Salzwedel l „Ich habe wirklich Angst“, sagt eine Frau am Telefon im Gespräch mit der Volksstimme. Die Salzwedelerin ist junge Mutter und ging mit ihrem Kind beinahe täglich im Burggarten spazieren. „Es ist nicht selten, dass dort große, aber auch kleine Hunde frei durch den Burggarten laufen“, ärgert sie sich. Einmal sei einer der Vierbeiner an den Kinderwagen gesprungen. „Ich hatte unglaubliche Angst um mein Kind.“ Das Herrchen soll unterdessen Bier mit anderen getrunken haben. Erst als sie schrie, habe man den Hund geholt. Und: Unter den frei laufenden Tieren seien auch solche, die in Sachsen-Anhalt als gefährlich eingestuft sind. Die Frau weiß sich keinen Rat mehr. Sie fürchtet sich, die Besitzer anzusprechen. Denn dumme Sprüche habe sie auch schon oft bekommen, wenn sie auf die Leinenpflicht verwies. „Ich würde mir wünschen, dass die Polizei oder das Ordnungsamt dort endlich öfter kontrollieren. Das passiert doch täglich.“ Hinzu käme, dass die Hunde ihr Geschäft im gesamten Burggarten verrichten, aber nur in den seltensten Fällen ein Herrchen die Hinterlassenschaften beseitigt. Obendrein würden Jugendliche bei schönem Wetter das ganze Areal mit mobilen Musikboxen beschallen. „Wer Ruhe sucht, ist dort falsch“, sagt sie.

Bis zu 750 Euro Bußgeld bei Missachtung

„Die Leinenpflicht in der Hansestadt, inklusive der Parkanlagen, wird je nach Personallage seit Jahren in unterschiedlichen Abständen wöchentlich kontrolliert“, versichert Stadtsprecher Andreas Köhler. Dadurch habe die Zahl der angeleinten Hunde deutlich zugenommen. Auch die Beseitigung des Hundekots erfolge in regelmäßigen Abständen. Sollten sich Herrchen weder an die Leinenpflicht noch die Beseitigung der Hinterlassenschaften halten, drohe ein Bußgeld. Bei Mehrfachtätern falle dies zudem höher aus. „Das höchste je festgesetzte Bußgeld wegen eines Verstoßes gegen die Anleinpflicht gemäß der Gefahrenabwehrverordnung der Hansestadt Salzwedel lag für einen sehr uneinsichtigen Wiederholungstäter bei 750 Euro“, sagt Köhler.

Die Stadt habe an der Stadtmauer nach einigen Jahren Pause wieder Hundetütenspender aufgestellt. Doch das Problem sei in erster Linie am anderen Ende der Leine, sprich bei den Herrchen. Bis Ende des Monats würden zudem Kotbeutelspender im Burggarten, zwei im Stadtpark, am Rathausturmplatz, Goethepark, Birkenwälchen, Freizeitpark, An der Katharinenkirche, Kultipark, Nicolaiplatz und an den Parkplätzen Chüdenwall und Neuperverstraße angebracht werden, versichert Köhler.

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Polizei rufen

Salzwedelern, die Angst haben, rät der Stadtsprecher: „Soweit sich eine Person durch frei laufende Hunde bedroht fühlt, steht es jedem frei, die Polizei zu informieren. Diese nimmt unter anderem die Personalien des Hundehalters auf und leitet die Anzeige an das Ordnungsamt weiter, welches dann ein Bußgeldverfahren einleitet.“

„Wir haben als Hundehalter auch Verantwortung unseren Mitmenschen gegenüber“, stellt Daniela Krüger von der Hundeschule Salzwedel klar. Gerade im Zusammenhang mit Kindern, kann ein Zusammenreffen von Hund und Kindern brandgefährlich werden: „Wenn ein Kind noch nie Kontakt zu Hunden hatte, kann es passieren, dass das Kind aus panischer Angst auf die befahrende Straße läuft.“ Sie selbst habe in Kindereinrichtungen schon häufiger erlebt, wie Kinder auf Hunde reagieren, wenn sie bis dato noch keinen Kontakt zu Vierbeinern hatten. Da entstehe regelrecht Panik.

Beziehung zum Mensch kann brüchig werden

Auch gebe es genug Hunde, die ein Problem mit anderen Hunden hätten. Wenn dann aber jemand einen Hund frei laufen lässt und dieser auf einen anderen Hund zukommt, der mit Artgenossen gleichen Geschlechts auf Kriegsfuß steht, könne die Situation komplett eskalieren. „Die Hunde können völlig ausrasten.“ Das wiederum wird für den Hundehalter zum Problem. „Das macht das Team Hund-Mensch brüchig.“ Prinzipiell könne man auch nicht sagen, der Hund sei gut sozialisiert und tue daher nie jemandem etwas. Denn Mensch wie Hund können einen schlechten Tag haben oder auf das Gegenüber empfindlich reagieren. „Wenn ich von jemanden beschimpft oder bedroht werde, reagiere ich auch“, sagt die Hundetrainerin – sprich: Aktion-Reaktion. „Wir bleiben doch alle auch nicht immer freundlich.“