Mehrwert

Die Mehrwertsteuer, in der Wirtschaft Umsatzsteuer genannt, wird auf die Wertschöpfung innerhalb eines Produktionsprozesses berechnet. Es wird hierbei also nur der zusätzlich geschaffene Wert, der Mehrwert, besteuert. Die Mehrwertsteuer ist eine indirekte Steuer, die nicht von denjenigen gezahlt wird, die sie verursachen. Kostenträger der Steuer ist der Endverbraucher, da dieser die Mehrwertsteuer nicht absetzen oder verrechnen und somit auch nicht weiterleiten kann.

Es gibt einen Regelsatz und einen ermäßigten Satz.

Der Regelsatz ist seit 1968 von 10 sukzessive auf 19 Prozent (seit 2007) gestiegen,

Der ermäßigte Satz betrug erst fünf und seit 1983 sieben Prozent.

Quelle: Statista

Salzwedel l Wer sich ab diesem Monat bis zum Jahresende beispielsweise ein Auto, eine Küche oder ein teures Fahrrad kauft, kann sparen. Drei Prozent machen bei vier- oder fünfstelligen Summen schon was aus. Aber beim ganz normalen Einkauf? Durchschnittlich 80 bis 120 Euro Ersparnis pro Haushalt im Monat haben die Finanzexperten der Bundesregierung errechnet.

Befragte Salzwedeler waren eher skeptisch. Für viele stehen in den ungewissen Zeiten, die die Corona-Pandemie mit sich bringt, keine großen Ausgaben an. Sie sehen in der Mehrwertsteuersenkung wenig Sinn. Für die Händler und Gastronomen ergebe sie einen erhöhten Aufwand. „Das Ganze bringt mehr Arbeit als alles andere, und für Otto-Normal-Verbraucher lohnt es sich nicht“, findet Serena Meyer aus Salzwedel. Ganz anders denkt Johannes Schulz, er will umbauen und renovieren – eine größere Investition, bei der sich der geringere Steuersatz deutlich bemerkbar macht, wie er einschätzt.

Preise nicht ändern

Gastronomen sollten die niedrigeren Kosten beim Einkauf für sich nutzen, ihre Preise aber nicht ändern, meinen wiederum Annegret und Karl-Heinz Klupsch aus Salzwedel. „Damit sie sich von ihren wirtschaftlichen Einbußen wieder erholen. Da hätten wir nichts dagegen“, sagt Annegret Klupsch.

Einige Händler haben in ihren Geschäften ausgewiesen, die geringere Steuer nicht an ihre Kunden weiterzugeben, weil sie nur kleine Summen ausmacht, und stattdessen für einen guten Zweck zu spenden, wie zum Beispiel für die Jugendfeuerwehr.

Eiskugeln größer

Für manche Geschäfte ist es indes kaum möglich, die Steuersenkung weiterzugeben, wie beim Eismann um die Ecke. „Dafür sind die Eiskugeln jetzt ein bisschen größer“, sagt er lachend.

Auch die Inhaberin des kleinen Ladens Spunk in der Salzwedeler Burgstraße findet es logistisch nicht machbar, ihre vielen kleinteiligen Waren neu auszupreisen. Bei teureren Sachen, ziehe sie die drei Prozent ab, erklärt sie.

Kakao als Bonus

Im Baumkuchencafé wenige Häuser weiter gibt es für Stammkunden schließlich einen Bonus, wie zum Beispiel mal einen Kakao gratis, statt weniger Mehrwertsteuer. „Es sind ja nur ganz geringe Beträge“, sagt Verkäuferin Daniela Böttcher. Beim Baumkuchen selbst sieht das anders aus. Er wird nach Gewicht verkauft und die Waage sei natürlich entsprechend umgestellt worden.

Ein erhoffter Kundenansturm, so wie von der Bundesregierung eigentlich erhofft, bleibt aber offensichtlich überall aus. Auch bei großen Anschaffungen. Drei Prozent bei einem Neuwagen von rund 40 000 Euro, „das wäre ja schon ein guter Tausender“, bestätigt Geschäftsführer Andreas Meyer vom Klötzer Autohaus Mazda-Meyer. „Unsere Preise wurden vorher schließlich auch nicht erhöht.“ Eine größere Nachfrage nach neuen Autos könne er aber trotzdem nicht verzeichnen. „Und bei Gebrauchtwagen ist ja ohnehin meist keine Mehrwertsteuer mehr ausgewiesen.“ Zudem seien die Preise bei den Gebrauchten ja oft auch Verhandlungssache.

Ebenso wie im Gardelegener Möbelland. Wer zum Beispiel eine Küche kaufe, habe da immer Verhandlungsspielraum, betont Hausleiterin Melitta Kamieth. „Wir wollen ja, dass die Kunden zufrieden rausgehen.“ Außerdem gebe es das ganze Jahr über viele Rabattaktionen. Selbstverständlich sei die Kasse aber auf die kleinere Mehrwertsteuerausweisung umgestellt.

Jahresrabatt fürs Wasser

Freuen dürfen sich die Kunden des Salzwedeler Wasserverbandes (VKWA). Ein Entwurf des Finanzministeriums sieht vor, die Steuersenkung auf Trinkwasserpreise rückwirkend zum 1. Januar anzurechnen. Das bedeute zwei Prozent weniger für das ganze Jahr, erklärt VKWA-Geschäftsführer Jens Schütte. Ausgewiesen und angerechnet werde die Ersparnis bei der Jahres-Schlussrechnung. An den Abschlägen ändere sich nichts und es habe deshalb auch keine Stichtagsablesung der Wasserzähler zum 1. Juli gegeben. Er rechnet nicht damit, dass es einen höheren Verbrauch gibt, denn die geringere Steuer von nun fünf Prozent bedeute gerade einmal drei bis vier Cent weniger je Kubikmeter Wasser.

Abgeleitete Schätzung

Bei Strom und Gas wird zum Stichtag 30. Juli eine abgeleitete Schätzung ermittelt. Der geringere Steuersatz macht sich dann ebenfalls in der Jahresendrechnung des jeweiligen Energielieferanten bemerkbar, informiert Ralph Montag, Pressesprecher der Avacon.

Dennoch hätten Kunden des Energieversorgers jederzeit die Möglichkeit, Zwischenstände beispielsweise über das online-Kundenportal zu melden. Für das Unternehmen sei die Anpassung der Abrechnungssysteme an die neuen Steuersätze mit einigem Aufwand verbunden.