Salzwedel l Ein Verein bedeutet für gewöhnlich Routine, Sozialisierung und Beschäftigung – drei Sachen, die im vergangenen Jahr deutlich rarer geworden sind. Auch viele Vereine mussten wegen der Corona-Pandemie pausieren oder zumindest ihre Aktivitäten stark herunterschrauben. Wie stark sie betroffen waren, war vor allem von der Art des Vereins abhängig. Diese Art bestimmte zum Beispiel, wie gut sich die Aktivitäten ins Internet verschieben ließen.

So funktionieren Angebote wie die meisten Sportarten, das Musizieren und andere zwar nur schlecht unter Social Distancing. In dem Fall ist es aber noch online möglich, sich zu organisieren und auszutauschen. Der Hundesport- und Imkerverein berichtete etwa vom schlichten Austausch über Plattformen wie „WhatsApp“. Diese und andere hatten schon vorher eigene Webseiten, auf denen sie etwa bekannt gaben, wenn Termine wegen Corona ausfielen – oder sie arbeiten gerade an genau solchen Online-Auftritten.

Umstieg auf Netzspiele

So etwas betrifft in erster Linie das Organisatorische. Aber auch der spaßigere Vereinsteil lässt sich teilweise einfach online weiterführen.

Schach etwa ist sehr flexibel. Am wichtigsten sind zwei Spieler. Brett und Spielfiguren finden sich im Notfall digital. Darauf setzt zum Beispiel der Salzwedeler Schachclub, dessen Vorsitzender Ralf Schnapke für ein Volksstimme-Telefonat gerade bei einer Online-Partie unterbrochen wurde.

Turniere online

Mit solchen Online-Partien müssen Schachspieler wie die aus Salzwedel erstmal vorlieb nehmen. Auch Turniere finden in erster Linie in der Form statt. Im Online-Spiel sieht Schnapke aber einen wesentlichen Nachteil: „Da hat man nie eine Chance, weil die Leute vier Computer laufen lassen.“ Computer, die ganze Spiele vorrechnen und so die besten Züge diktieren können.

Ansonsten werden laut Schnapke auch hier Plattformen wie WhatsApp oder Facebook benutzt. Die Organisation sei in Kooperation jüngerer und älterer Mitglieder entstanden: Die Jugend lieferte Technikerfahrung, die Älteren Verständnis für Logistik. „Überraschend ist, dass die Kommunikation überhaupt aufrecht erhalten wurde“, freut sich Schnapke, dass der Verein in der Pandemie weitermachen konnte.

Selbstständig trainieren

Damit scheint es der Denksport im vergangenen Jahr einfacher gehabt zu haben. Aber auch Vereine für körperliche Sportarten haben im Lockdown Wege für ihr Training gefunden. In der Taekwon-Do-Schule „Moka-Do“ etwa müssen die Schüler selbstständig trainieren, wenn die Lehrstunden ausfallen. Aber Trainer Frank Weidemeyer kann immer noch aus der Ferne betreuen, wie er beschreibt: „Wer möchte, kann seine Formen über WhatsApp schicken und bewerten lassen.“

Dies sei in jüngster Zeit nur weniger genutzt worden, merkt Weidemeyer dazu an. Dennoch rechnet er nicht damit, dass das reduzierte Training sich zu sehr auf die Fitness seiner Schüler auswirkt. Diese seien nicht nur im Sommer sehr fleißig gewesen, als das Training zumindest draußen stattfinden konnte. Dazu komme noch, dass man die Techniken nicht so leicht vergesse. „Die Kondition ist schnell weg, aber kommt auch schnell wieder.“

Anweisungen gepostet

Auf der Seite des Altmark-Dojos wird sogar über Online-Seminare anderer Anbieter informiert. Davon abgesehen gibt es laut Vorsitzendem Bernd Dieterich aber für die Karateschüler eine ähnliche Online-Betreuung inklusive „Impulse“, mit denen die Mitglieder zum Training motiviert werden sollen. Da werden in WhatsApp-Gruppen etwa Anweisungen gepostet – teilweise auch als Video – mit der Aufforderung, Trainingseinheiten wie „Katas“, also feste Abfolgen bestimmter Techniken, zu üben. „Wir sind interessiert, dass unsere Mitglieder dran bleiben“, begründet Dieterich das ungewohnte Training. Denn auch wenn die Mitglieder durch ihre Beiträge keinen festen Anspruch auf die Lehrstunden haben, die wegen Corona ausfielen – so Dieterichs Schilderung – wolle man so verhindern, dass sie in der Ruhephase austreten.

Solche Angebote sind aber auch von den Möglichkeiten ihrer Mitglieder abhängig, wie der Jiu-Jitsu-Verein Lotos zeigt. „Da haben wir nicht so die Chancen“, erzählt Lehrerin Diana Schülke, denn viele Schüler haben gar kein Internet – bei Jüngeren etwa, weil sich die Familie dies nicht leisten könne, und bei Älteren, weil sie drauf verzichteten.

Wettbewerbe gerettet

Auch der Fotoclub musste auf viele Aktivitäten und Veranstaltungen verzichten. Eine monatliche Tradition konnte aber ins Netz gerettet werden: der Fotowettbewerb. Lief dieser sonst vor Ort ab, wo Mitglieder über das Ablegen von Streichhölzern abstimmten, wurde dafür eine eigene Seite eingerichtet, beschreibt Vereinsmitglied Oliver Becker.

Trotz einiger Ausstellungen im vergangenen Jahr sei dies aber auch mehr oder weniger das einzige, was gerade vereinsmäßig läuft, bedauert Becker – jetzt läge „nur noch der Fokus auf dem Monatswettbewerb“, und der mit immer weniger Beteiligung von den Mitgliedern.