Salzwedel l Demolierte Schränke, beschmierte Wände, zerstörte Türen: Manche Mieter lassen nach ihrem Auszug eine renovierungsbedürftige Wohnung zurück. Im Schnitt zehn mal im Jahr passiert das auch der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Salzwedel (Wobau). „Mit Beendigung des Mietverhältnisses kommt es leider ab und zu vor, dass Mieter die Wohnung nicht in vertragsgerechtem Zustand zurückgeben“, formuliert es Wobau-Geschäftsführer Christian Märtens. Und „nicht vertragsgerecht“ ist dabei noch äußerst milde ausgedrückt.

Die Wobau gehört in der Region zu den Großvermietern. 2421 Wohnungen gehören dazu, zumeist in Wohnblöcken. „Bei uns wohnt ein Querschnitt der Gesellschaft“, so Märtens. Und eben auch jene, die keine Miete zahlen oder mit denen die Nachbarn auf Kriegsfuß stehen. Und wenn den Mietern die Wohnung gekündigt wird, kann es unter Umständen zu üblen Überraschungen kommen. „Insbesondere nach angestrengter Räumungsklage offenbart sich uns gelegentlich ein grausiges Bild.“ Die Wohnung vermüllt oder verunreinigt, Schäden an Türen, Sanitäreinrichtung, Wand- und Bodenbelägen und so weiter.

Fäkalien im Waschbecken

„In einzelnen Wohnungen fanden die Mitarbeiter neben erheblichen Beschädigungen auch massive Verunreinigungen vor. Beispielhaft seien hier Fäkalien in Waschbecken, Badewannen beziehungsweise den Wohnräumen genannt“, beschreibt der Geschäftsführer Extremfälle. Dazu kommen noch Mieter mit dem Messie-Syndrom. Also Menschen mit dem zwanghaften Verhalten, wertlose Dinge zu horten und die Unfähigkeit, sich davon zu trennen. Wenn schlussendlich ein Räumungstermin durch den Gerichtsvollzieher angekündigt werde, würden manche Mieter auch in einer Nacht- und Nebelaktion die Wohnung verlassen und eine komplett verwohnte Einrichtung zurücklassen. „Nachdem wir in den Besitz der Wohnung gelangt sind, beauftragen wir dann die Beräumung“, erklärt Christian Märtens die Vorgehensweise.

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Bei einer Zwangsräumung werde die Wohnung im Regelfall durch eine beauftragte Spedition noch am selben Tag beräumt – vorfinanziert von der Wobau. Hinzu kommen noch Kosten für ortsansässige Handwerker, die die Wohnung auf Vordermann bringen müssen, um sie wieder anbieten zu können. Summa summarum entstehen der Wobau durch solche Fälle jährlich Kosten von rund 50.000 Euro.

Das Geld werde den Verursachern zwar als Schadensersatzforderung berechnet und gerichtlich tituliert, so der Wobau-Geschäftsführer: „Im Zweifel warten wir darauf aber auch 30 Jahre.“ Die Forderungen würden allerdings im Rahmen der Langzeitverfolgung überwacht, so dass diese tatsächlich noch nach vielen Jahren eingetrieben werden könnten.

Beschwerden anderer Mieter

Zuweilen erfährt die Wobau durch Beschwerden anderer Mieter, dass etwas nicht stimmt. Beispielsweise, weil ein unangenehmer Geruch aus der Wohnung kommt oder die Mieter mit Lärm von sich reden machen. „Das passiert etwa einmal im Monat.“

Übrigens: Auch aktuell hat die Wobau einen Mieter mit Messie-Syndrom in der Wohnung. Dieser werde aber nicht vor die Tür gesetzt sondern sozial betreut.