kam in den vergangenen Wochen vermehrt zu Absagen. Auch weil sich Gäste verunsichert fühlen und lieber auf Nummer sicher gehen wollen. Absagen in letzter Minute sind keine Seltenheit. Dieser Trend werde sich fortsetzen, heißt es seitens des DRK.

Eine komplettes Schließen der Einrichtung, weil zu wenige Gäste kommen, soll aber vermieden werden. Dies bestätigte gestern Annemarie Söder, beim DRK-Landesverband für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich, auf Nachfrage der Volksstimme. Denn grundsätzlich sei der Bedarf nach Kuren groß, die Auswirkungen der Krise zeigen sich auch auf diesem Sektor. Darum soll Gästen der Aufenthalt in Arendsee nicht grundsätzlich unmöglich gemacht werden.

Zusätzliche Kur-Durchgänge geplant

„Wir warten die weitere Entwicklung ab“, unterstreicht Annemarie Söder und verweist auf den Dezember. Über Weihnachten und Neujahr gibt es zusätzliche Kuren und auch etliche Anmeldungen dafür. In diesem Zeitraum bleibt die Einrichtung an der Lüchower Straße normalerweise zu. In der Vergangenheit wurde der Jahreswechsel für Renovierungsarbeiten genutzt.

2020 ist vieles anders. Dazu gehört ein auf Corona speziell angepasstes Konzept. Einige Beispiele dafür aus dem Alltag: Abstände können überall eingehalten werden, Therapiemaßnahmen finden in kleinen Gruppen statt und Gäste aus Nicht-Risikogebieten unterziehen sich vor Ort einem Schnelltest. Auch ein striktes Besuchsverbot für Angehörige gibt es bereits durchgängig seit einigen Monaten. Dieses gilt für das gesamte Gebäude und das Klinikgelände.