Salzwedel l „Das sieht dort bald aus wie in der Altperverstraße“, grummelt ein Salzwedeler am Telefon gegenüber der Volksstimme. Gemeint ist die Burgstraße in Salzwedel. Viel ist dort von der einstigen Pracht nicht geblieben, zum Flanieren laden immer weniger Geschäfte ein. Links wie rechts grassiert der Leerstand. Und dieser wurde und wird immer schlimmer. Denn nachdem bereits eine Parfümerie und ein Süßwarengeschäft im ersten Quartal dichtmachten, folgen nun ein Gemüsehandel und ein traditionsreicher Blumenladen.

Seit 1995 prägte der Tante-Emma-Laden von Rosi und Harald Wick das Einzelhandel-Ensemble in der Burgstraße. Gemüse, Obst und die kleinen Dinge des täglichen Bedarfs stehen in den Regalen. Gerade Stammkunden schätzten den freundschaftlichen Umgang in dem Geschäft. Ein kleines Pläuschchen gehörte zum Einkauf dazu. Doch damit ist nun Schluss. „Am 31. Mai schließen wir“, sagt Harald Wick. Viele würden zwar über den Leerstand klagen, doch unterm Strich beim Discounter einkaufen. Und mit den Kampfpreisen kann der kleine Obst- und Gemüsehandel nicht mithalten.

Im Blumenladen ist Schluss

Nach 29 Jahren hört auch Sylvia Müller auf. Am 31. Juli schließt sie, dann für immer, ihr Blumengeschäft in der Burgsstraße zu. Mit der Corona-Pandemie habe ihre Entscheidung überhaupt nichts zu tun,versichert sie. „Irgendwann ist halt Schluss“, sagt die 65-Jährige, die den kleinen urigen Blumenladen in vierter Generation führt und bald in den wohlverdienten Ruhestand geht. Seit 1901 existierte der Laden für Floristik bereits, gegründet von Friedrich Müller. „Es ist ein harter Beruf“, sagt sie, „man ist immer in Gang.“ Seit 29 Jahren hat Sylvia Müller sechs Tage in der Woche ihren Laden geöffnet und gearbeitet.

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Dass in das Geschäft von Sylvia Müller nach ihrer Schließung wieder Leben einzieht, ist nicht unwahrscheinlich. „Es gibt mehrere Interessenten.“ Aber ob es klappt und es dann wieder ein Blumenladen wird, weiß sie nicht.

Den Abschied aus dem Berufsleben und vor allem von ihren Kunden betrachtet die 65-Jährige mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Der letzte Tag wird bestimmt nicht einfach“, gerade mit Blick auf die Stammkundschaft. Schließlich seien im Laufe der Jahre auch Freundschaften entstanden. Auch ihre Händlerkollegen wird sie vermissen, wie sie sagt. Was Silvia Müller ihren Kunden für die verbleibenden Monate abschließend rät: „Alle sollten bitte ihre Gutscheine bis dahin einlösen kommen.“

Einen Block weiter und dann gegenüber sieht die Breite Straße schon ein ganzes Stück lebendiger aus, besonders seit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Hier stehen die Geschäfte fast ununterbrochen Haus an Haus, aber für zwei davon ist schon bald Schluss.

Im Restaurant „Zur Post“ etwa heißt es nach fünfeinhalb Jahren auch dort für Betreiberin Nadine Mewes: Türen zu. Gleiches gilt für den bei größeren Feiern bei den Salzwedelern beliebten Saal des Hansehofes.

Pläne durch Corona wiederbelebt

Auch die Bastelwelt, wenige Meter entfernt, hat nur noch ein paar Wochen vor sich. Hier ist die Stimmung mit Blick auf die Schließung allerdings sehr entspannt, aus zwei Gründen: Zum einen war die Schließung von langer Hand geplant, zum anderen wissen die Mitarbeiter schon, wo sie landen.

Die Überlegungen, dichtzumachen, habe es schon im vergangenen Jahr gegeben, sagt Geschäftsleiter Christoph Leideweg. Ganz sicher war es allerdings nicht, wirtschaftliche Maßnahmen und neues Personal sollten den Laden offen halten. „Dann kam Corona“, fasst Leideweg die Wendung zusammen, wegen der er nun doch bei den ursprünglichen Plänen bleibt.

Darüber werden auch die Kunden informiert, aber „es geht alles weiter“, versichert Leideweg. Das Geschäft geht nun einfach in seinen „Großen Bruder“ über, einen Holzgroßhandel, aus dem die Bastelwelt entstand. Dorthin gehen auch die Mitarbeiter.