Salzwedel l „Das, was auf den Tisch kommt, wird gegessen“, macht Siegfried Wittling (66) als regelmäßiger Gast im Mehrgenerationenhaus (MGH) an der Sonnenstraße eine klare Ansage, kurz bevor eine dampfende Schüssel mit Altmärkischer Hochzeitssuppe vor ihm platziert wird. Und das was im MGH jeden Mittag und am Freitagabend (3. Januar) zum Neujahrsessen auf den Tisch kommt und kam, das kann sich wirklich sehen beziehungsweise schmecken lassen. Verantwortlich für die Köstlichkeiten aus der MGH-Küche, soweit diese denn auch funktioniert, ist Regina Holz.

Für das Neujahrsessen, für viele Gäste auch die nachgeholte Weihnachtsfeier, musste Holz allerdings zunächst auf den heimischen Herd in Cheine ausweichen. „Hier fliegen ständig die Sicherungen raus“, wollte sie für Altmärkische Hochzeitssuppe, Ente und Vanillecremé mit Maracuja-Sauce auf Nummer sicher gehen.

Schnippeltag vor dem Festessen

Verlassen konnte sich Regina Holz bei der Vorbereitung des Drei-Gänge-Menüs auf ein altbekanntes und versiertes Helferteam. Ihr Mann Egon sowie Karin und Arno Willert und Michael Kirsten – ein Freund aus Berlin, der seit einigen Jahren das Ehepaar Holz unterstützt – trafen sich zum „Schnippeltag“. Denn das Gemüse musste geschnitten, die Klöße für die Suppe gedreht und der Eierstich zubereitet werden. Den Gästen sollte einfach ein ganz besonders feierliches Mahl bereitet werden. Und das funktionierte auch in diesem Jahr wieder perfekt. 34 Salzwedeler kamen so an den schön geschmückten Tischen im MGH zusammen.

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Viele der Besucher sind auch regelmäßig zum Mittagstisch dort. Dieser wird täglich von Regina Holz zubereitet. Das Angebot wird vom Sonet (Soziales Netzwerk für weltoffene und demokratische Jugend- und Sozialarbeit im Altmarkkreis Salzwedel) koordiniert, das weitere Programm im MGH wird im Gegensatz dazu von Mitarbeitern der Awo (Arbeiterwohlfahrt, Sozialdienst Altmark GmbH) gestaltet.

Sicherungen sind ein Problem

Etwas enttäuscht zeigte sich Gasthelfer Michael Kirsten vom Zustand der Räumlichkeiten des MGH in Salzwedel. „Das kenne ich aus anderen Einrichtungen dieser Art anders“, berichtete der Berliner und meinte damit, dass es deutlich besser ausgestattete Häuser gebe. Am Freitag hatte Regina Holz Glück, die beiden Herde in der Küche taten ihren Dienst, die Sicherung hielt durch. Was Michael Kirsten aber besonders ärgerte: „Wir mussten erstmal alle Räume für den Abend gründlich putzen.“ Vom MGH-Team war am Abend niemand dabei. „Aber ich bin es gewohnt, dass wir es immer allein machen“, merkte Regina Holz an und freute sich dann über den Einsatz ihrer kleinen, rührigen Mannschaft.

Und dieser Einsatz wurde auch von den Gästen gelobt, die sich die Enten, zehn Stück von einem Bauern aus der Region, mit Sauce sowie die Vor- und Nachspeise schmecken ließen.

Wie eine Zweitfamilie

„Wir sind hier der harte Kern“, meinte Siegfried Wittling, der neben Hans Roese (64) an der festlich gedeckten Tafel saß. „Nach dem Essen halten wir ein Schwätzchen“, freute er sich. Die Gruppe sei wie ein Freundeskreis, meinte der Senior. „Und das spricht sich rum“, betonte Tischnachbar Hans Roese.

Wenn im MGH gut gegessen wird, dann kommen auch ehemalige Angestellte gern vorbei. So wie Anja Breese, frühere pädagogische Mitarbeiterin an der Sonnenstraße. Sie sei nett begrüßt und direkt wieder aufgenommen worden, sagt Breese, die heute als Erzieherin in Gartow arbeitet, den Kontakt zur Salzwedeler Einrichtung aber nie abreißen ließ. „Die Freude, alle Gäste beim Essen als eine Art Zweitfamilie zu beobachten, war total schön“, schrieb sie nach dem Abend. Etwas schade fand sie, dass die aktuelle MGH-Leitung nicht dabei war.

Ein großes Lob gab es für Regina „Biene“ Holz: „Sie ist glücklich, wenn es allen schmeckt und macht ihre Arbeit im MGH aus Leidenschaft“, betonte Anja Breese.