Sprachkurse, Projektarbeit, Sport

Lehrermangel: Lessing-Schule in Salzwedel setzt auf Studenten

Sprachkurse, Projektarbeit, Sport: Vier junge Lehramtsstudenten unterstützen derzeit das Kollegium beim Unterricht an der Lessing-Ganztagsschule in Salzwedel. Schulleiterin Heike Herrmann spricht von enormer Hilfe, die Studenten von Erfahrungen sammeln. Unterm Strich geht es ohne auch fast gar nicht mehr. Es fehlen schlichtweg Lehrer an der Schule.

Von Alexander Rekow
Die Studenten Pascal Koitek, Alina Herz, Johannes Frenkel und Celine Miehlke  (von links) unterstützen derzeit die vom Lehrermangel betroffene Lessing-Ganztagsschule in Salzwedel. Perspektivisch wollen alle vier als Lehrer in der Region arbeiten.
Die Studenten Pascal Koitek, Alina Herz, Johannes Frenkel und Celine Miehlke (von links) unterstützen derzeit die vom Lehrermangel betroffene Lessing-Ganztagsschule in Salzwedel. Perspektivisch wollen alle vier als Lehrer in der Region arbeiten. Foto: Alexander Rekow

Salzwedel - An der Lessing-Ganztagsschule fehlen Lehrer. Nicht einer, sondern mehrere. Aktuell werden an der Bildungseinrichtung 340 Schüler von 29 Lehrkräften unterrichtet. „Das ergibt eine Unterrichtsabdeckung von etwa 90 Prozent“, so Schulleiterin Heike Herrmann. 103 Prozent sei aber das Ziel, um die Abdeckung aller Stunden jederzeit zu gewährleisten.

Doch davon ist die Gemeinschaftsschule weit entfernt, das Gegenteil ist der Fall. Denn noch in diesem Jahr gehen mehrere Lehrkräfte in den Ruhestand. Betroffen sind folgende Kombinationen: Biologie/Chemie, Mathematik/Physik und Sport/Geschichte. Und nicht nur das. Im kommenden Jahr verabschieden sich zwei weitere Lehrer mit den Kombinationen Geografie/Französisch und noch einmal Mathematik/Physik. „Das ist ein großes Problem“, so die Schulleiterin. „Es wird Einschränkungen geben.“ Denn dann liege die Unterrichtsabdeckung bei nur noch zirka 80 Prozent und die Schule könne nicht mehr vollwertig arbeiten. Einzige Möglichkeit: die Klassenstärken erhöhen. „Das bedeutet, dass wir dann große Klassen mit mehr als 30 Schülern haben.“

Ein Beispiel: In der 6. Klassenstufe würden derzeit in zwei Klassen je 27 Kinder unterrichtet. Im neuen Schuljahr kommen nach aktuellem Stand sechs weitere Abgänger vom Gymnasium in der dann 7. Klassenstufe hinzu. Heißt also: Die 7. Klassen haben im kommenden Schuljahr mindestens 30 Schüler in den Klassen.

Zwar komme zum neuen Schuljahr eine Kollegin aus der Elternzeit zurück, arbeite dann aber nur noch 15 anstatt 25 Wochenstunden.

Das hat für uns auch den Vorteil, dass wir junge Lehrer in der Schule haben.

Heike Herrmann, Schulleiterin

Heike Herrmann musste also kreativ werden, um dem Lehrermangel entgegenzuwirken. Ihre Lösung: Lehramtsstudenten. Mit Celine Miehlke (24), Alina Herz (26), Johannes Frenkel (22) und Pascal Koitek (25) hat sie diese in der Region gefunden. Mit den angehenden Lehrern würde Herrmann immerhin mehr als eine Stelle abdecken.

„Ich bin für Projektwochen und den Sprachkurs verantwortlich“, erzählt Celina Miehlke. Beim Sprachkurs handle es sich um Deutsch als Zweitsprache. Sprachkurse gibt auch Alina Herz, die zudem einen Kurs für den Kunstunterricht anbiete. Johannes Frenkel und Pascal Koitek helfen bei der Abdeckung des Sportunterrichts. Summasummarum sind die Studenten für die Schule pro Person zwischen sechs und zehn Stunden in der Woche im Einsatz. Die restliche Zeit widmen sie sich ihrem Studium. Dafür steht ihnen das Büro samt Technik des stellvertretenden Schulleiters zur Verfügung.

Schulleiterin Heike Herrmann unternimmt selbst etwas gegen den Lehrermangel an ihrer Schule.
Schulleiterin Heike Herrmann unternimmt selbst etwas gegen den Lehrermangel an ihrer Schule.
Foto: Alexander Rekow

„Das hat für uns auch den Vorteil, dass wir junge Lehrer in der Schule haben“, erzählt Heike Herrmann weiter. Profitieren würden Schule, Schüler und Studenten gleichermaßen. Die Schüler hätten Lehrkräfte als Ansprechpartner, die in ihrem noch jungen Alter nicht so weit von dem der Schüler weg sind und die Schule könne von neuen Lehrmodellen profitieren, die die Studenten vermittelt bekommen. Die Studenten hingegen können Praxiserfahrungen für ihr späteres Berufsleben sammeln. Eine Win-win-Situation.

Der Kern des Problems ist damit aber längst nicht gelöst. Und dass sich die Situation zuspitze, liege auch an den Wechslern vom Gymnasium auf die Gemeinschaftsschule, so Herrmann. So würden Schüler aus der 4. Klasse anschließend auf Gymnasien geschickt, die in Deutsch oder Mathematik auf vier stehen. „Und nach zwei Jahren kommt dann der große Hammer.“ Das beobachte das Kollegium der Lessing-Schule schon seit einigen Jahren. „Wir wollten es mal probieren“, hätten Eltern der Schulleiterin gesagt. Aus ihrer Sicht ergebe es mehr Sinn, die Kinder im Zweifel direkt auf eine Gemeinschaftsschule zu schicken und, wenn möglich, nach der 10. Klasse das Fachabitur anzugehen. Es seien aber nicht nur die Eltern. Auch der Leistungsdruck am Jahngymnasium trage dazu bei.

Wir fühlen uns zwar geehrt, aber es schafft Probleme.

Heike Herrmann, Schulleiterin

Dass die Nachfrage an ihrer Schule so hoch sei, führt Heike Herrmann auch und gerade auf das Konzept ihrer Gemeinschaftsschule zurück. Doch je mehr Schüler es werden, um so größer sei die Gefahr, dass dieses Konzept nicht mehr umgesetzt werden könne. „Wir fühlen uns zwar geehrt, aber es schafft Probleme.“ Auch wenn das Kollegium die Herausforderung jedes Schuljahr aufs Neue annehme.

Im Ergebnis hofft Heike Herrmann, dass ihr ein paar Studenten nach dem Studium als Lehrkraft erhalten bleiben. Die vier jungen Frauen und Männer haben zumindest bereits signalisiert, später in der Region, ihrer Heimat, unterrichten zu wollen. Andernfalls wird es in der Lessing-Ganztagsschule mit Blick auf den Lehrermangel noch unruhiger.